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Christian Ulmen und Collien Ulmen-Fernandes beim Deutschen Fernsehpreis 2012

Der Fall Christian Ulmen hat eine neue juristische Dimension erreicht. Nicht nur Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und öffentliche Vorwürfe beschäftigen den Schauspieler, Autor und Regisseur im Jahr 2026 – er steht nun auch als Kläger vor dem Arbeitsgericht Berlin. Im Mittelpunkt: vier Verträge, die sein langjähriger Produktionspartner Pyjama Pictures am 15. April 2026 fristlos aufgekündigt hat, und die zentrale Frage, ob Ulmen bei der Entstehung einer unveröffentlichten Streaming-Serie als Arbeitnehmer einzustufen ist.

Die Serie, die nie ausgestrahlt wurde

Bei dem Projekt, das den Streit ausgelöst hat, handelt es sich um The Au Pair, eine für den Streamingdienst Joyn geplante Serie, die es nie zur Ausstrahlung gebracht hat. Ulmen war an dem Vorhaben in mehreren Funktionen beteiligt: als Drehbuchautor, als Regisseur und als Editor. Zusätzlich bestand zwischen ihm und Pyjama Pictures eine Exklusivvereinbarung, die seine Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma exklusiv regelte. Insgesamt wurden vier Vertragswerke geschlossen – und all diese vier Verträge kündigte Pyjama Pictures am 15. April 2026 auf einmal und ohne Einhaltung einer Frist.

Das Handlungskonzept der nie gesendeten Serie beschrieb eine Au-Pair, die zwischen die Fronten einer toxischen Familie gerät. Für zusätzliche Brisanz sorgten Medienberichte, denen zufolge bestimmte Elemente des Drehbuchs auffällige inhaltliche Parallelen zu den gegen Ulmen persönlich erhobenen Vorwürfen aufweisen sollen – darunter Themen wie gefälschte digitale Identitäten, sexuelle Onlinekommunikation und die unerlaubte Weitergabe intimer Bilder. Seven.One Studios, das zu Pyjama Pictures gehörende Mutterhaus, erklärte, man werde Spekulationen über mögliche Übereinstimmungen nicht kommentieren.

Die Kündigung und ihre Begründung

Pyjama Pictures begründete die fristlose Beendigung aller Verträge gegenüber dem Arbeitsgericht laut dessen offizieller Mitteilung mit zwei wesentlichen Punkten: den bekannt gewordenen Vorwürfen strafrechtlicher Natur gegen Ulmen sowie den geschilderten inhaltlichen Berührungspunkten zwischen den Drehbuchfassungen und den privaten Vorwürfen. Bereits im März 2026, also rund sechs Wochen vor den Kündigungen, hatte das Unternehmen angekündigt, mit Ulmen über die Rückgabe seiner Gesellschaftsanteile zu verhandeln und keine weiteren Projekte mit ihm als Showrunner zu planen. Seit Mai 2023 ist Ulmen nicht mehr Teil der Geschäftsführung von Pyjama Pictures, hält aber nach Unternehmensregisterangaben weiterhin 22,5 Prozent der Anteile am Unternehmen.

Ulmens Position: Arbeitnehmer, nicht freier Mitarbeiter

Gegen die fristlosen Kündigungen wehrte sich Ulmen mit einer Klage vor dem Arbeitsgericht Berlin. Sein zentrales Argument: Er sei im Rahmen der Produktion nicht als freier Mitarbeiter oder selbstständiger Auftragnehmer tätig gewesen, sondern habe faktisch die Stellung eines Arbeitnehmers innegehabt. Diese Einordnung ist für den weiteren Verlauf entscheidend, da Arbeitnehmer in Deutschland erheblich stärker vor fristlosen Kündigungen geschützt sind als Selbstständige. Würde das Gericht seiner Auffassung folgen, wäre die rechtliche Hürde für eine wirksame außerordentliche Kündigung deutlich höher. Ulmen weist sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe, die den Hintergrund des gesamten Konflikts bilden, zurück.

Hintergrund: Die Vorwürfe und die Trennung

Der Konflikt mit Pyjama Pictures lässt sich nicht losgelöst von einer umfassenderen Krise betrachten, die Ulmen seit dem Frühjahr 2026 begleitet. Im März 2026 wurden Vorwürfe seiner Exfrau Collien Fernandes publik, nachdem diese eine Anzeige gegen ihn erstattet hatte. Fernandes, Schauspielerin und Moderatorin, wirft Ulmen unter anderem vor, über mehrere Jahre hinweg gefälschte Social-Media-Profile in ihrem Namen erstellt und über diese Bilder und Videos veröffentlicht zu haben, die ihr Bild missbrauchen. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel beschrieb sie das Erlebte als tiefgreifenden Eingriff in ihre Persönlichkeit.

Ulmen und Fernandes hatten im September 2025 ihre Trennung bekannt gegeben, die Scheidung wurde im März 2026 vollzogen. Aus ihrer 2011 geschlossenen Ehe entstammt eine gemeinsame Tochter. Ulmen war zuvor bereits von 2005 bis 2010 mit Huberta Ulmen verheiratet, aus dieser Verbindung stammt ein Sohn.

Ulmens Medienanwalt Christian Schertz hatte unmittelbar nach den ersten Berichten Maßnahmen gegen das Nachrichtenmagazin Spiegel eingeleitet und die Berichterstattung als auf einseitigen Angaben beruhend und rechtlich unzulässig bezeichnet. Parallel dazu ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Der Gütetermin: Erste Möglichkeit zur außergerichtlichen Einigung

Für den 22. Juni 2026 hat das Arbeitsgericht Berlin einen Gütetermin angesetzt, bei dem ein außergerichtlicher Vergleich ausgelotet werden soll. Ein Gütetermin ist im deutschen Arbeitsrecht die vorgesehene erste Instanz, in der beide Parteien die Möglichkeit haben, ohne Urteil eine Einigung zu erzielen. Kommt es zu keiner Einigung, dürfte sich das Verfahren über einen erheblichen Zeitraum weiterentwickeln. Die beruflichen Auswirkungen auf Ulmen sind bereits jetzt spürbar: Mehrere Projekte, an denen er beteiligt war oder beteiligt sein sollte, wurden nach Bekanntwerden der Vorwürfe nicht weiterverfolgt oder eingestellt.

Eine Karriere unter Druck

Christian Ulmen, geboren am 22. September 1975 in Neuwied, hatte sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten als eine der prägenden Figuren der deutschen Unterhaltungsbranche etabliert. Als Schauspieler war er dem Publikum vor allem durch seine langjährige Rolle als Tatort-Ermittler in Weimar an der Seite von Nora Tschirner bekannt, die von 2013 bis 2021 ausgestrahlt wurde. Als Gründer und Mitgesellschafter von Pyjama Pictures hatte er darüber hinaus die Produktionsseite des Fernsehgeschäfts mitgeprägt. Das aktuelle Verfahren ist ein weiteres Kapitel in einem Konflikt, dessen Ausgang auf mehreren Ebenen – juristisch, beruflich und öffentlich – noch vollkommen offen ist.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: t-online, Rolling Stone DE, DWDL.de, Quotenmeter.de, Klamm.de, Wikipedia EN

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