Quejaytee, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
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Nick Cave at the 2026 Montreux Jazz Festival

Auf seiner Plattform „The Red Hand Files“ hat sich Nick Cave einmal mehr dem Verlust seines Sohnes Arthur gewidmet. Anlass war der elfte Jahrestag von Arthurs Tod, den der Musiker als den schwersten Tag im Leben der Familie bezeichnet. Gleichzeitig beschreibt Cave, wie befremdlich normal die Welt an einem solchen Tag weiterlaufen kann – ein Gegensatz, der ihn immer wieder aufs Neue berührt.

Ein Brief aus Nîmes

Ausgangspunkt des aktuellen Eintrags war eine kurze Nachricht einer Leserin namens Jane, die Cave und seiner Familie an diesem Tag Kraft und Zuspruch wünschte. Cave antwortete aus einem kleinen Hotel in der südfranzösischen Stadt Nîmes, wo er vor einem Auftritt im dortigen Amphitheater auf den erwachenden Morgen blickte. Er schilderte gewöhnliche Alltagsszenen vor seinem Fenster – Autos, eine Frau mit Hund, ein Kind auf einem Roller, ein rauchender älterer Mann – und stellte diese bewusst neben die Schwere des Datums.

Susies wiederkehrender Traum

Besonders eindringlich beschreibt Cave, wie seine Frau Susie Cave an jenem Morgen neben ihm erwachte und von einem Traum erzählte, in dem Arthur vorkam. Der verstorbene Sohn erscheine ihr immer wieder in ihren nächtlichen Bildern, so Cave. In der jüngsten Traumsequenz habe sich Susie an einem dunklen, möglicherweise waldähnlichen Ort befunden und nach Arthur gerufen, ihn jedoch aufgrund der Dunkelheit nicht finden können.

Trauer als körperlicher Zustand

Cave beschreibt Trauer in seinem Text nicht als vorübergehenden Zustand, sondern als etwas, das sich dauerhaft im Körper festsetzt und sich an bestimmten Jahrestagen besonders bemerkbar macht. Er vergleicht die Gefühle des Verlusts mit geisterhaften Erscheinungen, die sich in Zellen und Blut festsetzen und wie Wetterlagen um solche Tage herum entstehen. Zugleich betont er, dass er mit dieser Beschreibung niemandem falsche Hoffnung machen wolle, dass sich Trauer irgendwann vollständig auflöse.

Zwischen Trauer und Alltag

Der Jahrestag sei ein trauriger Tag, das lese er in den Augen seiner Frau, schreibt Cave. Zugleich sei es aber auch ein gewöhnlicher, sogar schöner Tag – für ihn womöglich sogar der beste. Der Eintrag endet mit einem ruhigen Bild: Susie steht am Fenster, zieht den Vorhang zurück und blickt hinaus auf die Stadt, während Sonnenlicht auf ihr Gesicht fällt. Der Verlust bleibt spürbar, während das Leben rundherum leise weitergeht.

Wiederkehrendes Motiv in Caves Werk

Arthur, einer von Caves Zwillingssöhnen, starb 2015 im Alter von 15 Jahren, nachdem er in der Nähe des Familienwohnsitzes in Brighton von einer Klippe gestürzt war. Seither zählt Cave zu den öffentlich zugänglichsten Musikern, wenn es um das Thema Verlust geht, insbesondere über „The Red Hand Files“, das Format, in dem er seit 2018 Fragen von Fans beantwortet. Neben Trauer behandelt die Plattform regelmäßig auch Themen wie Liebe, Kreativität, Glaube und das Älterwerden. Ihren Namen trägt sie in Anlehnung an den Song „Red Right Hand“ von Nick Cave & the Bad Seeds. In früheren Ausgaben hatte Cave bereits mehrfach beschrieben, wie Susie ihren verstorbenen Sohn regelmäßig in ihren Träumen erlebt, während er selbst kaum träumt und diese Erfahrung vor allem über die Erzählungen seiner Frau teilt.

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Rolling Stone Deutschland, Happy Mag, The Red Hand Files, Irish Times, Far Out Magazine

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