Larry D. Moore, CC BY 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/4.0>, via Wikimedia Commons
Lesedauer 2 Minuten
Author Paul G. Tremblay at the 2024 Texas Book Festival in Austin, Texas, United States.

Horror-Autor Paul Tremblay gehört seit Jahren zu den prägenden Stimmen des modernen Schreckensgenres. Mit seinem neuen Roman Dead But Dreaming of Electric Sheep wagt er sich in ein Zukunftsszenario, das technologische Albträume mit existenziellen Fragen über Bewusstsein, Identität und moralische Verantwortung verbindet. Der Titel spielt bewusst auf Philip K. Dick an und erweitert dessen Frage nach der inneren Welt künstlicher Wesen um eine verstörende Komponente: Was geschieht, wenn ein Mensch ohne Bewusstsein und eine Maschine untrennbar miteinander verschmelzen?

Eine Reise durch ein Amerika der nahen Zukunft Im Zentrum der Handlung steht Julia Flang, eine junge Frau mit Gamer-Vergangenheit, die einen ungewöhnlichen Auftrag erhält: Sie soll einen Mann im vegetativen Zustand quer durch die USA begleiten. Sein Körper wird von einer implantierten KI gesteuert, die über ein Controller-ähnliches Gerät mit Julia verbunden ist. Während sie den Körper des Mannes durch Flughäfen und über Landesgrenzen navigiert, erlebt dieser im Inneren eine albtraumhafte Parallelwelt voller grotesker Bilder – ein verzerrtes Echo dessen, was von seinem früheren Selbst übrig sein könnte.

Zwischen Absurdität und Abgrund Tremblay verbindet in seinem Roman schwarzen Humor mit tiefem Unbehagen. Die absurde Vorstellung, einen menschlichen Körper wie eine Spielfigur zu steuern, wird durch die nüchterne Alltagswelt, in der Julia agiert, noch verstärkt. Gleichzeitig zeigt die innere Perspektive des vegetierenden Mannes, wie brüchig die Grenze zwischen Körper, Maschine und möglichem Restbewusstsein wird. Diese Dualität macht den Roman zu einem der ungewöhnlichsten Beiträge des aktuellen Near-Future-Horrors.

Bewusstsein als umkämpfter Raum Ein zentrales Thema des Romans ist die Frage, wo Bewusstsein überhaupt verortet werden kann. Tremblay greift dabei auf reale medizinische und philosophische Debatten zurück: Wenn ein Mensch klinisch nicht mehr zu Bewusstsein kommt, aber eine KI neuronale Prozesse übernimmt, wem „gehört“ dann die innere Erfahrung? Der Roman nutzt dieses Gedankenexperiment, um die Grenzen zwischen biologischem Leben und algorithmischer Verarbeitung zu verwischen – und gleichzeitig zu zeigen, wie gefährlich es werden kann, wenn Technologie in Bereiche vordringt, die wir selbst kaum verstehen.

Kunst, Schmerz und Verantwortung Tremblay betont in Interviews, dass Kunst für ihn auch unbequem sein muss. Seine Geschichte ist nicht als technikfreundliche Vision gedacht, sondern als Warnung vor einer Welt, in der Menschen und Maschinen in moralisch fragwürdigen Konstellationen miteinander verschaltet werden. Seine eigenen Erfahrungen mit einer Sammelklage gegen ein großes KI-Unternehmen flossen ebenfalls in das Buch ein – ein Hinweis darauf, wie persönlich die Auseinandersetzung mit dem Thema für ihn geworden ist.

Ein Roman, der nachhallt Dead But Dreaming of Electric Sheep erscheint Ende Juni 2026 und dürfte nicht nur Horrorfans ansprechen, sondern alle, die sich für die ethischen und emotionalen Grenzbereiche moderner Technologie interessieren. Tremblay zeigt, dass Horror nicht nur aus Monstern besteht, sondern auch aus den Konsequenzen menschlicher Entscheidungen – besonders dann, wenn Maschinen beginnen, diese Entscheidungen zu beeinflussen.

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de Quellen: Rolling Stone, Publishers Weekly, Variety, The Consciousness AI, YouTube

 

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