Raph_PH, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons
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From left: Mick Jagger, Ronnie Wood, Keith Richards, Charlie Watts bow post-show 22 May 2018 in London.

Am 10. Juli 2026 erscheint das 25. Studioalbum der Rolling Stones. Foreign Tongues heißt das Werk, in Zusammenarbeit mit Produzent Andrew Watt innerhalb von knapp einem Monat in den Metropolis Studios in West London eingespielt, und es setzt die bemerkenswerte Spätform der Band nahtlos fort. Was Hackney Diamonds 2023 begann, vollendet Foreign Tongues: ein Album, auf dem Mick Jagger, Keith Richards und Ronnie Wood klingen, als hätten sie mehr zu sagen denn je – und die handwerklichen Mittel, es zu sagen.

Schnell produziert, souverän geklungen

Das Tempo der Aufnahmen war bewusst gewählt. Watt beschrieb das Ziel als eine Rückkehr zur Arbeitsweise der frühen Stones-Jahre, als neue Songs innerhalb weniger Wochen aufgenommen, veröffentlicht und vergessen wurden, damit der nächste entstehen konnte. Die rasche Entstehungsgeschichte hört man dem Album an – aber positiv. Die Songs atmen, sind direkt und unprätentiös, ohne dabei nachlässig zu wirken. Watt übernahm bei einigen Stücken die Rolle als Mitkomponist und schuf Strukturen, die so klingen, als wären sie schon immer im DNA-Archiv der Stones verborgen gewesen.

Gitarren, Bluesschreien und ein 82-jähriger mit Stammformzwang

Das Herzstück des Albums ist das übereinanderliegende Gitarrenspiel von Richards und Wood. Ihre sogenannte Ancient-Art-of-Weaving-Technik – zwei Gitarren, die sich umeinander winden, ineinander fallen, sich gegenseitig anstoßen und herauszufordern scheinen – ist auf Foreign Tongues deutlicher hörbar als auf manchem Vorgängeralbum. Besonders auf Ringing Hollow, einem country-nahen Stück mit ruraler Stimmung, entfalten sich die Texturen der Gitarrenarbeit in ihrer ganzen Tiefe. Auch Rough and Twisted, der Album-Opener und erste Single, macht unmissverständlich klar, wohin die Reise geht: ein knochenharter Rocker, der sofort an die produktivste Phase der Band erinnert.

Jagger ist auf diesem Album erneut der Beweis, dass manche Stimmen schlicht nicht altern. Mit 82 Jahren bewegt er sich zwischen kraftvollem Rock-Schreien, einem falsettgestützten Soul-Groove auf Jealous Lover und einem rapähnlichen Sprechgesang auf dem gesellschaftskritischen Covered in You, in dem er sich an den Autokraten und Milliardären der Gegenwart abarbeitet, ohne jemanden namentlich zu nennen – obwohl der Hinweis auf den ersten Trillionär der Welt auf Mr. Charm unmissverständlich ist.

Gastmusiker mit Geschichte: McCartney, Smith, Winwood und Watts

Wie zuletzt bei Hackney Diamonds öffnete die Band ihr Studio für prominente Gäste. Paul McCartney spielt erneut Bassgitarre – diesmal auf dem epischen Soul-Balladenstück Back in Your Life, einem Stück, das während einer Studiowoche im Juni 2025 entstand, in der Sly Stone und Brian Wilson starben, und dem eine entsprechende Gewichtigkeit anhaftet. Ronnie Wood soll dabei ein Gitarrensolo von ursprünglich neun Minuten Länge eingespielt haben. Robert Smith von The Cure ist auf Never Wanna Lose You an den Synthesizern zu hören und bringt dem Album eine kühle elektronische Note. Steve Winwood steuert ebenfalls Beiträge bei. Und Charlie Watts, der 2021 verstorbene Schlagzeuger, ist posthum auf einem weiteren Stück präsent, eingespielt bei einer der letzten Studioserien, die er noch an der Band beteiligen durfte. Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers beendet das Album als Gastgitarrist bei einer akustischen Coverversion des Chuck-Berry-Klassikers Beautiful Delilah.

Zwei Coverversionen als Hommage und Provokation

Die Wahl der Coverversionen auf Foreign Tongues ist bezeichnend. Eine Neuinterpretation von Amy Winehouses You Know I’m No Good – von der Kritik ambivalent aufgenommen – stellt Jagger in einen Dialog mit einer der prägendsten Stimmen der 2000er Jahre. Interessant dabei: Jagger soll den Track in einer höheren Tonlage gesungen haben als Winehouse selbst. Die zweite Coverversion, Beautiful Delilah von Chuck Berry, ist ein absichtlich rau gehaltenes akustisches Stück, das die Band zurück zu ihren allerersten Jahren bringt – 1964 hatten sie den Song bereits im britischen Radio gespielt.

Gesellschaftskritik mit Grinsen

Thematisch ist Foreign Tongues ein Album, das sich traut, aus der Komfortzone des klassischen Liebeslieds herauszutreten. Mehrere Songs beschäftigen sich mit dem Zustand der Welt und ihrer mächtigsten Gestalten. Auf Divine Intervention zeichnet Jagger das Bild von Milliardären, die in höchster Geschwindigkeit ihre Bunkerfluchtpläne aktivieren, während auf Covered in You die Sprache des politischen Rap einzieht. Mr. Charm ist ein verspielter Gigolosong, der in seiner Mitte einen boshaften Seitenhieb auf einen bekannten Tech-Mogul versteckt. Diese politische Handschrift gibt dem Album eine Aktualität, die über das bloße Bedienen von Rock-Konventionen hinausgeht.

Das Tracklisting

Foreign Tongues umfasst 14 Tracks: Rough and Twisted, Side Effects, Back in Your Life, In the Stars, Divine Intervention, Jealous Lover, Never Wanna Lose You, Some of Us, Hit Me in the Head, Mr. Charm, Covered in You, Ringing Hollow, You Know I’m No Good sowie den abschließenden Chuck-Berry-Tribut Beautiful Delilah.

Ein letztes Mal?

Ob Foreign Tongues das letzte Album der Rolling Stones sein wird, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen – und die Band selbst will das auch nicht beantworten. Jagger hat angedeutet, er hoffe auf mehr. Pianist Chuck Leavell deutete an, dass eine Europatour für 2026 möglich sei. Was Foreign Tongues bereits jetzt ist, steht außer Frage: ein Werk, das das Erbe der Band nicht verwaltet, sondern erweitert. Sechs Jahrzehnte nach den ersten Auftritten in stickigen Londoner Pubs ist das keine Selbstverständlichkeit – es ist ein kleines Wunder.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Rolling Stone DE, Rolling Stone US, Ultimate Classic Rock, Record Collector Magazine, Riff Magazine, Louder Sound, Wikipedia EN, AllMusic

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