Eva Rinaldi, CC BY-SA 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>, via Wikimedia Commons
Lesedauer 3 Minuten
Chris Brown Performs at Supafest 3 Sydney, Australia 2012.

Was als einer der aufsehenerregendsten Zivilprozesse des Jahres beginnen sollte, endete nach wenigen Tagen mit einem juristischen Paukenschlag: Ein Richter des Los Angeles Superior Court erklärte das Zivilverfahren gegen Chris Brown im Zusammenhang mit einem Hundeangriff auf seine ehemalige Haushälterin Maria Avila am 17. Juni 2026 für ungültig. Grund war ein schwerwiegender Verstoß innerhalb der Jury: Ein Jurymitglied soll eigenständig im Internet nach fallrelevanten Informationen gesucht und diese anschließend mit anderen Geschworenen geteilt haben – ein klarer Bruch der Verfahrensregeln, der dem Richter keine andere Wahl ließ. Der Prozess muss neu aufgerollt werden, die Klage selbst bleibt aktiv.

Die Tat: Ein Dezembermorgen in Tarzana

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht ein Vorfall vom Dezember 2020. Maria Avila, damals als Haushälterin auf Browns Anwesen im Stadtteil Tarzana im Westen von Los Angeles beschäftigt, soll beim Herausbringen des Mülls von einem Wachhund der seltenen kaukasischen Hirtenhundrasse angegriffen worden sein. Das Tier, von den Beteiligten auf den Namen Hades getauft, verursachte laut Klageschrift schwerste Verletzungen an Avilas Gesicht und Armen, die rund 80 Nähte erforderten und dauerhafte körperliche sowie emotionale Schäden hinterließen. Avila fordert in ihrer Klage 90 Millionen US-Dollar Schadensersatz.

Brown auf dem Zeugenstand: Schock, Hunde und das Nichtrufen des Notrufs

Am ersten Verhandlungstag war Chris Brown, 37 Jahre alt, als erster Zeuge vorgeladen worden. In knapp dreistündiger Aussage schilderte er seine Version der Ereignisse. Er sei im Obergeschoss seines Hauses gewesen, als er das ungewöhnliche Knurren des Hundes hörte und die Treppe hinuntereilte. In der Einfahrt fand er die Haushälterin bewusstlos auf dem Boden liegend, das Gesicht nach unten. Was er dann sah, beschrieb er als schockierend – es sei sehr viel Blut gewesen. Brown erklärte, er habe sich hinuntergebeugt, um zu prüfen, ob die Frau noch atmete, was er an der Bewegung ihres Brustkorbs erkannte. Anschließend trieb er die Hunde weg und rief dem Sicherheitsmann des Anwesens zu, herbeizueilen.

Was er nicht tat, war Gegenstand der zentralen Auseinandersetzung im Gerichtssaal: Brown rief selbst nicht den Notruf, leistete Avila keine direkte erste Hilfe und verließ das Anwesen, bevor Sanitäter und Polizei eintrafen. Auf die Frage nach diesem Verhalten erwiderte er, der Anblick des Blutes habe ihn unter Schock gesetzt und er habe sichergestellt, dass Hilfe auf dem Weg sei. Er bekenne sich zu einem Teil der Mitverantwortung, bestritt aber, Eigentümer des Hundes zu sein. Hades sei von seinem Sicherheitsteam angeschafft worden und habe ihm nicht persönlich gehört. Das Tier wurde nach dem Vorfall von Mitarbeitern Browns zunächst in den Norden Kaliforniens gebracht und dort ausgesetzt. Ein Tierscutzverein fand den Hund und ließ ihn einschläfern.

Brisante Zeugenaussage: Bargeldübergabe nach dem Angriff

Für erhebliche Aufmerksamkeit im Verfahren sorgte die Aussage von Emil Lewis, dem Sicherheitschef des Sängers. Dieser räumte unter Eid ein, er habe Maria Avila und ihrer Familie kurz vor und nach Weihnachten 2020 zwischen 30.000 und 40.000 US-Dollar in bar und per Scheck übergeben. Als Begründung gab Lewis an, er habe aus Mitleid gehandelt und die Zahlungen nie mit Brown abgesprochen. Die Gegenseite sah in dieser Aussage hingegen ein Indiz für ein gesteuertes Vorgehen, das den Schweregrad des Vorfalls vertuschen sollte.

Rihanna-Vergangenheit als mögliches Beweismittel

Bereits im Vorfeld des Prozesses hatte Browns Anwaltsteam versucht, eine Verknüpfung mit seinem Vorstrafen-Eintrag aus dem Jahr 2009 zu verhindern. Damals war Brown verhaftet worden, nachdem er seine damalige Freundin Rihanna in einem geparkten Fahrzeug in Los Angeles körperlich angriff. Er bekannte sich in einem Anklagepunkt des schweren tätlichen Angriffs schuldig und erhielt fünf Jahre Bewährung sowie gemeinnützige Arbeit. Avilas Anwälte hatten sich das Recht vorbehalten, diesen Vorfall als Gegenbeweis in das aktuelle Verfahren einzuführen, falls Browns Verteidigung seinen Charakter in einem zu positiven Licht darzustellen versuche.

Mistrial, Neuprozess und weitere Rechtsstreitigkeiten

Der jetzt erklärte Mistrial bedeutet, dass das Verfahren von vorne beginnen muss. Ein neuer Verhandlungstermin wurde noch nicht festgesetzt. Unabhängig davon steht Brown im Oktober 2026 ein weiterer Prozess bevor: Er ist angeklagt, 2023 einem Musikproduzenten eine Tequilaflasche gegen den Kopf geschlagen zu haben. Zudem häufen sich in den vergangenen Jahren weitere Zivilklagen gegen ihn, darunter ein 20-Millionen-Dollar-Verfahren einer Frau, die ihn beschuldigt, sie auf einer Jacht in Miami betäubt und sexuell missbraucht zu haben. Brown bestreitet diese Vorwürfe.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: rap2soul, Rolling Stone DE, Heute.at, Rolling Stone US, Yahoo Entertainment, NBC News, TMZ

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2026 Xenopolias.de – Unabhängiger Musik‑ und Kulturjournalismus