Fulton County Sheriff's Office, State of Georgia, Public domain, via Wikimedia Commons
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Donald Trump's mug shot

Was als nationales Prestigeprojekt zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit geplant war, hat sich innerhalb weniger Tage in einen politischen und logistischen Albtraum verwandelt. Der Lincoln Memorial Reflecting Pool in Washington D.C., das berühmte Spiegelbecken zwischen dem Lincoln-Denkmal und dem Washington Monument, erweist sich nach einer millionenteuren Renovierung als Problem: Das Wasser ist grün, die aufgetragene Farbbeschichtung blättert ab – und Donald Trump macht Vandalen dafür verantwortlich, lässt Menschen festnehmen und droht mit mehrjährigen Gefängnisstrafen.

16 Millionen Dollar für ein Becken, das nicht funktioniert

Die Trump-Regierung hatte die Renovierung des Reflecting Pool als Herzensprojekt zur Vorbereitung auf die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 2026 ausgerufen. Ziel war es, das Wasser des Bassins in ein leuchtendes Amerikanisch-Blau zu verwandeln – eine symbolträchtige Inszenierung für ein Jubiläumsfest, das Trump von Anfang an zur eigenen Bühne erklären wollte. Die Kosten für die Renovierung beliefen sich auf mehr als 16 Millionen US-Dollar, rund vier Millionen mehr als ursprünglich veranschlagt. Das beauftragte Unternehmen Atlantic Industry Coatings brachte eine neue Innenbeschichtung auf – doch schon kurz nach Abschluss der Arbeiten zeigten sich massive Probleme.

Das Wasser des Beckens färbte sich grün, ein dicker Algenteppich breitete sich aus, und Mitarbeiter des National Park Service waren mit Sauggeräten dabei zu sehen, wie sie vergeblich versuchten, die Algen vom Beckenboden zu entfernen. Wenig später wurden auch Stücke der blauen Innenbeschichtung sichtbar, die sich vom Untergrund gelöst hatten und an der Wasseroberfläche trieben. Besucherinnen und Besucher fotografierten und filmten das Schauspiel, die Bilder verbreiteten sich rasend schnell.

Trump: Vandalen, Chemikalien, ein 75 Meter langer Schnitt

Anstatt einen möglichen handwerklichen oder technischen Mangel als Erklärung anzuerkennen, schlug Trump auf seinem Netzwerk Truth Social eine andere Richtung ein. Er schrieb, die Renovierung habe zunächst einwandfrei funktioniert und das Becken habe noch nie so schön ausgesehen. Dann seien kriminelle Vandalen am Werk gewesen. Sie sollen ätzende Chemikalien ins Wasser geschüttet haben, um die Innenbeschichtung zu zerstören, und mit einem messerartigen Werkzeug einen rund 75 Meter langen Schnitt in die Beschichtung geritzt haben. Belege für diese Behauptungen lieferte Trump nicht. Er bezeichnete das Vorgehen als Beleidigung an den Ehren von Abraham Lincoln und George Washington und forderte harte Strafen: Wer wegen Beschädigung eines nationalen Monuments verurteilt werde, solle mehrere Jahre Gefängnis erhalten.

Die Festnahmen: Ein ehemaliger Olympiateilnehmer berührt eine lose Farbschuppe

Mindestens fünf Personen wurden festgenommen, weitere fünf erhielten Ordnungswidrigkeitsanzeigen. Unter den Verhafteten befand sich nach Berichten der Washington Post ein ehemaliger olympischer Athlet namens Dustin Hearn, 67 Jahre alt. Laut seiner eigenen Schilderung hatte er sich lediglich hinuntergebeugt, um ein bereits abgelöstes Stück der Beschichtung zu berühren – nicht um es zu entfernen oder zu beschädigen. Daraufhin soll er von Mitgliedern der Nationalgarde umzingelt und von Beamten der Parkpolizei wegen des Verdachts auf Beschädigung von Regierungseigentum festgenommen worden sein. Hearn erklärte unmissverständlich, er habe nichts zerstört, abgerissen oder beschädigt. Die zuständige Parkpolizei äußerte sich zunächst nicht zu den Vorfällen.

Das Unternehmen garantiert Reparatur – das Becken muss wohl erneut abgelassen werden

Atlantic Industry Coatings bestätigte in einer Stellungnahme, dass das Becken für die notwendigen Reparaturen erneut vollständig abgelassen werden müsse. Die Arbeiten würden im Rahmen der Projektgewährleistung durchgeführt und seien damit kostenfrei für den Steuerzahler – zumindest was die Reparatur der Beschichtung selbst angeht. Trump erklärte auf Truth Social, die Reparaturen würden unverzüglich beginnen. Ob das Becken bis zu den geplanten Feierlichkeiten am 4. Juli in einem präsentablen Zustand sein wird, ist nach aktuellem Stand fraglich.

Nationaler Kontext: Ein Becken als Bühne für Jubiläumsinszenierung

Der Reflecting Pool ist seit seiner Fertigstellung im Jahr 1922 eines der meistfotografierten Wahrzeichen der amerikanischen Hauptstadt. Vor diesem Becken hielt Martin Luther King Jr. 1963 seine historische Rede I Have a Dream. Dass die Trump-Regierung ausgerechnet dieses Baudenkmal zum Mittelpunkt eines kostspieligen Aufwertungsprojekts gemacht hat, war von Anfang an als symbolisches Statement gedacht – als bildliche Untermalung des nationalen Jubiläums und des eigenen Regierungsanspruchs. Dass der Versuch nun in einem grünen Algensumpf und einer öffentlich ausgetragenen Schuldzuweisungsdebatte mündet, verleiht dem Ganzen eine Ironie, die sich die Kritiker des Projekts kaum besser hätten ausdenken können.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Tagesspiegel, t-online, GMX, Werra-Rundschau, ABC News

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