Morten Skogly from Trondheim, Norway, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons
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Bill Gould, bass player of Faith No More

Jahrelang schienen alle Zeichen auf ein dauerhaftes Ende hinzudeuten. Einzelne Bandmitglieder schlossen eine Reunion öffentlich aus, Frontmann Mike Patton mied das Thema oder sprach gar von einer inneren Akzeptanz des Endes. Dann, am 16. Juni 2026, postete die Band auf ihren sozialen Netzwerken ein Bild – ihr Logo, eine Konzertmenge, und die schlichte Jahreszahl 2027. Zwei Tage später lieferte Bassist Bill Gould im Podcast Rock Talk die ausdrückliche Bestätigung: Faith No More werden 2027 wieder live spielen.

Der Funke und die offizielle Flamme

Der 16. Juni 2026 war der Moment, in dem die Fangemeinde weltweit aufhorchte. Ein unkommentiertes Bild auf den Social-Media-Kanälen der Band – mehr brauchte es nicht, um Tausende Kommentare und Spekulationen auszulösen. Wenige Tage zuvor war außerdem bekannt geworden, dass Faith No More einen globalen Tourvertrag mit dem südamerikanischen Veranstalter 30e unterzeichnet haben – einem Unternehmen, das wenige Monate zuvor bereits einen ähnlichen Vertrag mit System of a Down geschlossen hatte und sich als Kraft in der Vermarktung bedeutender Metal-Bands positioniert.

Gould ließ im Podcast keinen Zweifel an den Plänen. Europa sei definitiv dabei, ebenso Südamerika, Australien und die USA. Die ersten Shows sollen im Januar oder Februar 2027 beginnen. Konkrete Tourdaten nannte er nicht.

Goulds Begründung: Jetzt oder nie

Was den Ausschlag gab, ist laut Gould eine sehr menschliche Überlegung: Die Musik von Faith No More wurde als 20-Jährige geschrieben und ist in ihrer Essenz hochgradig körperbetont. Sie habe stets volle physische Hingabe erfordert und verlange das bis heute. Für ihn persönlich sei es undenkbar, seine Bassparts anders zu spielen als mit vollem körperlichen Einsatz. Das Fenster, in dem das möglich sei, schließe sich irgendwann. Genau deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, es noch einmal zu tun – und es richtig zu tun.

Eine Reunion gegen alle Erwartungen

Noch vor wenigen Monaten hätte kaum jemand auf ein Faith-No-More-Comeback gewettet. Schlagzeuger Mike Bordin hatte im Frühjahr 2025 erklärt, Patton sei von der anfänglichen Unfähigkeit, Shows zu spielen, zu offensichtlicher Unwilligkeit gewechselt. Keyboarder Roddy Bottum schloss im Herbst 2025 eine Reunion aus. Selbst Patton äußerte sich Anfang 2026 in einem Podcast dahingehend, das Ende der Band nicht als traurig zu empfinden.

Vor diesem Hintergrund ist die Ankündigung der Tour ein vollständiger Kurswechsel – einer, dessen interne Hintergründe die Band bislang nicht öffentlich erläutert hat. Gould räumte im Interview ein, er erhalte innerhalb der Band selbst verschiedene Informationen von verschiedenen Mitgliedern. Was ihn persönlich angeht, sei die Entscheidung klar: Man werde es machen.

Faith No More: Eine Band, die das Genre sprengte

Faith No More wurden Anfang der 1980er Jahre in San Francisco gegründet und zählen bis heute zu den prägendsten und eigenwilligsten Bands der amerikanischen Rockmusik. Ihre Mischung aus Metal, Funk, Hip-Hop, Progressive Rock und Avantgarde machte sie zu Pionieren eines Genres, das sich schlicht als ihr eigenes definieren lässt. Das 1989 erschienene Album The Real Thing brachte mit Epic einen Crossover-Hit, der auf MTV rauf- und runterlief und die Band einem weltweiten Publikum bekanntmachte.

Das 1992er Album Angel Dust gilt heute als Meisterwerk, das seiner Zeit weit voraus war – ein Album, das die Plattenfirma zutiefst verstörte und mit dem die Band bewusst gegen Markterwartungen arbeitete. Weitere Alben wie King for a Day… Fool for a Lifetime und Album of the Year folgten, bevor sich die Band 1998 erstmals auflöste.

Nach einer langen Pause kehrten sie 2009 mit der ursprünglichen Stammbesetzung zurück auf die Bühne, darunter Sänger Mike Patton, der 1989 als Nachfolger von Chuck Mosley eingestiegen war. Mehrere Europatouren folgten, darunter gut besuchte Deutschlandauftritte, bevor pandemiebedingte Absagen und schließlich Pattons Rückzug aus gesundheitlichen Gründen die Aktivitäten ab 2020 zum Stillstand brachten. Die letzten Bühnenauftritte der Band datieren auf das Jahr 2016.

Partnerwahl als Statement

Dass Faith No More ihren globalen Tourvertrag mit 30e abgeschlossen haben und nicht mit einem der etablierten Branchenriesen, ist kein Zufall. In einem gemeinsamen Statement der Band hieß es, 30e bringe eine frische Perspektive, echte strategische Tiefe und globalen Ehrgeiz mit, der mit der Vision der Band übereinstimme. Was zähle, sei, dass das Unternehmen verstehe, wie man rund um die Band etwas Bedeutungsvolles aufbaue, ohne zu kompromittieren, was Faith No More einzigartig mache. 30e seinerseits bezeichnete Faith No More als Band, die ganze Generationen geprägt habe, weil sie sich geweigert habe, nach den offensichtlichen Regeln des Marktes zu spielen.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Metal Hammer DE, Visions, Kerrang, Consequence, Loudwire, Louder Sound, The PRP, Far Out Magazine

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