Carolin von Petzholdt, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons
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BTS performing "Butter" at the American Music Awards in 2021.

Der Musikmarkt verschiebt sich spürbar in Richtung Asien und Lateinamerika. Das geht aus dem aktuellen Halbjahresbericht des Datenanalyse-Unternehmens Luminate hervor, der am 15. Juli 2026 veröffentlicht wurde. Luminate stützt seine Auswertung auf rund 30 Billionen Datenpunkte aus hunderten verifizierten Quellen und bündelt darin erstmals Trends aus Musik, Fernsehen und Film in einem gemeinsamen Bericht. Besonders auffällig: Südkorea hat sich in der globalen Rangliste der Musikexportnationen nach vorn geschoben. Im aktualisierten „Global Export Power Ranking“ von Luminate hat das Land Kanada überholt und liegt nun hinter den USA und Großbritannien auf Platz drei – ein Sprung, den manche Beobachter bereits scherzhaft den „Arirang-Effekt“ nennen. Auch Brasilien legte zu und verdrängte Australien auf der Liste vom achten Rang.

Der „Arirang-Effekt“: Wie BTS den Exportmarkt aufmischt

Treiber dieser Entwicklung ist maßgeblich der Erfolg von BTS. Der Song „Arirang“ führte im Berichtszeitraum sowohl die Vinyl- als auch die CD-Verkaufscharts an und kam auf rund 1,49 Millionen Album-Equivalent-Streams. Zum Vergleich: Bad Bunnys Album „Debí Tirar Más Fotos“ erreichte im selben Zeitraum etwa 1,54 Millionen. Der kommerzielle Erfolg von „Arirang“ allein reichte aus, um Südkorea im Exportranking entscheidend nach oben zu katapultieren.

Englischsprachige Musik verliert an Boden

Parallel zum Aufstieg Südkoreas zeigt der Bericht einen langsamen, aber stetigen Bedeutungsverlust englischsprachiger Musik auf dem US-Markt. Der Anteil englischsprachiger Songs an allen Streams in den USA sank auf einen historischen Tiefstand von 87,1 Prozent. Spanischsprachige Musik erreichte im Gegenzug mit 9,4 Prozent ihren bisherigen Höchstwert, während die gelegentliche monatliche Nutzung lateinamerikanischer Musik im ersten Quartal 2026 auf 54 Prozent anstieg. Koreanische Musik hält demnach stabil einen Anteil von 1,1 Prozent, weitere, kleinere Sprachräume kommen zusammengenommen auf 2,4 Prozent. Für die Branche liest sich das als klares Signal: Musik in der eigenen Muttersprache zu veröffentlichen, ist auf dem US-Markt längst keine Wachstumsbremse mehr, K-Pop, Latin- und Afrobeats-Kataloge sichern sich zunehmend Platzierungen auf großen Playlists, und auch zweisprachige Singleversionen lassen sich inzwischen datenbasiert rechtfertigen.

CDs erleben ein unerwartetes Comeback – dank K-Pop

Neben den Streaming-Zahlen liefert der Bericht auch einen bemerkenswerten Trend im physischen Tonträgermarkt. Die CD-Verkäufe in den USA legten im ersten Halbjahr 2026 um 16 Prozent auf 16,3 Millionen verkaufte Einheiten zu und übertrafen damit sogar das Wachstum von Vinyl, das um 2,4 Prozent zulegte. Verantwortlich für diesen Schub ist zu einem großen Teil K-Pop: Ohne die Verkäufe von BTS‘ Album „Arirang“ sowie weiterer K-Pop-Acts wie Ateez wäre der CD-Zuwachs mit 6,7 Prozent deutlich geringer ausgefallen. Interessant ist dabei das Käuferverhalten: Rund die Hälfte der jungen Fans aus der Generation Z und der Millennial-Generation, die CDs kaufen, besitzt gar keinen CD-Player mehr. Die Silberscheibe hat sich für diese Zielgruppe offenbar zu einem erschwinglichen Sammlerobjekt gewandelt, losgelöst von ihrer ursprünglichen Funktion als Abspielmedium.

Streaming wächst weltweit rasant

Global betrachtet legte das On-Demand-Audio-Streaming im ersten Halbjahr 2026 um 9,8 Prozent auf 2,8 Billionen Streams zu. Angeführt wird die weltweite Song-Jahrescharts von „Golden“ aus dem Animationsfilm-Soundtrack „K-Pop Demon Hunters“ mit rund 1,124 Milliarden Streams, dicht gefolgt von Taylor Swifts „The Fate of Ophelia“ mit etwa 1,115 Milliarden. Auch Djos „End of Beginning“, Alex Warrens „Ordinary“ und Olivia Deans „Man I Need“ knackten jeweils die Milliardengrenze. Bemerkenswert: Von den zehn meistgestreamten Songs des bisherigen Jahres stammen nur zwei tatsächlich aus 2026 – BTS‘ „Swim“ sowie die Kollaboration „Dracula“ von Tame Impala und Jennie. Ein Song aus dem Jahr 2018, „Babydoll“ von Dominic Fike, das durch TikTok neue Popularität erlangte, findet sich ebenfalls unter den Top Ten.

Genre-Trends: Dance/Electronic im Aufwind, R&B/Hip-Hop schwächelt

Bei den Musikgenres zeigt sich ein deutlicher Trend zugunsten von Dance und Electronic. Dieses Genre gewann laut Bericht mehr Streaming-Marktanteil hinzu als jedes andere, ein Plus von 0,51 Prozentpunkten bei einem Volumenwachstum von 18,9 Prozent. R&B und Hip-Hop verlieren dagegen weiter an Boden, bleiben in den USA aber weiterhin das meistgestreamte Genre insgesamt.

Künstliche Intelligenz verändert Workflows, nicht das Hörverhalten

Auch das Thema künstliche Intelligenz spielt im Bericht eine Rolle. Laut Luminate nutzen 18 Prozent der befragten US-Musikschaffenden KI-Werkzeuge, um bestehende Musik zu bearbeiten oder neu abzumischen, unter Nicht-Musikern liegt dieser Wert lediglich bei 6 Prozent. Der bislang erfolgreichste KI-unterstützte Song, „Papaoutai (Afro Soul)“ von Chill77 Unjap, erreichte in den ersten 24 Wochen des Jahres weltweit rund 210,7 Millionen Streams und Platz 282 der globalen Charts. Die Einschätzung von Luminate-Analystin Jaime Marconette fällt dabei nüchtern aus: KI-Werkzeuge verändern derzeit vor allem kreative Produktionsabläufe, einzelne KI-generierte Songs hätten bislang jedoch noch keinen tiefgreifenden, langfristigen Einfluss auf das Hörverhalten der breiten Masse.

Nostalgie bei der Generation Z

Ein weiterer auffälliger Befund betrifft das Hörverhalten jüngerer Generationen: 60 Prozent der Gen-Z-Hörer konsumieren dem Bericht zufolge inzwischen regelmäßig Musik aus den Neunzigerjahren oder noch früheren Jahrzehnten. Das erklärt zumindest teilweise, warum drei Viertel der gestreamten Rockmusik aus dem sogenannten „Deep Catalog“ stammen, also mindestens fünf Jahre alt ist.

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Rolling Stone, Backstage PRO, Luminate, aimusicpreneur.com, Billboard, Music Ally

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