RL GNZLZ from Chile, CC BY-SA 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>, via Wikimedia Commons
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New Order, Chile 2019

Jahrelang haben Kenner und Sammler auf diesen Moment gewartet. Mit Eternal: Live veröffentlichen Joy Division am 25. September 2026 über Warner Music ihr erstes offizielles Livebox-Set überhaupt – pünktlich kurz vor ihrer gemeinsamen Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame zusammen mit New Order am 14. November 2026 in Los Angeles. Das Ergebnis ist ein Monument der Archivarbeit: 14 CDs, zwei DVDs, 16 Konzerte, 192 Tracks und über zweieinhalb Stunden noch nie gesehenes Videomaterial.

14 Monate, 14 CDs, 16 Konzerte

Der Zeitraum, den das Boxset abdeckt, ist vergleichsweise schmal – März 1979 bis Mai 1980 – und doch vollständig: Es umfasst nahezu die gesamte aktive Lebenszeit von Joy Division nach dem Aufkommen ihres charakteristischen Sounds. Das Material wurde aus drei grundlegend unterschiedlichen Quellen zusammengestellt: Publikumsmitschnitte auf Kassette, direkte Soundboard-Aufnahmen und Rundfunkaufzeichnungen. In ihrer Klangqualität sind diese Quellen erwartungsgemäß nicht immer auf demselben Niveau – aber alle Aufnahmen wurden für das Boxset in den Abbey Road Studios in London neu gemastert, was die Quellenvielfalt klanglich so weit wie möglich ausgleicht.

Unter den 16 enthaltenen Shows befinden sich zwei, die bislang vollständig unveröffentlicht waren: ein Konzert aus dem Londoner Hope & Anchor vom 1. März 1979 sowie ein Auftritt in der Acklam Hall, ebenfalls in London, vom 17. Mai 1979 – beide als Publikumsaufnahmen von Jonathan Crabb festgehalten. Hinzu kommen drei bislang nie gehörte Soundboard-Mitschnitte aus dem Manchesterer Factory, dem Londoner Lyceum sowie dem Moonlight Club in London. Der Rest der Konzerte war in Teilen bereits als Bootleg oder auf anderen Tonträgern bekannt, wird hier aber erstmals in gemaserter, offizieller Form präsentiert und in vielen Fällen erstmals auf Streaming-Plattformen verfügbar sein.

Das letzte Konzert: Ceremony in Birmingham

Das eindrucksvollste Dokument des Boxsets ist das abschließende, 14. Disc: die vollständige Aufnahme des letzten Konzerts der Band, gespielt am 2. Mai 1980 in der High Hall der Universität Birmingham. Die Show entstand zwei Wochen vor dem Tod von Sänger Ian Curtis. An diesem Abend spielte die Band das Stück Ceremony zum ersten und einzigen Mal überhaupt live – einen Song, der später auf dem New-Order-Debüt das Tor zur Nachfolgegeschichte aufstieß. Curtis‘ Ende jenes Abends war gleichzeitig das Ende einer der prägendsten Bands der Rockgeschichte.

Der internationale Fußabdruck: Paris, Amsterdam, Brüssel

Neben den britischen Aufnahmen enthält Eternal Live auch zentrale Dokumente der europäischen Phase. Das Konzert im Pariser Les Bains Douches vom Dezember 1979 ist als Audiospur dabei. Der Auftritt im Amsterdamer Paradiso vom Januar 1980 – eine Rundfunkaufnahme, die als eines der bedeutendsten Livezeugnisse der Band gilt, weil das Set ungewöhnlich lang war, da die Vorgruppe ausgefallen war – ist ein weiteres Kernstück. Das Brüsseler Konzert im Plan K vom Oktober 1979, das in der Fangemeinschaft seit Jahrzehnten als unveröffentlichtes Filmdokument gerüchteweise bekannt war, ist auf der ersten DVD in voller Länge zu sehen – zum ersten Mal offiziell, in einer Original-Audioversion und zusätzlich in einer 2026 rekonstruierten Audiofassung.

Zwei DVDs: Das visuelle Archiv

Das Boxset enthält neben den 14 Audioscheiben zwei DVDs mit einem Gesamtlaufzeit von über zweieinhalb Stunden. Die erste DVD versammelt einen neu geschnittenen Film des Regisseurs Malcolm Whitehead aus dem Jahr 2026, der Probenaufnahmen und Konzertmaterial aus dem Jahr 1979 verbindet, zwei BBC-Fernsehauftritte aus der Sendung Something Else vom September 1979, darunter Transmission und She’s Lost Control, sowie das vollständige Plan-K-Konzert in Brüssel. Die zweite DVD enthält die beiden Apollo-Theatre-Konzerte in Manchester vom Oktober 1979, die bislang nur in Ausschnitten auf einem VHS-Band aus dem Jahr 1982 verfügbar waren, sowie Soundcheck-Material von denselben Abenden.

Das Begleitbuch und die Verpackung

Das Boxset kommt in einer 12-mal-12-Zoll-Verpackung mit abnehmbarem Deckel, gestaltet von Warren Jackson, Peter Saville, Howard Wakefield und Brett Wickens. Das Titelfoto zeigt ein Bild des Fotografen Wolfgang Tillmans mit dem Titel Sirius Through a Defocused Telescope aus dem Jahr 2023. Das begleitende 16-seitige Booklet enthält persönliche Anmerkungen des britischen Poet Laureate Simon Armitage sowie Fotografien von Anton Corbijn und Kevin Cummins – zwei der bekanntesten Bildautoren der Post-Punk-Ära. Vorbestellungen sind über den New-Order-Onlineshop möglich.

Rock and Roll Hall of Fame: Eine überfällige Anerkennung

Die Veröffentlichung von Eternal: Live fällt bewusst in den Vorlauf zur Hall-of-Fame-Zeremonie. Joy Division und New Order werden gemeinsam als zwei Seiten derselben Geschichte in die Hall of Fame aufgenommen. Zur Klasse 2026 gehören außerdem Oasis, Sade, Phil Collins, Iron Maiden, Wu-Tang Clan, Billy Idol und Luther Vandross. Bassist Peter Hook, der mit New Order seit Jahren im Streit liegt, erklärte im April, eine Reunion bei der Zeremonie sei für ihn undenkbar. Mit Bernard Sumner habe er seit Jahren kaum gesprochen.

Joy Division bestanden von 1976 bis 1980 und veröffentlichten in dieser Zeit nur zwei Studioalben: Unknown Pleasures von 1979 und Closer von 1980. Frontmann Ian Curtis starb am 18. Mai 1980 im Alter von 23 Jahren. Die verbleibenden Mitglieder – Bernard Sumner, Peter Hook und Stephen Morris – gründeten unmittelbar danach mit Gillian Gilbert New Order, eine der prägendsten Bands der 1980er Jahre.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Visions, NME, Variety, SuperDeluxeEdition, Post-Punk.com, Louder Than War, Far Out Magazine, Ultimate Classic Rock, 97X Online

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