
Im Mordprozess gegen den Sänger D4vd, bürgerlich David Anthony Burke, hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag in Los Angeles erstmals umfangreiches Beweismaterial vor Gericht präsentiert. Zum Auftakt der mehrtägigen Voruntersuchung zeigte Staatsanwältin Beth Silverman rund zehn Minuten Bodycam-Aufnahmen von Beamten des Los Angeles County Sheriff’s Department, die Burke am 17. Februar 2024 in einer Wohnung in West Hollywood aufsuchten. Der Besuch erfolgte nur wenige Tage, nachdem die Eltern der damals 13-jährigen Celeste Rivas Hernandez ihre Tochter als vermisst gemeldet hatten. Die Familie lebt in Lake Elsinore, einer Stadt im Riverside County rund 110 Kilometer südöstlich von Los Angeles.
Wie die Ermittler auf Burke aufmerksam wurden
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft waren Ermittler des Riverside County Sheriff über Rivas‘ Telefonaufzeichnungen auf Burkes Nummer gestoßen. Sie informierten ihn daraufhin über das tatsächliche Alter des Mädchens und kündigten einen Hausbesuch an. Auf dem Video ist zu sehen, wie Burke die Beamten in die Wohnung lässt und ihnen beiläufig mitteilt, dass sich Alkohol im Kühlschrank befinde. Gegenüber den Ermittlern gab er an, Rivas über Discord und Instagram kennengelernt und sie ein einziges Mal persönlich, am 12. November 2023, getroffen zu haben. Zuletzt habe er am 13. Februar mit ihr kommuniziert. Sie befinde sich nicht in der Wohnung, erklärte er den Beamten.
Aussagen zum Alter des Mädchens
Auf dem Bodycam-Material erklärte Burke den Ermittlern, Rivas habe ihm gegenüber angegeben, 18 Jahre alt zu sein, während ihm inzwischen alle sagten, sie sei tatsächlich erst 13. Er zeigte den Beamten außerdem den online veröffentlichten Vermisstenaufruf der Familie, den er auf seinem Handy gespeichert hatte, sowie ein Jahrbuchfoto von Rivas aus der sechsten Klasse ihrer Mittelschule in Lake Elsinore. Ein anwesender Deputy beschrieb Burke später als sehr kooperativ; er habe den Beamten eine Durchsuchung der Wohnung erlaubt, bei der jedoch keine Hinweise auf Rivas gefunden wurden.
Vorwürfe zu den Ereignissen nach dem mutmaßlichen Mord
Die im April eingereichte Anklageschrift wirft Burke vor, im Anschluss an die Tat zwei Kettensägen und einen aufblasbaren Pool über einen Onlinehändler bestellt und Rivas anschließend in der Garage seines gemieteten Anwesens in den Hollywood Hills zerstückelt zu haben. Danach soll er die Überreste im vorderen Kofferraum seines Tesla verstaut und wenig später eine Tournee zur Bewerbung seines ersten Major-Label-Albums „Withered“ angetreten haben, das nach Angaben der Ermittler zwei Tage nach der mutmaßlichen Tat erschien. Entdeckt wurden die Überreste erst im September 2025, nachdem der Tesla wegen eines Parkverstoßes abgeschleppt worden war. Der Betreiber des Abschlepphofs alarmierte die Polizei, nachdem das Fahrzeug einen auffälligen Geruch verströmt und Fliegen angezogen hatte. Laut Anklageschrift habe Burke über Wochen oder sogar Monate hinweg Bekannte und Geschäftspartner belogen, die den starken Verwesungsgeruch in und um sein Zuhause sowie sein Fahrzeug bemerkt hätten.
Ein zweites, geheimes Telefon
Die Anklage zeichnet zudem das Bild einer über Jahre andauernden, systematischen Kontrolle. Nachdem Rivas nach ihrem ersten Verschwinden zu ihrer Familie zurückgekehrt war, beschlagnahmten ihre Eltern ihr Mobiltelefon. Ermittler gehen davon aus, dass Burke daraufhin einem Mitschüler des Mädchens 1.000 Dollar zahlte, damit dieser ihr heimlich ein zweites Telefon zusteckte, über das der Kontakt zwischen beiden aufrechterhalten werden konnte.
Wiederhergestellte Nachrichten als Beweismittel
Ermittler konnten nach eigenen Angaben gelöschte Textnachrichten zwischen Burke und Rivas wiederherstellen, in denen unter anderem Themen wie Intimität, eine mögliche Schwangerschaft und ein Schwangerschaftsabbruch zur Sprache gekommen sein sollen. In einer dieser Nachrichten soll Rivas sinngemäß geäußert haben, dass sie sich von der Beziehung mehr wünsche, als nur Zeit miteinander zu verbringen. Die Staatsanwaltschaft führt außerdem einen Streit vom 22. April 2025 an, in dem Rivas offenbar Eifersucht wegen anderer Frauen in Burkes Leben zum Ausdruck brachte.
Der Abend vor der Tat
Nach Darstellung der Ermittler bezahlte Burke am Folgeabend eine Uber-Fahrt, um Rivas zu seinem Haus bringen zu lassen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er sie kurz nach ihrer Ankunft tötete, nachdem sie angekündigt hatte, die Beziehung öffentlich zu machen.
Weitere Anklagepunkte und mögliches Strafmaß
Neben Mord ersten Grades wird Burke fortgesetzter sexueller Missbrauch eines Kindes unter 14 Jahren sowie die widerrechtliche Verstümmelung menschlicher Überreste vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft hat zudem besondere Umstände geltend gemacht, darunter die Tötung einer Zeugin, ein finanzielles Tatmotiv sowie ein geplantes Auflauern. Sollte Burke in allen Punkten verurteilt werden, drohen ihm die Todesstrafe oder lebenslange Haft ohne Aussicht auf Bewährung. Er hat sich in sämtlichen Anklagepunkten für nicht schuldig erklärt, seine Verteidigung beteuert weiterhin seine Unschuld.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone, Vibe, Fox LA, Spectrum News, NBC Los Angeles, CBS Los Angeles, Associated Press