
Acht Jahre nach seiner bislang letzten Ausgabe kehrt das PEOPLE Festival zurück – und zwar dorthin, wo es 2018 seinen Höhepunkt erlebte: ins Berliner Funkhaus in der Nalepastraße. Am 10. und 11. Oktober 2026 öffnet das einzigartige Kollektiv-Festival erneut seine Türen. Rund 180 Musikerinnen und Musiker sind bereits in der Vorbereitungsphase und tauschen Ideen, Songskizzen und Inspirationen aus, um in einer kollaborativen Vorbereitungswoche gemeinsam neues Material zu erarbeiten – bevor sie das Ergebnis an zwei Tagen dem Publikum präsentieren. Auf 12 Bühnen werden an jedem der beiden Festivaltage bis zu 200 Shows uraufgeführt, je zwölf Stunden lang.
Was PEOPLE ist – und was es nicht ist
Das PEOPLE Festival ist ein Konzept, das fast alles ablehnt, was moderne Festivalplanung ausmacht. Kein Headliner-Denken, kein Zeitplan mit fixen Uhrzeiten, keine Sponsorenlogos, keine Künstlergagen. Der gesamte Ticketerlös fließt in die Produktionskosten. Das Publikum kauft eine Karte – und wandert anschließend frei durch die Räume des Funkhauses, setzt sich in Studiosaäle, und schaut zu, wie Musik entsteht oder sich neu erfindet. Wer mit wem spielt und was gespielt wird, steht bis kurz vor der Aufführung nicht fest. Die Energie des Zufalls, der unerwarteten Kollaboration und der gemeinsamen künstlerischen Gegenwart ist das eigentliche Produkt.
Die Süddeutsche Zeitung beschrieb das Konzept in einer früheren Ausgabe als Raum, in dem Freiheit nicht als Nomen, sondern als Verb gelebt wird – als kontinuierliche, reale, soziale Aktivität. Der Musikexpress sprach von einer kleinen Revolution. Das britische Magazin Loud & Quiet bezeichnete es als postkapitalistisch-postsozialistische Handreichung, eine gemeinnützige Bühne für unkuratiertes, noch nicht getestetes Material.
Die Gründungsgeschichte: Michelberger, Dessner, Vernon
Die Ursprünge des Festivals liegen in einem Besuch, den Tom und Nadine Michelberger, Berliner Hotelier- und Unternehmerpaar, 2015 im Funkhaus machten. Von der akustischen und architektonischen Einzigartigkeit des Ortes begeistert, kontaktierten sie Justin Vernon von Bon Iver sowie die Brüder Aaron und Bryce Dessner von The National. Gemeinsam mit dem Filmemacher Vincent Moon, Musikerin Ryan Olson, dem Dirigenten Andre de Ridder und Produzent Brandon Reid entstand daraus die erste Ausgabe unter dem Namen Michelberger Music im Jahr 2016. Zwei Jahre später explodierte das Konzept unter dem Namen PEOPLE zu einem Festival mit über 200 Beteiligten.
Die Grundprinzipien blieben identisch: keine feste Setlist, keine Hierarchie zwischen bekannten und unbekannten Künstlerinnen und Künstlern, kein kommerzielles Kalkül. 2026 knüpft die dritte offizielle Ausgabe an diese Tradition an. In der Festivalbeschreibung heißt es, man springe diesmal über Zeitlinien hinweg und vereine sich neu – was bis vor wenigen Wochen noch ein ferner Traum gewesen sei, habe sich plötzlich als möglich erwiesen.
Bestätigte Künstler: Dessner, Howard und May als gesicherte Namen
Das Festival kommuniziert bis zum Vorabend des Wochenendes traditionell keine vollständige Liste, denn das Überraschungsprinzip ist Teil des Erlebnisses. Dennoch wurden für die Ausgabe 2026 einige Namen bestätigt. Aaron und Bryce Dessner, Gitarristen von The National und seit Anbeginn tragende Säulen des Kollektivs, sind erneut dabei. Hinzugekommen ist der Taschenformat-Songschreiber und Soulstimme Noah Howard sowie Henning May, der Frontmann der deutschen Band AnnenMayKantereit, der bereits bei der 2018er Ausgabe dabei war und sich seitdem zu einer der gefragtesten Stimmen der deutschen Indie-Szene entwickelt hat. Welche weiteren Musikerinnen und Musiker ihnen folgen werden, erfahren die Besucherinnen und Besucher erst vor Ort.
Das Funkhaus als perfekter Gastgeber
Das Funkhaus Berlin in der Nalepastraße im Bezirk Oberschöneweide ist einer der faszinierendsten Kulturorte Europas. Das in den 1950er Jahren erbaute Sendezentrum der DDR beherbergt auf seinem Gelände Dutzende von Aufnahmestudios, Probenräume und Aufführungssäle verschiedener Größen – von kleinen Kammermusiksälen über große Orchesterstudios bis hin zu freien Außenflächen. Die Akustik der verschiedenen Räume gilt unter Musikerinnen und Musikern als außergewöhnlich. Für das PEOPLE Festival sind all diese Räume Teil des Programms: Wer sich durch das Gelände bewegt, stumble von einer Aufführung in die nächste, von unbekannten Stimmen zu bekannten Gesichtern, von Jazz zu Folk zu zeitgenössischer Komposition.
Tickets und Zugang
Das Festival findet am 10. und 11. Oktober 2026 statt. Tickets sind über den offiziellen Festivalkanal erhältlich. Wie in den Vorgängerausgaben fließt der gesamte Erlös in die Festivalproduktion. Gagen werden nicht gezahlt, Sponsoren sind nicht vorgesehen. Die Vorbereitungswoche, in der die Musikerinnen und Musiker gemeinsam im Funkhaus proben und neue Projekte entwickeln, ist nicht öffentlich – das Publikumserlebnis beginnt am Festivaltag selbst.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: PEOPLE Festival Berlin Website, Musikexpress, Indie.vidualist, FestivalsUnited, Paste Magazine, NME, Songkick