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James Burrows in New York, 1970

Die amerikanische Unterhaltungsbranche verliert eine ihrer prägendsten Figuren. James Burrows, elfmaliger Emmy-Gewinner und einer der produktivsten Fernsehregisseure in der Geschichte des amerikanischen Fernsehens, ist am 20. Juni 2026 im Alter von 85 Jahren friedlich im Kreis seiner Familie eingeschlafen. Seine Frau Debbie, vier Töchter und sieben Enkelkinder trauern um ihn. Über fünf Jahrzehnte hinweg hat Burrows die Art geprägt, wie Amerika lacht, wie Figuren auf der Leinwand entstehen und wie das Format der Sitcom funktioniert.

Ein Mann, tausend Episoden

Die Zahl, die James Burrows‘ Karriere am besten zusammenfasst, ist einfach: mehr als tausend. So viele Fernsehfolgen hat er im Laufe seines Lebens als Regisseur inszeniert – eine Summe, die in der Fernsehgeschichte ohne Vergleich ist und die verdeutlicht, mit welcher Konsequenz und Energie er jahrzehntelang seiner Arbeit nachging. Diese Produktivität war dabei keine Massenware: In so gut wie jedem Projekt, das Burrows anfasste, hinterließ er eine handwerkliche Präzision und eine warmherzige Menschenkenntnis, die seine Serien von der Masse abhob.

Cheers: Eine Bar, die zur Institution wurde

Sein bekanntestes Werk ist Cheers, die Barkomödie, die er gemeinsam mit den Brüdern Glen und Les Charles erdachte und die von 1982 bis 1993 auf dem US-Sender NBC lief. Die Serie, in der es um das Leben der Stammgäste und des Personals einer Bostoner Bar geht, zählt bis heute zu den meistgeliebten und meistausgezeichneten Fernsehserien der Geschichte. Bei 236 der insgesamt 270 Episoden führte Burrows selbst Regie – eine Zahl, die sowohl sein Engagement als auch die Kontinuität seiner Arbeit verdeutlicht. Für seine frühen Arbeiten, darunter seine Regie bei der Serie Taxi, gewann er 1980 und 1981 in Folge den Emmy für die beste Regie einer Comedyserie – der Beginn einer langen Auszeichnungsgeschichte.

Friends, Will & Grace, The Big Bang Theory: Ein Netz von Sitcom-Klassikern

Was viele nicht wissen: Burrows war auch maßgeblich daran beteiligt, einige der anderen größten Sitcoms der amerikanischen Fernsehgeschichte auf den Weg zu bringen. Die Pilotfolge von Friends, dem Format, das in den 1990er und 2000er Jahren weltweit Milliarden von Zuschauerinnen und Zuschauern erreichte, stammt von ihm. Angeblich soll er den Hauptdarstellern der Serie vor den Dreharbeiten einen Ausflug nach New York organisiert haben – mit dem Rat, die Anonymität dieser letzten freien Tage zu genießen, denn danach würde ihr Leben nie wieder dasselbe sein. Er sollte recht behalten.

Bei Will & Grace übernahm Burrows die Regie aller Episoden der ursprünglichen Lauftzeit von 1998 bis 2006. Auch die Pilotfolge von The Big Bang Theory – jenem Format, das später zu einer der meistgesehenen Comedyserien der Welt werden sollte – inszenierte er. Zu seinen weiteren Stationen gehörten unter anderem Laverne & Shirley, The Mary Tyler Moore Show, Taxi und Mike & Molly.

Ein Erneuerer des Formats

Neben seinem enormen Werksumfang wird Burrows auch für eine technische Innovation geehrt, die das Aussehen amerikanischer Sitcoms nachhaltig verändert hat: Er führte eine vierte Kamera in das bis dahin klassische Drei-Kamera-Setup ein, das die Produktion von Sitcoms seit den 1950er Jahren geprägt hatte. Durch die zusätzliche Perspektive gewann die Inszenierung an Flexibilität und Lebendigkeit. Eine scheinbar kleine Neuerung – in ihrer Wirkung jedoch beträchtlich.

Der Sohn eines Broadway-Pioniers

James Burrows kam 1940 in Los Angeles zur Welt, wuchs aber in New York auf. Sein Vater, Abe Burrows, war eine bedeutende Figur des Broadway – als Autor und Regisseur unter anderem für die Klassiker Guys and Dolls, How to Succeed in Business Without Really Trying und Can Can verantwortlich. Diese familiäre Verwurzelung im Schreibhandwerk und in der darstellenden Kunst prägte den jungen James Burrows von Anfang an. Er besuchte die High School of Music & Arts in New York, studierte am Oberlin College und schloss seine Ausbildung an der renommierten Yale School of Drama ab.

Seine Karriere begann auf der Bühne. Als Bühnenmanager bei Produktionen am Broadway sammelte er erste Erfahrungen hinter den Kulissen, bevor er über mehrere Tourneeproduktionen, darunter Aufführungen von The Odd Couple und Mr. Roberts, zur Regie fand. Den Wechsel ins Fernsehen vollzog er 1974, als ihn James L. Brooks und Allan Burns für The Mary Tyler Moore Show als Gastregisseur engagierten. Von da an sollte er dem Medium nie mehr den Rücken kehren. Sein einziger Ausflug ins Kino – eine Paramount-Komödie aus dem Jahr 1982 mit Ryan O’Neal in der Hauptrolle – gilt als Misserfolg. Burrows kehrte zum Fernsehen zurück, und das Fernsehen gewann.

Eine Stimme der Branche, ein Mentor für Generationen

Was seine Kolleginnen und Kollegen in ihren Nachrufen immer wieder hervorhoben, war nicht nur sein handwerkliches Können, sondern sein Umgang mit Menschen. Er habe jeden Beteiligten am Set, ob Hauptdarsteller oder Nebenkraft, mit dem gleichen Respekt behandelt. Er habe die Gabe besessen, andere besser zu machen. Sein langjähriger Agent Rick Rosen bezeichnete ihn ohne Zögern als den besten Comedy-Regisseur in der Geschichte des Mediums. Danny DeVito und Rhea Perlman, beide aus Taxi, wo Burrows Regie führte, und Cheers bekannt, betonten in einer gemeinsamen Erklärung seine unerschöpfliche Energie und seinen positiven Geist. Tony Danza erklärte, ohne Burrows wäre er nicht der, der er heute ist. Alyssa Milano beschrieb ihn als jemanden, dessen Arbeit grundlegend beeinflusst habe, wie eine ganze Generation das Lachen und das Erzählen von Geschichten verstehe.

Im Jahr 2014 ehrte ihn die Directors Guild of America mit dem Preis für hervorragende Lebensleistung in der Fernsehregie – eine Auszeichnung, die er zu dem Zeitpunkt längst verdient hatte.

Sein Vermächtnis: Das Lachen, das bleibt

James Burrows wird in keiner Sendung mehr Regie führen, keine Pilotfolge mehr drehen und keinen neuen Schauspielerinnen oder Schauspielern den Rat geben, die letzten anonymen Tage ihres alten Lebens zu genießen. Was bleibt, ist ein Werk von außergewöhnlicher Breite und Tiefe – und Hunderte von Stunden Fernsehen, die Millionen von Menschen weltweit zum Lachen gebracht haben. In einem Medium, das schnell konsumiert und schnell vergessen wird, ist das keine kleine Leistung. Es ist ein Lebenswerk.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: t-online, WEB.DE, GMX, Variety, Hollywood Reporter, Rolling Stone DE, Wikipedia EN

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