Raph_PH, CC BY 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/4.0>, via Wikimedia Commons
Lesedauer 3 Minuten
Lorde at Glastonbury Festival 2025

Ein Jahr nach der Veröffentlichung ihres vierten Studioalbums hat die neuseeländische Sängerin Lorde ihren Fans ein besonderes Geschenk gemacht: 49 Demos aus dem Entstehungsprozess von „Virgin“, ergänzt durch einen ausführlichen, persönlichen Newsletter, in dem sie sich so offen wie selten über die Zeit hinter der Platte äußert. Die Veröffentlichung erfolgte am 26. Juni 2026, kurz vor dem eigentlichen Erscheinungstag des Albums vom 27. Juni 2025.

Ein spontaner Entschluss beim Wäscheaufräumen

Den Auslöser für die Aktion beschrieb Lorde selbst als einen ganz alltäglichen Moment: Sie räumte an einem Sonntagabend ihre Kleidung weg, als ihr bewusst wurde, dass das Album seit fast einem Jahr draußen war. Daraufhin beschloss sie, dass dieser Jahrestag nicht unkommentiert bleiben dürfe. Zugleich gestand sie, dass ihr der Umgang mit dem Album nach der Veröffentlichung schwergefallen sei – Interviews hätten sich holprig angefühlt, sie habe kaum etwas gepostet und im Newsletter kaum geschrieben. Die körperliche und emotionale Wucht des Werks habe sich gegen eine sprachliche Einordnung gesperrt.

XRAYS: Rohaufnahmen als echte Röntgenbilder

Die veröffentlichten Demos, die Lorde als „XRAYS“ bezeichnet, datieren teilweise bis ins Jahr 2022 zurück und sind auf der Streamingplattform untitled.stream abrufbar. Begleitet werden sie von Fotos und Notizen aus den Aufnahmesessions. Lorde erklärte, zunächst habe man überlegt, polierte Zusammenschnitte verschiedener Versionen zu veröffentlichen. Doch beim Nachdenken an jenem Sonntagabend sei ihr klar geworden, dass echte Rohaufnahmen – mit all ihren Unfertigkeiten und Abweichungen – aufschlussreicher, witziger und ehrlicher wären als glattgebügelte Kompilationen. Diese Entscheidung unterstreicht ihren künstlerischen Ansatz: Das Rohe und Unfertige als Teil des Werks zu begreifen.

Essstörung, Trennung und eine neue Diagnose

Im Newsletter sprach Lorde auch über die persönlichen Belastungen, unter denen „Virgin“ entstand. Sie verarbeitete während der Aufnahmen eine Trennung, kämpfte mit einer wiederkehrenden Essstörung – unter anderem löschte sie eine Kalorienzähl-App – und erhielt die Diagnose PMDD, einer schweren Form des prämenstruellen Syndroms, die mit starken Stimmungsschwankungen einhergehen kann. Ein befreundeter Mensch habe bemerkt, dass sie regelmäßig kurz vor ihrer Periode in tiefe Depressionen fiel, was letztlich zur Diagnose führte. Lorde berichtete auch, dass sie inzwischen ein Antidepressivum nehme und sich deutlich besser fühle.

Die Kraft von Charli XCX und das Vertrauen in Musik als soziales Werkzeug

Als weiteres prägendes Element der Entstehungszeit nannte Lorde den Einfluss von Charli XCX und deren Album „Brat“, das sie als eine Art Wettersystem aus Furchtlosigkeit und Zerbrechlichkeit beschrieb. Dieser Einfluss habe ihr Vertrauen in Musik als soziales und verbindendes Medium wiederhergestellt – etwas, das sie in jener Phase dringend gebraucht habe.

Jeder einzelne Tag war ein Geschenk

Trotz aller Schwierigkeiten blickt Lorde mit Dankbarkeit auf den Entstehungsprozess zurück. Sie schrieb, die Arbeit an einem Album erfordere ein Maß an Selbstbezogenheit und Überzeugung, das einen schwierig im Umgang machen könne. Man tauche vollständig in die eigene Welt ab, lebe lange in einem Zustand des Scheiterns und müsse sich Schritt für Schritt herausarbeiten. Doch jeden einzelnen Tag, den sie an „Virgin“ gearbeitet habe, empfinde sie im Rückblick als Geschenk.

Nächste Auftritte im Überblick

Lorde befindet sich aktuell auf der Zielgeraden ihrer Ultrasound World Tour, die im September 2025 in Austin startete und am 1. September 2026 in Esch-sur-Alzette, Luxemburg, endet. Noch ausstehende Termine sind unter anderem:

  1. Juli 2026 – Lollapalooza, Chicago, USA
  2. August 2026 – Lowlands Festival, Biddinghuizen, Niederlande
  3. August 2026 – All Points East, London, Großbritannien
  4. August 2026 – Edinburgh Summer Sessions, Edinburgh, Schottland
  5. August 2026 – Superbloom Festival, München, Deutschland
  6. September 2026 – Esch-sur-Alzette, Luxemburg
  7. Oktober 2026 – Austin City Limits Festival (Weekend One), Austin, USA
  8. Oktober 2026 – Austin City Limits Festival (Weekend Two), Austin, USA

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: NME, Rolling Stone, Stereogum, mxdwn Music, Musician Voice, Wikipedia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2026 Xenopolias.de – Unabhängiger Musik‑ und Kulturjournalismus