U.S. Department of State, Public domain, via Wikimedia Commons
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Clive Davis speaks at the Kennedy Center Honors dinner at the State Department in Washington, D.C., Saturday, December 2, 2023. (Official State Department photo by Freddie Everett)

Er entdeckte Whitney Houston, als sie noch ein Teenager war, brachte Carlos Santana zu seinem späten Triumph, ebnete Bruce Springsteen den Weg und machte aus Kelly Clarkson und Carrie Underwood Superstars – lange nachdem andere in seinem Alter längst aufgehört hatten. Am 22. Juni 2026 ist Clive Davis im Alter von 94 Jahren in seiner Wohnung in Manhattan gestorben. Seine Familie bestätigte den Tod, erste Berichte kamen von der New York Times. Die Todesursache wurde nicht bekanntgegeben.

Von Brooklyn in die Musikgeschichte

Clive Jay Davis wurde am 4. April 1932 im New Yorker Stadtteil Brooklyn als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Sein Vater arbeitete als Elektriker, seine Mutter als Buchhalterin. Beide starben kurz nacheinander, als Davis gerade ins College gekommen war. Mit 4.000 Dollar in der Tasche arbeitete er sich durch Studium und Jurastudium und brachte beides zum Abschluss, indem er seinen Notendurchschnitt hoch hielt, um Stipendien zu sichern. Dieser Antrieb sollte ihn sein gesamtes Leben begleiten. Er begann als Anwalt, kam über Kontakte zu einem Mandanten – dem Columbia-Label – in die Musikbranche und stieg dort schnell auf.

Columbia, Arista, J Records: Ein Lebenswerk aus Labels

Als Chef des CBS-Ablegers Columbia Records entdeckte Davis in den späten 1960er Jahren Janis Joplin und ließ sie beim Monterey Pop Festival auftreten. Er erkannte früh das Potenzial von Carlos Santana, Billy Joel und Bruce Springsteen und brachte alle drei unter Vertrag. Mit Springsteen verblieb ihm eine besondere Zuneigung: In einem Interview erklärte er, dessen Musik sei das, was er persönlich am häufigsten höre.

Nachdem er 1973 bei Columbia ausschied, gründete er 1974 Arista Records – und begann damit ein zweites Kapitel, das sein erstes noch übertreffen sollte. Arista wurde unter Davis zur Heimat von Barry Manilow, Patti Smith, Aretha Franklin und schließlich Whitney Houston. Das Label wurde 1979 von der deutschen Bertelsmann-Tochter BMG übernommen, Davis blieb jedoch als Präsident an Bord und behielt seine kreative Kontrolle.

Im Jahr 2000 gründete er J Records, das er selbst als den größten Labelstart in der Geschichte des Musikbusiness bezeichnete. Dort landete er seinen wohl größten Coup der zweiten Karrierehälfte: Alicia Keys debütierte 2001 und gewann gleich fünf Grammys. Später begleitete er auch den Erfolg der American-Idol-Gewinnerinnen Kelly Clarkson und Carrie Underwood. Davis war bis zuletzt in der Branche präsent: Von 2018 an fungierte er als Chief Creative Officer bei Sony Music Entertainment.

Whitney Houston: Die größte Geschichte seiner Karriere

Die Verbindung zwischen Clive Davis und Whitney Houston gilt als eine der prägendsten Künstler-Manager-Beziehungen der Popgeschichte. Davis entdeckte Houston 1983, als sie noch keine 20 Jahre alt war, bei einem Showcase in New York. Er erkannte sofort, dass ihre Stimme eine außergewöhnliche Qualität besaß, die man nicht trainieren kann. Houston blieb bis zu ihrem Tod sein Schützling. Ihre 2012 erschienene Todesnachricht traf Davis kurz bevor er seine alljährliche Pre-Grammy-Gala moderieren sollte – ein Abend, der in einem Moment des Schocks zu einem der bewegendsten der Branchengeschichte wurde.

Auch nach ihrem Tod blieb er Teil ihrer Geschichte: 2022 war er als Produzent an dem Biopic I Wanna Dance with Somebody beteiligt, das Houstons Leben auf die Leinwand brachte. In Interviews äußerte Davis immer wieder, wie sehr er sie vermisse. Dasselbe galt für Aretha Franklin, mit der ihn eine persönliche Freundschaft verband. Als Franklin 2018 starb, hatte er bis zuletzt mit ihr Kontakt gehalten, ohne zu wissen, wie ernst ihre Erkrankung war.

Ein Leben jenseits der Konventionen

Clive Davis war zweimal verheiratet und hat vier Kinder. In seiner 2013 erschienenen Autobiografie mit dem Titel The Soundtrack of My Life outing er sich öffentlich als bisexuell – eine Offenbarung, die in der Musikbranche mit Überraschung, aber auch mit Respekt aufgenommen wurde und die für einen Mann seines Alters und seines beruflichen Standings eine bemerkenswerte Geste persönlicher Ehrlichkeit darstellte.

Bereits im Jahr 2000 wurde Davis in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen – als Nicht-Musiker, was die Ausnahmestellung seiner Rolle im Musikgeschäft unterstreicht. Er gewann mehrere Grammys und zahlreiche weitere Branchenauszeichnungen. In einem Geschäft, das naturgemäß nach Jugend giert, blieb er bis in die Neunziger eines der wichtigsten Bindeglieder zwischen musikalischem Instinkt und kommerziellem Erfolg.

Das Vermächtnis eines Mannes, der Musik hörte

Die Familie von Clive Davis beschrieb ihn in ihrer offiziellen Erklärung als jemanden, dessen Gespür, Instinkt und unermüdlicher Anspruch an Exzellenz den Soundtrack unzähliger Leben geformt hätten. Er habe die größten Künstlerinnen und Künstler der modernen Musikgeschichte entdeckt, gefördert und begleitet – und dabei einen kulturellen Abdruck hinterlassen, der Generationen überdauern werde. In einem Beruf, in dem viele schnell vergessen werden, ist Clive Davis derjenige, dessen Name in der Geschichte steht.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: 20 Minuten, Tagesspiegel, MusikWoche, L’essentiel, Bluewin, WEB.DE, New York Times

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