Seit mehr als 30 Jahren lässt Oasis-Kopf Noel Gallagher kaum eine Gelegenheit aus, über Phil Collins herzuziehen. Nun hat sich der Genesis-Frontmann erstmals öffentlich dazu geäußert – und zwar erstaunlich gelassen. Im Gespräch mit dem Musikmagazin Mojo erklärte Collins, er wolle Gallagher zugutehalten, dass dieser ihn wohl nicht wirklich für eine Art Teufelsgestalt der Musikwelt halte. Damit reagierte der 75-Jährige auf einen Spitznamen, den ihm Gallagher bereits 1994 rund um das Debütalbum von Oasis verpasst hatte.
Der Ursprung des Zoffs
Die Abneigung reicht bis in die Neunzigerjahre zurück, als Gallagher Collins in einem Interview als musikalischen Erzfeind bezeichnete und öffentlich ankündigte, ihn aus den Charts verdrängen zu wollen. Später legte der Oasis-Gitarrist nach und äußerte sich auch politisch gegen Collins: 1997 rief er britische Wählerinnen und Wähler sinngemäß dazu auf, die Konservativen abzuwählen, damit Collins nicht aus der Schweiz zurück nach England ziehe. Collins selbst reagierte 2005 in einem Interview mit dem Irish Examiner und beschrieb Oasis als unhöflich sowie überschätzt in Sachen Talent.
Eine mögliche Erklärung für den Spitznamen
Im aktuellen Mojo-Gespräch lieferte Collins eine augenzwinkernde Theorie, wie es überhaupt zu der Bezeichnung kam. Er vermutet, dass ein Genesis-Konzertbesuch Gallaghers in den Achtzigerjahren der Auslöser gewesen sein könnte – konkret ein Auftritt des Songs „Mama“, bei dem Collins mit markanter Mimik und Beleuchtung auf der Bühne agierte. Genau diese Inszenierung, so seine Vermutung, habe bei Gallagher offenbar einen bleibenden, eher verstörenden Eindruck hinterlassen.
Bevorstehendes Aufeinandertreffen bei der Hall of Fame
Brisant wird die Angelegenheit dadurch, dass sowohl Collins als auch Oasis in diesem Jahr in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen werden. Die Zeremonie findet im November in Los Angeles statt und soll später im Fernsehen sowie per Streaming ausgestrahlt werden. Da vor der eigentlichen Zeremonie ein gemeinsames Mittagessen für alle Geehrten angesetzt ist, hält Collins ein Zusammentreffen mit den Gallagher-Brüdern für so gut wie sicher. Er selbst zeigte sich davon jedoch nicht beunruhigt, sondern eher gespannt auf die Situation.
Auftritt bei der Zeremonie ausgeschlossen
Unabhängig von der Fehde machte Collins zuletzt in einem weiteren Interview deutlich, dass er bei der Hall-of-Fame-Zeremonie nicht selbst auf der Bühne stehen werde. Er begründete dies damit, dass ein Live-Auftritt intensive stimmliche Vorbereitung erfordere, die er sich nach längerer Bühnenabstinenz nicht zutraue. Seit dem Ende der letzten Genesis-Tournee im Frühjahr 2022 hat er nicht mehr live gesungen und musste in den vergangenen Jahren zudem gesundheitliche Rückschläge verkraften. Nach eigener Aussage geht es ihm inzwischen aber deutlich besser. Zur Frage einer möglichen Rückkehr auf die Bühne äußerte er sich vorsichtig optimistisch, ohne sich festzulegen. Auch an neuer Musik arbeitet er nach eigenen Angaben bereits gedanklich, konkrete Textideen und Fragmente lägen schon vor.
Familiäre Verwicklungen in der Fehde
Die Auseinandersetzung zog im Laufe der Jahre auch Familienmitglieder mit hinein. So soll Collins’ Tochter, die Schauspielerin Lily Collins, bei einem Live-Earth-Konzert 2007 Liam Gallagher direkt auf die Kommentare seines Bruders angesprochen haben. Liam reagierte damals ausweichend und betonte, niemanden wirklich zu haben. Ob es bei der Hall-of-Fame-Veranstaltung tatsächlich zu einer Begegnung zwischen Collins und den Gallagher-Brüdern kommt, bleibt abzuwarten – Liam hat seine Teilnahme an der Zeremonie jedenfalls bereits bestätigt.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone, Rolling Stone Deutschland, Stereogum, Consequence, Seacoast Oldies (ABC Audio)