
Die neuseeländische Sängerin Lorde hat sich in dieser Woche deutlich gegen eine neue Funktion des Streamingdienstes Spotify positioniert. Auslöser war eine automatisiert erstellte Songbeschreibung zu ihrem Titel „Current Affairs“, die nach Ansicht der Grammy-Preisträgerin schlichtweg falsch war und ihre künstlerische Arbeit auf eine verzerrte Weise wiedergab.
Fehlerhafte Beschreibung als Auslöser
Über ihre Instagram-Story teilte Lorde einen Screenshot der betreffenden Spotify-Beschreibung, in der eine Bühnenszene aus ihrer aktuellen Welttournee geschildert wurde, die inhaltlich jedoch gar nicht zu diesem Song gehörte. Die geschilderte Performance, bei der sie sich während eines Liveauftritts teilweise entkleidet und von einer Tänzerin mit Wasser übergossen wird, ordnet Lorde tatsächlich einem anderen Titel aus ihrem aktuellen Album zu. Die KI-generierte Beschreibung hatte die Szene fälschlicherweise mit „Current Affairs“ verknüpft.
Deutliche Kritik an der Funktion
In der Bildunterschrift wandte sich die Musikerin direkt an Spotify und machte unmissverständlich klar, dass sie die neue Funktion ablehnt. Sie kritisierte nicht nur die inhaltliche Ungenauigkeit, sondern äußerte grundsätzliche Bedenken: Wenn ein Song bereits an der Quelle auf eine von künstlicher Intelligenz erzeugte Bedeutung reduziert werde, schränke das die freie Interpretation durch die Hörerschaft erheblich ein. Sie forderte den Streamingdienst auf, Künstlerinnen und Künstlern zumindest die Möglichkeit zu geben, sich von dieser Funktion abzumelden.
Was hinter „About the Song“ steckt
Die betroffene Funktion trägt den Namen „About the Song“ und befindet sich derzeit noch in einer Testphase. Sie generiert mithilfe künstlicher Intelligenz kurze Hintergrundtexte zu einzelnen Songs, die laut Spotify auf Angaben aus externen Quellen basieren sollen, um Hörerinnen und Hörern zusätzlichen Kontext und interessante Hintergrundinformationen zu liefern. Berichten zufolge dürfte im konkreten Fall Textmaterial aus einem redaktionellen Artikel eines australischen Musikportals als Grundlage dieser fehlerhaften Beschreibung gedient haben.
Reaktion des Streamingdienstes
Spotify äußerte sich inzwischen offiziell zu der Kritik und erklärte, man habe die Funktion entwickelt, weil Fans erkennbar Interesse an den Geschichten hinter der Musik zeigten. Man befinde sich weiterhin in der Beta-Phase, in der Fehler grundsätzlich vorkommen könnten, diese würden jedoch in der Regel zügig korrigiert.
Teil einer größeren Debatte um KI in der Musikbranche
Der Vorfall reiht sich in eine Serie kritischer Äußerungen Lordes zum Umgang mit künstlicher Intelligenz in der Unterhaltungsbranche ein. Erst kurz zuvor hatte sie sich bei einem Festivalauftritt in Madrid kritisch über KI-gestützte Datenbrillen geäußert. Beobachterinnen und Beobachter sehen in der aktuellen Debatte um automatisiert erzeugte Songbeschreibungen ein grundsätzliches Spannungsfeld: Einerseits sollen solche Funktionen die Bindung des Publikums an die Plattform stärken, andererseits besteht die Gefahr, dass redaktionelle Sorgfalt und künstlerische Deutungshoheit dabei auf der Strecke bleiben.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone, Rolling Stone Deutschland, Stereogum, The Needle Drop, Yahoo Entertainment