
Es ist Sommer 2012. Im Londoner East End, dort wo sich Kreativität und Lärm die Klinke geben, erscheint ein Album mit einem ungewöhnlichen Titel: schlicht „Django Django“. Kein Albumtitel, der irgendetwas verspricht. Die Band darunter ist ein Quartett aus zwei Schotten, einem Nordiren und einem Engländer, die sich einst an einer Kunsthochschule in Edinburgh begegnet sind, danach getrennte Wege gingen und sich erst im brodelnden Londoner Stadtteil Dalston wiederfanden – um gemeinsam etwas zu erschaffen, das man in keine vorhandene Schublade stecken kann. Psych-Pop trifft Surf-Guitar trifft Elektronik trifft Spaghetti-Western trifft Beach-Boys-Harmonie. Was seltsam klingt, klingt in der Praxis wie ein Genieblitz.
Kunsthochschule als Keimzelle – Die Entstehungsgeschichte
Alles beginnt um das Jahr 2001 herum am Edinburgh College of Art. Hier studieren gleichzeitig David Maclean, Vincent Neff und Tommy Grace, ohne zu ahnen, dass sie eines Tages zusammen eine der eigenartigsten und doch zugänglichsten Rockbands Großbritanniens bilden werden. Maclean kommt aus Dundee, Neff aus Derry in Nordirland, Grace aus Schottland. Sie verbindet eine leidenschaftliche und vor allem eklektische Liebe zur Musik – Jazz, Disco, House, Techno, Reggae, Krautrock, alles fließt in ihre musikalischen Weltanschauungen ein. Nach dem Studium verlieren sie sich zunächst aus den Augen: Maclean besucht das Chelsea College of Art and Design in London, Neff verfolgt eine Karriere als Architekt, Grace widmet sich dem Grafikdesign.
Es ist das Jahr 2008, als Maclean und Neff sich in London wiederbegegnen. Maclean experimentiert da bereits intensiv mit Acid House, produziert elektronische Musik in seinem Schlafzimmer, DJt auf Partys und sammelt obsessiv Schallplatten. Neff hingegen ist über Rave und Indie-Musik aufgewachsen – beeinflusst von älteren Schwestern, die ihm früh die richtigen Platten in die Hände drückten – und hat seitdem seine eigene Stimme als Songwriter entwickelt, geprägt von 1960er-Beat-Gruppen und Garage-Rock. Als die beiden anfangen, nach der Arbeit und nach dem Studium Tracks aufzunehmen, ist das zunächst kein ambitioniertes Bandprojekt. Es ist Herumspinnen. Neugier. Klangexperiment.
Doch die entstandene Chemie ist unbestreitbar. Grace, der damals Macleans Mitbewohner ist, stößt als Keyboarder dazu. Zunächst spielt Duncan Marquiss von Glasgow’s The Phantom Band Bass bei ersten Liveauftritten im East End, wird aber bald durch Jimmy Dixon aus Yorkshire ersetzt, der das Quartett endgültig komplettiert. Django Django – als vollständige Einheit – sind geboren.
Der Bandname und seine wahre Geschichte
Manches entwickelt sich einfach. Der Bandname Django Django leitet sich nicht, wie gelegentlich fälschlicherweise berichtet, vom Gitarristen Django Reinhardt ab. Dave Maclean hat das mehr als einmal mit Nachdruck klargestellt und dabei herzlich über die Hartnäckigkeit dieser Geschichte gelacht. Der wahre Ursprung: Maclean besaß eine alte Rave-Platte namens „Son of Django“. Das erste „Django“ kam von dort. Das zweite folgte in Anlehnung an die Namensgebung der Post-Punk-Gruppe Liquid Liquid, die ebenfalls auf Wortwiederholung setzte. Fertig war ein Bandname, der klingt wie eine Beschwörungsformel – und es am Ende auch irgendwie ist.
Dave Maclean – Schlagzeuger, Produzent, Klangarchitekt
David Maclean ist das produktive Herzstück von Django Django. Als Sohn der schottischen Künstlerin Marian Leven und jüngerer Bruder von John Maclean – der als Mitglied der einflussreichen Beta Band bekannt wurde und später auch als Filmregisseur tätig wurde, darunter mit dem Western „Slow West“ mit Michael Fassbender in der Hauptrolle – wuchs Maclean in Dundee auf, mit Blick auf den Fluss Tay, den er als eine seiner prägendsten visuellen Kindheitserinnerungen beschreibt.
Maclean ist der Techniker, der Archivar, der besessene Plattensammler. Er begann bereits als junger Mann in Dundee damit, elektronische Musik zu produzieren, DJing zu betreiben und sich durch Genres zu bewegen wie andere durch Regale in Bibliotheken: systematisch, gierig und mit großer Freude am Querschlegen. Ein älterer DJ in Dundee gab ihm früh den entscheidenden Rat, sich niemals auf einen einzigen Groove zu versteifen – Maclean nahm diesen Rat ernst und machte Stillosigkeit zur Methode. Ob spaciger Jungle, Drum’n’Bass, amerikanisches House und Techno, Dancehall oder Krautrock – alles hat Platz in seinem musikalischen Universum. Und alles findet letztlich seinen Weg in die Produktionen von Django Django.
Als Schlagzeuger setzt Maclean rhythmische Akzente, die sich von üblichen Rock-Mustern unterscheiden: treibend, rituell anmutend, manchmal geradezu tranceinduzierend. Als Produzent ist er der Hauptverantwortliche für den unverwechselbaren Sound der Band – jene Mischung aus elektronischer Präzision und analoger Wärme, die Django Django so schwer kategorisierbar macht. In den vergangenen Jahren hat Maclean zudem zweiseitige Produktionsarbeit mit seinem Bruder John unternommen, der für „Glowing in the Dark“ zwei Songs produzierte und damit eine kreative Familienbrücke schlug. Maclean lebt inzwischen wieder in der Nähe von Dundee, ohne dass dies die Bandarbeit beeinträchtigt – ein Zeugnis der Flexibilität, die diese Band in ihrer Arbeitsweise seit jeher kultiviert hat.
Vincent Neff – Die Stimme, die Gitarre, der Lyriker
Vincent Neff ist das melodische Gesicht der Band. Als Sänger und Gitarrist aus Derry in Nordirland aufgewachsen, brachte Neff eine tiefe Verwurzelung im Songwriting mit: geprägt von den Beach Boys, den Beatles, dem Garage-Rock der 1960er, aber auch von der Rave-Kultur seiner Heimat, zu der ihm ältere Schwestern früh Zugang verschafften. Während Maclean die elektronische und rhythmische Architektur liefert, ist Neff derjenige, der Melodien und Texte beisteuert, die sich im Gedächtnis festsetzen.
Neff beschreibt sich selbst als jemanden, der mit kleinen Erwartungen startete – er rechnete damit, eine seltsame kleine Kultband mit ein paar hundert treuen Hörern zu bleiben. Die Tatsache, dass Django Django irgendwann vor 60.000 Menschen auf dem Fuji Rock Festival in Japan spielten, hat ihn nach eigener Aussage immer noch ein wenig sprachlos. Seine Texte bewegen sich oft zwischen dem Persönlichen und dem Universellen, zwischen introspektiver Stimmung und einem gewissen kosmischen Weitblick. Bei der Entstehung des Debütalbums war er noch nebenbei als Architekt tätig – ein Detail, das seinen präzisen, strukturierten Ansatz beim Songwriting vielleicht erklärt. Neff ist auch für die mehrstimmigen Vokalharmonien verantwortlich, die zu einem der charakteristischsten Elemente der Bandidentität geworden sind.
Tommy Grace – Synthesizer, Klang und Grafik
Tommy Grace ist der zweite Schotte im Quartett, ebenfalls in Edinburgh ausgebildet, wo er als Grafikdesigner arbeitete. Seine musikalischen Vorlieben sind so eklektisch wie die seiner Mitstreiter, tendieren aber in Richtungen, die die anderen weniger beackern: Calypso-Musik, Filmmusiken, obskure exotische Klänge. Grace bringt jene seltsamen Texturen ein, die Django Django von reinen Rockbands unterscheiden – seine Synthesizer-Linien sind nie bloße Ausschmückung, sondern strukturelles Element. Aus seiner Zeit als Macleans Mitbewohner in Edinburgh datiert die erste kreative Verbindung; später in London wurde diese Verbindung zur vollständigen Bandmitgliedschaft ausgebaut. Grace hat sich in den vergangenen Jahren nach Glasgow zurückgezogen, womit gleich zwei der vier Bandmitglieder ihre schottischen Wurzeln wieder stärker in ihr Alltagsleben integriert haben.
Jimmy Dixon – Bass und Erdung
Jimmy Dixon ist der Engländer im Quartett, aufgewachsen in Yorkshire, und er ist das ruhige Fundament der Band. Nachdem der ursprüngliche Bassist Duncan Marquiss nach den ersten Londoner Auftritten ausschied, übernahm Dixon die Rolle und wurde Teil des Kerns. Als Bassist verankert er die oft wilden rhythmischen und harmonischen Eskapaden seiner Mitstreiter auf solidem Boden – seine Spielweise ist wenig spektakulär im Sinne von Selbstdarstellung, aber unverzichtbar für den Gesamtklang. Dixon hält sich aus dem öffentlichen Diskurs der Band weitgehend heraus, liefert aber live wie im Studio die tragende Substanz, ohne die Django Django nur halb so dicht und organisch klingen würden.
Einflüsse und Vorbilder – ein Kosmos aus Klangquellen
Wenn Django Django über ihre musikalischen Einflüsse sprechen, öffnet sich ein Panorama, das schwindelig machen kann. Die Beta Band – durch Macleans Bruder John nicht nur als abstraktes Vorbild, sondern als familiäre Realität präsent – steht an zentraler Stelle. Diese schottische Gruppe der späten 1990er und frühen 2000er Jahre galt als ein Musterbeispiel für genreübergreifende Experimentierfreude, und die Vergleiche zwischen Beta Band und Django Django sind keine zufälligen: beide verbindet die Fähigkeit, Folk, Elektronik, Pop und Avantgarde zu einer kohärenten, aber nicht einschränkenden Klangidentität zu verschmelzen.
Daneben stehen die Produktionstechniken des britischen Pioniers Joe Meek, der in den 1960er Jahren mit unkonventionellen Studiotricks arbeitete und Klänge produzierte, die damals fremd klangen und heute wie Blaupausen für die Art of Sound-Produzenten der späteren Jahrzehnte wirken. Die surf-getränkten Gitarren der Ventures, die Vokalharmonien der Beach Boys, die düsteren Spaghetti-Western-Atmosphären Ennio Morricones, aber auch die pulsierenden Basslinien des Chicago-House und die verspielten Exzentrizitäten von Hot Chip – all das fließt zusammen. Maclean selbst verweist immer wieder auf sein tiefes Verhältnis zu amerikanischem House und Techno als emotionale Kernkompetenz, die seine Produktionen antreibt.
Das Debütalbum – ein Überraschungserfolg, der die Karriere definierte
Am 30. Januar 2012 erscheint „Django Django“ als selbstbetiteltes Debütalbum über Because Music und Ribbon Music. Es ist ein Heimstudio-Werk, entstanden ohne großes Budget, ohne Vorschuss eines Major-Labels, produziert von Maclean in seiner Wohnung – mit allem, was zur Verfügung stand, inklusive einer Dose Lynx-Deodorant, die als Percussion-Instrument diente, wie Maclean später in Interviews augenzwinkernd erzählte. Das Album vereint Surf-Guitar, mehrstimmige Harmonien, psych-getränkte Synthie-Texturen und Rhythmen, die irgendwo zwischen Tribal-Percussion und House-Kick liegen.
Die Kritiken sind überwältigend. Der Guardian vergibt fünf Sterne. NME und Rolling Stone nehmen das Album in ihre Jahresbestenlisten auf. Der Musikexpress krönt es zum besten Album des Jahres 2012. Das Album steigt auf Platz 33 in den britischen Charts ein und wird für den begehrten Mercury Music Prize 2012 nominiert – jenen Preis, der Jahr für Jahr die mutigsten und eigenwilligsten Stimmen der britischen Musiklandschaft ehrt. Bis 2014 verkauft das Album weltweit über 100.000 Kopien und erhält vom europäischen Verband unabhängiger Plattenlabels (IMPALA) eine Goldauszeichnung für Verkäufe von mindestens 75.000 Exemplaren in Europa.
Songs wie „Default“ und „Hail Bop“ finden sich bald auf Filmsoundtracks, in Werbespots und in Videospielen wieder: „Hail Bop“ erscheint im Fußballspiel FIFA 13, „Waveforms“ im Open-World-Kracher Grand Theft Auto V. Aus einer Band, die mit ein paar hundert Verkäufen gerechnet hatte, wird plötzlich eine Gruppe, die bei Festivals vor zehntausenden Menschen spielt.
Mercury Prize, Festival-Himmel und die Erkenntnis, dass alles größer wird
Die Mercury-Prize-Nominierung 2012 katapultiert Django Django in eine andere Liga. Kaum ist das Debüt erschienen, spielen sie beim renommierten Fuji Rock Festival in Japan vor 60.000 Zuschauern – eine Erfahrung, die Neff später als surrealen Schock beschreibt. 2013 übernehmen sie als Headliner den NME Awards Tour, einer jener britischen Tourneen, die als Gradmesser des Indie-Establishments gelten, und treten beim Glastonbury Festival auf dem Park Stage auf. In Frankreich avancieren sie zu Kult-Künstlern, das Debütalbum wird dort platinzertifiziert.
Born Under Saturn – 2015 und das Erwachsenwerden
Für das zweite Album steht plötzlich ein größeres Budget zur Verfügung. „Born Under Saturn“ erscheint am 1. Mai 2015, ebenfalls produziert von Maclean, und zeigt eine Band, die ihre eigene Grammatik weiterentwickelt, ohne ihre Eigenheiten zu glätten. Wenn überhaupt, werden die Ecken und Kanten schärfer. Die Elektronik bekommt mehr Raum, die Rhythmen werden komplexer, die Stimmung stellenweise dunkler. Kommerziell übertrifft es das Debüt, platziert sich höher in den Charts. Kritisch bleibt es hinter dem Erstlingswerk zurück, was bei einem solch außergewöhnlichen Debüt kaum überraschend ist. Vorab erscheint die Single „First Light“ als Appetithäppchen. In den Jahren nach dem Album folgen ausgedehnte Touren durch Europa und Nordamerika, auf denen die Band ihren Ruf als mitreißende Live-Band festigt.
Marble Skies – 2018 und die Rückkehr zur Einfachheit
Das dritte Album „Marble Skies“ erscheint am 26. Januar 2018 und wird intern als Rückkehr zu den Wurzeln verstanden – eine bewusste Entscheidung, nach dem üppigen Klangbild von „Born Under Saturn“ wieder fokussierter zu arbeiten. Maclean produziert erneut, doch diesmal gibt es prominente Gaststimmen: Vom Indie-Pop-Kollektiv Metronomy steuert Anna Prior Schlagzeug und Backing Vocals bei, Rebecca Taylor von Slow Club verleiht dem Album vokale Wärme. Das Resultat ist ein Album, das fokussierter und entschlossener wirkt, obwohl Maclean während der Produktion zeitweise in Fife in Schottland lebte und die Zusammenarbeit über Distanz koordiniert wurde. Der Song „Tic Tac Toe“ landet im Folgejahr ebenfalls in einem FIFA-Videospiel – FIFA 18 – und festigt den Ruf der Band als Soundtrack-Taugler. Im Oktober 2018 erscheint zudem die „Winter’s Beach“-EP als ergänzende Miniatur.
Im selben Jahr veröffentlichen Django Django ein Remixalbum gemeinsam mit dem britischen Dub- und Reggae-Musiker Wrongtom: „Marble Dubs“ unterzieht die Tracks von „Marble Skies“ einer wuchtigen Dub-Behandlung und zeigt die Flexibilität der Kompositionen, die solche Transformationen problemlos tragen.
Glowing in the Dark – 2021 und die Leichtigkeit nach der Dunkelheit
Die Pandemie verändert vieles. Während die Welt stillsteht, produziert Maclean in seinem Gartenstudio in Schottland elektronische Tracks, experimentiert für sich allein, häuft Material an. Das Ergebnis fließt in das vierte Album „Glowing in the Dark“ ein, das am 12. Februar 2021 erscheint. Es ist ein Album, das trotz seiner inhaltlich ernsthaften Texte – Flucht, Sehnsucht, Hoffnung – eine bemerkenswerte klangliche Leichtigkeit ausstrahlt. Schimmernde Synthie-Linien, sprudelnde Percussion, ein Gefühl von Auftrieb.
Wichtigstes Gast-Highlight ist die Zusammenarbeit mit Charlotte Gainsbourg auf dem Track „Waking Up“. Dass es dazu kam, ist einer zufälligen Eingebung Macleans zu verdanken: Er hörte ein bereits fertiges Demo von Vinny Neff, stellte sich sofort Gainsbourgs Stimme dabei vor und beschloss, einfach zu fragen. Da die französische Sängerin und Schauspielerin beim selben Label unter Vertrag steht, war die Kontaktaufnahme unkompliziert. Neff reiste nach Paris, nahm den Track an einem einzigen Tag mit ihr auf, und Gainsbourg setzte eine ihrer unverwechselbaren Stimmfarben in ein weiteres unvergessliches Django-Django-Kapitel. Ebenfalls zu hören ist Raven Bush, Violinist der britischen Band Syd Arthur, dessen Streicherpart auf dem Album eine emotionale Tiefe hinzufügt, die den elektronischen Texturen schönen Kontrast verschafft.
Off Planet – 2023 und das ambitionierteste Werk der Bandgeschichte
Maclean lässt sich von Ufologie und kosmischen Gedanken inspirieren und entwickelt das Konzept für „Off Planet“ – das fünfte Album, das am 16. Juni 2023 über Because Music erscheint. Es ist das größte, kühnste und stilistisch vielfältigste Statement, das Django Django je gemacht haben: 21 Tracks, veröffentlicht in vier separaten Teilen zwischen Februar und Juni 2023, wobei jeder Teil einen eigenen „Planeten“ repräsentiert. Die Idee dahinter ist radikal: die eigene Bandidentität zu dekonstruieren, neue Stimmen und neue Rhythmen hereinzulassen, sich selbst zu übersteigen.
Das Ergebnis ist ein Gäste-Panorama der Extraklasse. Self Esteem – bürgerlich Rebecca Lucy Taylor, die auch als Slow Club bekannt ist – steuert auf „Complete Me“ eine funkelnde Hookline bei, die vom BBC Radio 6 Music sofort auf die A-Liste gesetzt wird und einen 90er-Dance-Pop-Rausch auslöst, der an Breakbeat-House und Hip-House der frühen Rave-Jahre erinnert. Der britische Singer-Songwriter Jack Peñate, der nach langer kreativer Pause zurückgekehrt ist, liefert auf „No Time“ einen genreübergreifenden Beitrag. Die südafrikanische Künstlerin Toya Delazy bringt auf „Galaxy Mood“ afro-futuristische Energie, Stealing Sheep erhitzen auf „Dead Machine“ die Tanzfläche mit obskuren Indie-Elektronik-Klängen, und Isabelle Woodhouse, Yuuko, Patience und Bernardo runden ein Album ab, das mehr Revue als Rockplatte ist.
Das Ergebnis polarisiert angenehm: Metacritic verzeichnet auf Basis von fünf Kritiken eine Wertung von 81 von 100 Punkten, was als nahezu universelle Begeisterung gilt. Uncut nennt es das bislang ergiebigste und ambitionierteste Werk der Band. Zur Veröffentlichung organisiert die Band am 17. Juni 2023 in London eine Release-Party im Paper Dress Vintage, bei der drei der auf dem Album vertretenen Gäste – Toya Delazy, Refound und Bernardo – live auftreten.
Zusammenarbeit und Querverbindungen – Django Django im Netzwerk der Indie-Welt
Django Django sind keine Insel. Durch Macleans Bruder John existiert eine tiefe Verbindung zur Beta Band – einem der einflussreichsten britischen Acts der späten 1990er. Diese familiäre Verbindung schuf früh Glaubwürdigkeit und prägte den Klang der Band. Ihr Label Because Music verbindet sie mit Metronomy und Justice, zwei weiteren Konstanten im europäischen Indie-Electronic-Universum. Die Zusammenarbeit mit Anna Prior von Metronomy auf „Marble Skies“ ist in diesem Kontext keine Überraschung, sondern ein logisches Zusammenfinden gleichgesinnter Klangwelten.
Die Kooperation mit Wrongtom auf „Marble Dubs“ erweitert die kreative Reichweite der Band in den Bereich Dub und Reggae. Die Kollaborationen auf „Off Planet“ zeigen noch einmal die ganze Breite ihres Netzwerks: Self Esteem, Charlotte Gainsbourg, Raven Bush, Jack Peñate, Toya Delazy, Stealing Sheep – ein internationales Ensemble aus Künstlern sehr unterschiedlicher Hintergründe, vereint durch Macleans Curation-Instinkt und das Vertrauen in die Kraft offener kreativer Prozesse.
Live – Django Django auf der Bühne
Wer Django Django live erlebt hat, beschreibt die Shows oft als Partys statt als Konzerte. Die Band transformiert ihre Studioklänge in längere, tiefere, tranceartige Live-Versionen, die ineinander fließen und ein Gefühl von Kontinuität erzeugen, das mehr dem Erleben eines Raves als eines klassischen Gitarren-Konzerts ähnelt. Macleans Schlagzeug ist dabei das rhythmische Rückgrat, das alles zusammenhält; Neffs mehrstimmige Harmonien – live von allen Mitgliedern getragen – verleihen den Momenten emotionale Unmittelbarkeit.
Bekannt ist auch, dass die Band früh mit ausgesprochen unkonventionellem Equipment arbeitete – ein mit Mikrofon bestückter Pappkarton gehörte auf frühen Touren zur Standard-Percussion-Ausrüstung. Es ist ein Detail, das viel über die Low-Fi-Philosophie dieser Band verrät: Nicht das Budget entscheidet, sondern die Idee. Live haben Django Django im Laufe ihrer Karriere auf nahezu allen wichtigen Festivalbühnen Europas gespielt, vom Glastonbury Festival über das Primavera Sound bis zum Fuji Rock Festival in Japan. Ihr Aufstieg von kleinen Clubs in East London zu Stadionvorprogrammen und Festivalköpfern verlief in einem atemberaubenden Tempo.
Diskografie
Studioalben:
Django Django (2012, Because Music / Ribbon Music)
Born Under Saturn (2015, Because Music / Ribbon Music)
Marble Skies (2018, Because Music)
Glowing in the Dark (2021, Because Music)
Off Planet (2023, Because Music)
Kollaborationsalbum:
Django Django meets Wrongtom – Marble Dubs (2018)
EPs:
Winter’s Beach EP (2018)
Off Planet – Part 1 (2023)
Off Planet – Part 2 (2023)
Off Planet – Part 3 (2023)
Off Planet – Part 4 (2023)
Ausgewählte Singles:
Storm (2009)
Wor (2010)
Waveforms (2011)
Default (2012)
Hail Bop (2012)
First Light (2015)
Tic Tac Toe (2017)
Glowing in the Dark (2020)
Waking Up feat. Charlotte Gainsbourg (2021)
Complete Me feat. Self Esteem (2023)
No Time feat. Jack Peñate (2023)
Galaxy Mood feat. Toya Delazy (2023)
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Wikipedia DE, AllMusic, Because Music, Under The Radar, Grokipedia, The Courier, Fandom Culture Wikia, Red Light Management, Our Culture Mag, Bandcamp, Highroad Touring