Mit 82 Jahren ist Keith Richards noch immer einer der berühmtesten Gitarristen der Welt – und derzeit einer, der die Erwartungen seiner Fans nüchtern zurechtbiegt. In einem ausführlichen Gespräch mit dem britischen Musikmagazin Uncut, das im Rahmen der Werbung für das neue Rolling-Stones-Album geführt wurde, sprach Richards offen über die Zukunft der Band auf der Bühne. Seine zentrale Aussage: Er wisse nicht, ob klassische Tourneen für die Rolling Stones noch möglich seien. Was er stattdessen ins Spiel brachte, ist ein anderes Format: Residencies.
Das Reisen macht es schwer
Richards ließ keinen Zweifel daran, was ihn vom Gedanken an eine weitere ausgedehnte Welttournee abhält: das Reisen selbst. Ein Leben aus dem Koffer, täglich neue Städte, Zeitzonenwechsel, Hotelbetten und Soundchecks – all das, was Tourneen ausmacht, zehrt ihn aus. Die Musik selbst, die Auftritte, das Zusammenspiel mit der Band: das sei nach wie vor aufregend. Bis irgendetwas in ihm sage, dass es das gewesen sei, werde er spielen wollen. Aber der logistische Apparat einer globalen Tournee stoße an seine Grenzen.
Residencies hingegen, also eine Serie von Auftritten an einem einzigen Ort über mehrere Nächte, sieht Richards als realistische Alternative. Er könne sich gut vorstellen, dass die Rolling Stones etwas Ähnliches auf die Beine stellten – in London, New York, Paris oder anderswo. Sogar Rom war in seiner Vorstellung dabei. Ein fester Standort, mehrere Konzerte, kein aufwendiges Reisen: das sei ein Format, in dem er echtes Potenzial sehe.
Stadionpläne 2026 bereits gestrichen
Dass Richards diese Überlegungen anstellt, hat einen konkreten Hintergrund. Bereits Ende 2025 hatten die Rolling Stones ihre Pläne für eine Stadiontournee durch Großbritannien und Europa im Jahr 2026 fallen gelassen. Ursache war nach übereinstimmenden Berichten Richards selbst, der sich nicht in der Lage sah, die körperlichen Anforderungen eines solchen Projekts zu erfüllen. Auch auf einem Pressetermin in New York im Mai 2026, bei dem das neue Album vorgestellt wurde, hatte er klargestellt, dass eine Tour in diesem Jahr nicht zur Debatte stehe. Auf die Frage nach möglichen Konzerten antwortete er damals knapp, man könne nächstes Jahr darüber reden.
Mick Jagger will so bald wie möglich zurück auf die Bühne
Die Zurückhaltung von Richards steht im deutlichen Kontrast zur Haltung von Frontmann Mick Jagger. Dieser äußerte sich in einem Gespräch beim britischen Sender BBC Radio 2 und ließ keinen Zweifel an seiner Ungeduld: Er könne es kaum erwarten, wieder auf Tour zu gehen, und hoffe, das so bald wie möglich zu realisieren. Auf das laufende Jahr bezogen räumte er allerdings ein, dass es 2026 nichts werden würde. Für 2027 deutete er konkrete Hoffnung an.
Foreign Tongues: Das neue Album mit prominenten Gästen
Der Hintergrund all dieser Überlegungen ist das 25. Studioalbum der Rolling Stones mit dem Titel Foreign Tongues, das am 10. Juli 2026 erscheint. Das Werk enthält eine bemerkenswerte Reihe von Gastauftritten: Paul McCartney, Robert Smith von The Cure und Steve Winwood sind darauf zu hören. Darüber hinaus enthält das Album posthume Aufnahmen von Schlagzeuger Charlie Watts, der 2021 verstorben war und der damit auch auf dieser Platte noch einmal präsent ist. Die Stones haben damit ein Album vorgelegt, dessen inhaltliche Tiefe Richards zufolge das Ergebnis einer ruhigen, konzentrierten Produktionsphase ist – fern von den Anforderungen einer laufenden Tournee.
Die letzte große Konzertreihe der Rolling Stones fand 2024 statt, als sie im Zuge ihres Albums Hackney Diamonds nordamerikanische Stadien bespielen. Seitdem war die Band live nicht mehr aktiv. Ob und in welchem Format eine Rückkehr 2027 gelingt, bleibt offen – und hängt nicht zuletzt davon ab, ob Richards und Jagger einen gemeinsamen Weg finden, das Erbe der größten Rockband der Welt weiter auf der Bühne zu leben.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone DE, Rolling Stone US, Rolling Stone Canada, Billboard, Newsweek, Ultimate Classic Rock, The Circle, Watson DE