
Zwei Monate nach seinem Kinostart am 24. April 2026 hat das Musikbiopic „Michael“ Geschichte geschrieben. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 977 Millionen US-Dollar hat der Film den bisherigen Rekordhalter „Oppenheimer“ von Christopher Nolan übertroffen und sich damit zum erfolgreichsten Biopic aller Zeiten gekrönt – ganz ohne Oscar-Rückenwind und trotz mäßiger Kritiken.
Rekorde schon beim Start – und seitdem nicht mehr aufzuhören
Bereits am Eröffnungswochenende zeigte sich, dass „Michael“ kein gewöhnlicher Film sein würde. Mit einem Startwochenende von 97 Millionen US-Dollar allein in Nordamerika und 217 Millionen weltweit pulverisierte der Film den bisherigen Startrekord für Musikbiopics, den bis dahin „Straight Outta Compton“ aus dem Jahr 2015 mit 60 Millionen Dollar gehalten hatte. Allein aus IMAX-Vorführungen flossen am Eröffnungswochenende über 24 Millionen Dollar – ebenfalls ein Rekord für das Genre. Noch vor Mitte Juni hatte der Film den bisherigen Musikbiopic-Rekordhalter „Bohemian Rhapsody“ – das Queen-Biopic aus dem Jahr 2018 mit 911 Millionen Dollar Einspielergebnis – hinter sich gelassen. Nun ist auch der Gesamtrekord gefallen.
977 Millionen Dollar weltweit – und die Milliarde in Reichweite
Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 370 Millionen Dollar wurden in den USA und Kanada eingespielt, weitere 607 Millionen Dollar kamen aus dem internationalen Markt, darunter Gebiete, die von Universal Pictures betreut werden. Damit überholte „Michael“ „Oppenheimer“, der auf rund 975 Millionen Dollar kam. Besonders bemerkenswert: Der Film läuft in den USA bereits im Heimkino-Bereich via Video-on-Demand, generiert international aber weiterhin starke Einnahmen – zuletzt verstärkt durch den Kinostart in Japan. Branchenbeobachter halten es für möglich, dass der Film am Ende seines Kinolaufs die Milliardenmarke knackt und damit als erstes Biopic überhaupt die Grenze von einer Milliarde Dollar übertreffen würde.
Auch ein Meilenstein für Lionsgate
Für den US-Verleiher Lionsgate bedeutet der Erfolg von „Michael“ einen historischen Moment: Der Film ist nun das kommerziell erfolgreichste Werk in der gesamten Unternehmensgeschichte des Studios und lässt damit auch den Blockbuster „The Hunger Games: Catching Fire“ aus dem Jahr 2013 mit 865 Millionen Dollar hinter sich. Produzent Graham King, der auch hinter „Bohemian Rhapsody“ stand, bricht damit seinen eigenen Rekord.
Jaafar Jackson in der Hauptrolle – ein Debüt der besonderen Art
Die Titelrolle spielt Jaafar Jackson, der Neffe von Michael Jackson – in seinem ersten Leinwandauftritt überhaupt. Für die darstellerische Leistung wurde er von Kritikern und Fans gelobt, insbesondere für seine physische Transformation und die Nachbildung von Bühnenauftritten und Musikvideos. Regie führte Antoine Fuqua. Colman Domingo und Nia Long sind in den Rollen der Eltern Joe und Katherine Jackson zu sehen.
Kein Platz für Kontroversen – und genau das ist das Problem
Was den Film kommerziell beflügelt, ist kritisch betrachtet zugleich sein zentrales Manko: „Michael“ blendet die Missbrauchsvorwürfe gegen den Popstar vollständig aus. Die Handlung endet im Jahr 1988, noch vor dem Bekanntwerden der ersten Anschuldigungen. Ursprünglich hatte Regisseur Fuqua Szenen gedreht, die sich mit den Vorwürfen auseinandersetzten, darunter eine Nachstellung der Hausdurchsuchung auf der Neverland Ranch im Jahr 1993. Diese Sequenzen wurden jedoch gestrichen, offenbar in Zusammenhang mit einem außergerichtlichen Einigungsvertrag aus den 1990er Jahren, der bestimmte Darstellungen vertraglich ausschloss. Umfangreiche Nachdreharbeiten über 22 Tage und ein neu gestaltetes Ende kosteten laut verschiedenen Berichten bis zu 50 Millionen Dollar zusätzlich. Das führte zu öffentlicher Kritik: Journalisten, Aktivisten und auch Teile der Familie äußerten Unbehagen. Jacksons Tochter Paris Jackson distanzierte sich vom Endprodukt und kritisierte, dass ihre inhaltlichen Anmerkungen ignoriert worden seien. Jacksons Schwester Janet sowie weitere Geschwister sind nicht im Film vertreten. Auf der Filmkritik-Plattform Rotten Tomatoes liegt der Film bei lediglich 38 Prozent positiver Kritikerstimmen – das Publikum aber liebt ihn.
Fortsetzung bereits in Planung
Der kommerzielle Triumph dürfte die Weichen für ein Sequel stellen. Laut Branchenberichten plant Lionsgate mindestens einen weiteren Film über Michael Jacksons Leben – vermutlich mit Fokus auf die späteren Jahre, die in „Michael“ bewusst ausgeklammert wurden.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Variety, Deadline, Screen Rant, FanBolt, CBC News, Wikipedia