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The Fall gig at art show - Bloomberg Space, London

Manchester, Ende der siebziger Jahre. Ein junger Mann mit Hafenarbeiter-Vergangenheit steht in einem Konzertsaal namens Free Trade Hall und sieht den Sex Pistols beim Zerlegen der Rockmusik zu. Was danach geschieht, ist eine der eigenwilligsten und am schlechtesten fassbaren Geschichten der britischen Popkultur. The Fall war nie eine Band im herkömmlichen Sinne. Sie war ein Zustand, ein Betriebssystem, eine Ansammlung von über sechzig Musikern, die im Laufe von vier Jahrzehnten kamen, gingen, gefeuert wurden, zurückkehrten und wieder gefeuert wurden, während in der Mitte des Ganzen ein einziger Mann stand, der sich weigerte zu verschwinden: Mark Edward Smith.

DER ANFANG: EIN CAMUS-ROMAN UND EIN HAFENARBEITER

Mark Edward Smith wurde am 5. März 1957 in Broughton in der Grafschaft Lancashire geboren und wuchs im Manchester-Vorort Prestwich auf, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte und wo er später auch sterben sollte. Er brach das College im Alter von 19 Jahren ab und arbeitete danach als Frachtangestellter in den Docks von Salford, bevor er diesen Job aufgab, um sich vollständig der Musik zu widmen. Es war der Auftritt der Sex Pistols im Manchester der Punk-Frühzeit, der bei Smith den entscheidenden Anstoß auslöste, selbst eine Band zu gründen. Wikipedia

1976 gründete Smith gemeinsam mit seinen Freunden Martin Bramah, Una Baines und Tony Friel die Gruppe, die er nach dem Roman „La Chute“ („Der Fall“) von Albert Camus benannte. Von Beginn an bezog sich Smiths Weltbild nicht nur auf Punk, sondern auf ein breiteres Spektrum: Bands wie Can und Captain Beefheart, die krude Direktheit von Velvet Underground und Lou Reed, dazu Schriftsteller wie H.P. Lovecraft, Malcolm Lowry und eben Camus. Diese Mischung aus Krautrock-Wiederholung, amerikanischem Garagenrock-Krach und literarischer Bezugnahme sollte den unverwechselbaren Klang der Band für die nächsten vierzig Jahre prägen.

Bereits in den ersten Bandjahren zeigte sich das Muster, das The Fall bis zum Schluss begleiten sollte: ein ständiger Wechsel der Besetzung. Schlagzeuger Karl Burns kam 1977 als erster fester Trommler der Band dazu, nachdem er Steve Ormrod ersetzt hatte. Die erste offizielle Veröffentlichung war die EP „Bingo-Master’s Break-Out!“ im Jahr 1978.

LIVE AT THE WITCH TRIALS UND DIE GUNST VON JOHN PEEL

Das Debütalbum „Live at the Witch Trials“ erschien am 16. März 1979 über das Label Step-Forward und wurde, entgegen seinem Titel, an einem einzigen Tag im Studio aufgenommen und tags darauf abgemischt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Besetzung bereits verändert: Bassist Marc Riley und Keyboarderin Yvonne Pawlett ersetzten Tony Friel und Una Baines, um die Band, so die damalige Überlegung, zugänglicher zu machen.

Von entscheidender Bedeutung für den frühen Werdegang der Band war die Unterstützung des legendären BBC-Radiomoderators John Peel, der zum überzeugten Fan wurde und The Fall zahlreiche Studiosessions für seine Sendung aufnehmen ließ. Peel prägte später den Satz, mit dem die Band bis heute am häufigsten zitiert wird: Sie seien immer anders und doch immer dieselben. Diese Nähe zu Peel verschaffte der Band eine Bekanntheit, die weit über das hinausging, was ihre Plattenverkäufe vermuten ließen.

Noch vor der Aufnahme des zweiten Albums nahm Smith eine radikale Umbesetzung vor: Er feuerte Pawlett, Bramah und Burns und holte den Gitarristen Craig Scanlon sowie den Bassisten Steve Hanley an Bord, beide gerade einmal achtzehn beziehungsweise neunzehn Jahre alt. Riley wechselte dabei vom Bass zur Leadgitarre. Scanlon und Hanley sollten für die nächsten anderthalb Jahrzehnte das musikalische Rückgrat der Band bilden. Das Ergebnis dieser neuen Konstellation war „Dragnet“, veröffentlicht im Oktober 1979, ein Album mit deutlich schärferem, kargerem Klang.

DIE FRÜHEN ACHTZIGER: GROTESQUE, SLATES UND HEX ENDUCTION HOUR

Mit dem Wechsel zum Label Rough Trade begann eine Phase, in der die Band ihren unverkennbaren Stil weiter verschärfte. Alben wie „Grotesque (After the Gramme)“ und die Mini-LP „Slates“ festigten den Ruf von The Fall als eine der eigenwilligsten Gruppen des britischen Post-Punk. 1982 erschien mit „Hex Enduction Hour“ ein Werk, das von vielen Kritikern und Fans bis heute als eines der bedeutendsten Alben der Bandgeschichte betrachtet wird – ein dichtes, doppelt besetztes Schlagzeug-Album voller Wut, Wiederholung und unheimlicher Atmosphäre, aufgenommen unter anderem in einem leerstehenden Kino in Hitchin und in einem isländischen Studio.

In dieser Zeit war die Besetzung außergewöhnlich instabil, aber musikalisch fruchtbar. Karl Burns kehrte zeitweise zur Band zurück und spielte parallel zu Paul Hanley, dem jüngeren Bruder von Steve Hanley, der als Sechzehnjähriger noch zur Schule ging, als er seinen ersten Live-Auftritt mit der Band absolvierte.

BRIX SMITH: DIE POP-WENDE UND EINE EHE AUF DER BÜHNE

Der vielleicht folgenreichste Wendepunkt in der Geschichte von The Fall ereignete sich 1983, als Mark E. Smith während einer Tour durch die USA in Chicago die amerikanische Musikerin Laura Elise Salinger kennenlernte, die unter dem Namen Brix Smith bekannt wurde. Die beiden heirateten innerhalb weniger Monate, und Brix, die zunächst Bass spielte, stieß als zweite Gitarristin zur Band und ersetzte damit den ausscheidenden Marc Riley. Ihr erstes Album mit der Band war „Perverted by Language“ im selben Jahr.

Brix Smith brachte ein deutlich melodischeres, poporientierteres Element in den bis dahin sperrigen Sound der Band ein. Das 1984 erschienene Album „The Wonderful and Frightening World of the Fall“, das erste für das neue Label Beggars Banquet, dokumentierte diesen Wandel eindrucksvoll. In den folgenden Jahren erlebte die Band ihre kommerziell erfolgreichste Phase mit Hit-Singles wie „There’s a Ghost in My House“ – einer Coverversion eines Motown-Songs –, einer Version von „Victoria“ der Kinks sowie „Hit the North“.

Ein besonderes Kapitel dieser Ära war die Zusammenarbeit mit dem Ballett-Choreografen Michael Clark. Aus der Partnerschaft entstand 1988 die Bühnenproduktion „I Am Curious, Orange“ über den historischen Prinzen Wilhelm von Oranien, für die Smith gemeinsam mit Brix Smith und Steve Hanley Musik und Libretto schrieb. Die Aufführungen, bei denen The Fall live auf der Bühne spielte, während tanzende Telefonzellen und ein überdimensionaler Hamburger die Kulisse bildeten, gelten bis heute als eines der denkwürdigsten Zusammentreffen von Punk und zeitgenössischem Tanz. Die Musik erschien im selben Jahr als Studioalbum unter dem Titel „I Am Kurious Oranj“ und enthält mit „Jerusalem“ auch eine Vertonung eines Gedichts von William Blake.

Hinter den kommerziellen Erfolgen dieser Jahre stand allerdings zunehmende Zerrüttung. Smiths wachsende Abhängigkeit von Alkohol und Amphetaminen belastete die Ehe mit Brix erheblich, und obwohl sie an einigen der am meisten gefeierten Songs dieser Phase maßgeblich mitschrieb, wurde sie bei den Autoren- und Verlagsrechten zeitweise nicht angemessen berücksichtigt. 1986 verfasste Smith zudem das Theaterstück „Hey, Luciani“ über den kurzlebigen Papst Johannes Paul I., das im Riverside Studios in Hammersmith aufgeführt wurde, mit Smith selbst und dem Performancekünstler Leigh Bowery in tragenden Rollen. 1989 wurde die Ehe zwischen Mark und Brix Smith geschieden, und Brix verließ die Band.

 

DIE NEUNZIGER: EXZESSE, ABGÄNGE UND EIN NEUER ANLAUF

Die neunziger Jahre brachten für The Fall sowohl kreative Höhepunkte als auch tiefe Krisen. Nach dem Weggang von Brix Smith übernahmen zeitweise Musiker wie Simon Rogers und später Marcia Schofield an den Keyboards, während Simon Wolstencroft ab 1986 das Schlagzeug übernahm. Smith heiratete 1991 Saffron Prior, die zuvor als Sekretärin für den Fanclub der Band gearbeitet hatte; die Ehe wurde 1995 geschieden.

Das Jahr 1998 markierte einen der chaotischsten Momente der gesamten Bandgeschichte. Während einer angespannten Nordamerika-Tour eskalierte die Situation bei einem Auftritt im New Yorker Club Brownie’s: Ein Großteil des Sets wurde ohne Smith gespielt, der zeitweise gar nicht auf der Bühne stand. Bei einem Wortwechsel sprang Schlagzeuger Karl Burns über sein Schlagzeug hinweg, um Smith anzugreifen, während gleichzeitig Gitarrist Tommy Crooks und Smith aneinandergerieten – Crooks trat nach Smith, Smith warf brennende Zigaretten nach Crooks. Kurz darauf wurde Smith in einem New Yorker Hotel wegen häuslicher Gewalt festgenommen; ihm wurde vorgeworfen, seine damalige Freundin und Bandkeyboarderin Julia Nagle geschlagen, getreten und gewürgt zu haben, nachdem diese ihm zuvor angeblich mit einem Telefonhörer ins Gesicht geschlagen und ihm ein blaues Auge zugefügt hatte. In der Folge dieses Vorfalls verließen sowohl Burns als auch der langjährige Bassist Steve Hanley die Band endgültig – nach eigenen Angaben in derselben Nacht, mitten in den USA, ohne Ankündigung.

Trotz dieser dramatischen Verwerfungen blieb Smith seinem Prinzip treu, die Band notfalls mit völlig neuer Besetzung fortzuführen. Sein vielzitierter Ausspruch, wonach es sich auch dann noch um The Fall handle, wenn nur er selbst und die Großmutter des Zuhörers an den Bongos übrig blieben, wurde zur inoffiziellen Bandphilosophie.

DIE ZWEITAUSENDER: STABILITÄT DURCH ELENA POULOU UND EINE NEUE KERNBESETZUNG

Im Dezember 1995 lernte Smith in Berlin die Musikerin Eleni beziehungsweise Elena Poulou kennen, die 2001 seine dritte Ehefrau wurde und sich der Band 2002 als Keyboarderin anschloss. Poulou sollte für die folgenden vierzehn Jahre eine der prägendsten Figuren im Umfeld der Band werden – musikalisch wie persönlich. Sie selbst beschrieb später Smiths Arbeitsweise als zutiefst DIY-geprägt: Er habe endlos an Texten gefeilt, dann aber ein Plattencover binnen weniger Minuten aus zusammengeschnittenen Zeitungsausschnitten improvisiert, weil ihm die schnelle Fertigstellung wichtiger gewesen sei als makellose Ästhetik.

Nach der Veröffentlichung des Albums „Fall Heads Roll“ im Jahr 2005 ereignete sich ein weiterer legendärer Vorfall: Während eines Aufenthalts in einem Hotel im Südwesten der USA verließ die gesamte damalige Bandbesetzung Smith über Nacht – mit Ausnahme von Poulou. Smith und Poulou stellten daraufhin in kürzester Zeit eine neue Besetzung zusammen, mit der 2007 das Album „Reformation Post TLC“ entstand.

Aus diesem Neuaufbau ging schließlich jene Formation hervor, die zur langlebigsten und stabilsten der gesamten Bandgeschichte werden sollte: Gitarrist Peter „PP“ Greenway, Bassist Dave „The Eagle“ Spurr und Schlagzeuger Keiron Melling schlossen sich um 2006/2007 der Band an und blieben, gemeinsam mit Poulou, für rund ein Jahrzehnt nahezu unverändert bestehen – eine Ewigkeit in der sonst so unbeständigen Bandgeschichte. Mit dieser Besetzung entstanden Alben wie „Imperial Wax Solvent“ (2008), „Your Future Our Clutter“ (2010), „Ersatz G.B.“ (2011), „Re-Mit“ (2013) und „Sub-Lingual Tablet“ (2015).

KOLLABORATIONEN JENSEITS VON THE FALL

Mark E. Smith war zeitlebens auch außerhalb seiner eigenen Band aktiv und wirkte an einer bemerkenswerten Bandbreite fremder Projekte mit. Er sang als Gastvokalist auf Aufnahmen von Edwyn Collins, Elastica, Gorillaz, Long Fin Killie, Mouse on Mars, Coldcut und dem isländisch-britischen Projekt Ghostigital. Besondere Bekanntheit erlangte 1994 seine Zusammenarbeit mit den Inspiral Carpets am Song „I Want You“, der es in die britischen Top 20 schaffte, den Festive Fifty der John-Peel-Sendung anführte und Smith seinen einzigen Auftritt in der klassischen BBC-Chartshow „Top of the Pops“ bescherte. Auf dem Gorillaz-Album „Plastic Beach“ von 2010 war Smith als Gastsänger auf dem Stück „Glitter Freeze“ zu hören.

Die vielleicht ambitionierteste Zusammenarbeit seiner späten Karriere war das Projekt Von Südenfed, eine Kooperation mit Andi Toma und Jan St. Werner vom deutschen Elektronik-Duo Mouse on Mars. Nach einer ersten gemeinsamen Single im Jahr 2004 folgte 2007 das gemeinsame Album „Tromatic Reflexxions“, das in den britischen Charts Platz 124 erreichte. Die Zusammenarbeit war jedoch, wie so vieles in Smiths Karriere, von Reibung geprägt: Nach der krankheitsbedingten Absage zweier Konzerte im Dezember 2007 erklärte Smith öffentlich, aus der Gruppe „gefeuert“ worden zu sein, obwohl er später wieder mit Von Südenfed auftrat.

Bemerkenswert ist zudem Smiths Verhältnis zu Bands, die ihn öffentlich als Einfluss nannten. Als der LCD-Soundsystem-Kopf James Murphy einmal äußerte, The Fall seien für ihn das, was die Beatles für andere Musiker seien, revanchierte sich Smith wenig später mit dem bissigen Song „Irish“, der Murphy namentlich, aber alles andere als freundlich erwähnt. Auch Thurston Moore von Sonic Youth, dessen Band gleich mehrere Fall-Coverversionen einspielte, bekam von Smith öffentlich ausgerichtet, ihm gehöre „die Rock-Lizenz entzogen“. Bands wie Pavement, deren früher Sound erkennbar von The Fall geprägt war, äußerten sich hingegen stets offen bewundernd, ohne dass Smith dies in vergleichbarer Schärfe kommentierte.

DIE LETZTEN JAHRE: KRANKHEIT, TROTZ UND DAS LETZTE ALBUM

Ab 2016 begann sich die über ein Jahrzehnt stabile Fall-Besetzung erneut zu verändern. Elena Poulou verließ die Band im April 2016 nach der Trennung von Smith; die Ehe wurde im selben Jahr geschieden. Kurze Zeit später ging Smith eine Beziehung mit Pamela Vander ein, der Managerin der Band, die er in seinen letzten Lebensjahren heiratete.

Gesundheitlich ging es mit Smith in dieser Phase spürbar bergab. 2017 musste eine geplante US-Tournee – die erste seit einem Jahrzehnt – wegen gravierender gesundheitlicher Probleme im Bereich Rachen, Mund und Atemwege abgesagt werden. Im Oktober desselben Jahres trat Smith dennoch bei einem Konzert im Newcastle Boiler Room auf, diesmal im Rollstuhl sitzend. Im November 2017 gab er in der Queen Margaret Union in Glasgow seinen letzten Live-Auftritt überhaupt.

Trotz seines Gesundheitszustands veröffentlichte die Band im Juli 2017 mit „New Facts Emerge“ ihr einunddreißigstes und, wie sich zeigen sollte, letztes Studioalbum. Es war das erste Album seit 2001, auf dem Elena Poulou nicht mehr zu hören war, wodurch die Band erstmals seit den frühen Neunzigern wieder als Quartett auftrat. Am 24. Januar 2018 starb Mark E. Smith im Alter von sechzig Jahren in seinem Zuhause in Prestwich an den Folgen von Lungen- und Nierenkrebs, mit Pamela Vander an seiner Seite. Sein Nachlass wurde später auf rund 484.000 britische Pfund taxiert; in seinem nur fünf Wochen vor seinem Tod verfassten Testament bedachte er keine seiner früheren oder aktuellen Partnerinnen, sondern verfügte, dass der Erlös aus dem Verkauf seines Hauses in Prestwich zwischen seinen drei Schwestern Suzanne, Caroline und Barbara aufgeteilt werden solle. Bei seiner Trauerfeier nach der Einäscherung im Krematorium von Blackley soll es später Berichten zufolge zu einer wüsten Schlägerei gekommen sein, bei der Flaschen flogen und Gäste in Panik das Gebäude verließen – ein Abschied, der, wie manche Weggefährten anmerkten, durchaus zu Smiths Charakter gepasst hätte.

DIE BANDMITGLIEDER: EIN KALEIDOSKOP VON GESICHTERN

Über mehr als sechzig Musiker durchliefen im Laufe von vierzig Jahren die Reihen von The Fall, von denen einige besonders prägend waren.

Martin Bramah, geboren 1959 in Manchester, war Gründungsmitglied und spielte Gitarre in der allerersten Besetzung von 1976 bis 1979 sowie erneut kurzzeitig 1989 und 1990. Nach seinem ersten Ausstieg gründete er die Band Blue Orchids gemeinsam mit der ebenfalls aus der Urbesetzung stammenden Keyboarderin Una Baines.

Tony Friel, der Gründungsbassist, verließ die Band bereits 1977 und wirkte später unter anderem bei der Gruppe The Passage mit.

Karl Burns, geboren am 19. März 1958 in Manchester, gilt als eines der schillerndsten Bandmitglieder überhaupt. Als erster fester Schlagzeuger der Band von 1977 bis in die späten Neunziger wurde er Berichten zufolge sage und schreibe neunmal wiedereingestellt, nachdem er zuvor gegangen oder gefeuert worden war. Nach seinem endgültigen Ausscheiden nach dem New Yorker Zwischenfall von 1998 zog sich Burns weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, was unter ehemaligen Bandkollegen jahrelang Gerüchte über seinen Tod nährte; erst 2007 bestätigte Smith in einem Interview, nach einem Treffen mit Burns‘ Mutter, dass dieser wohlauf sei und zurückgezogen in den Hügeln von Lancashire lebe.

Steve Hanley, Bassist von 1979 bis 1998, prägte gemeinsam mit Gitarrist Craig Scanlon über anderthalb Jahrzehnte hinweg den unverwechselbaren, treibenden Klang der Band und gilt bis heute als einer der einflussreichsten Bassisten des britischen Post-Punk. Sein jüngerer Bruder Paul Hanley kam als Sechzehnjähriger ans Schlagzeug und blieb bis Mitte der Achtziger, ehe er später zeitweise zurückkehrte.

Craig Scanlon, geboren am 7. Dezember 1960 in Manchester, war von 1979 bis 1995 Gitarrist der Band, wirkte an siebzehn Alben mit und war an der Komposition von über 120 Songs beteiligt – ein Beitrag, der unter allen Musikern, die die Band durchliefen, nur von Smith und Steve Hanley selbst übertroffen wird. Smith beschrieb Scanlon und Hanley in einem Interview 1992 als außerordentlich intelligente, aber zurückhaltende Charaktere, die er über alles schätze.

Marc Riley, ursprünglich Bassist, später Gitarrist, war von 1978 bis 1982 Bandmitglied, ehe Smith ihn entließ. Riley wurde in der Folge einer der bekanntesten Radiomoderatoren Großbritanniens bei BBC Radio 6 Music.

Brix Smith, geboren als Laura Elise Salinger, prägte als Gitarristin, Sängerin und Songwriterin von 1983 bis 1989 und erneut in den Jahren 1994 bis 1996 die kommerziell erfolgreichste Phase der Bandgeschichte und war für rund sechs Jahre mit Mark E. Smith verheiratet.

Simon Wolstencroft übernahm von 1986 bis 1997 das Schlagzeug und war damit einer der am längsten dienenden Trommler der Bandgeschichte.

Julia Nagle war in den späten Neunzigern sowohl Keyboarderin als auch Lebensgefährtin von Smith; ihre Beziehung endete nach dem gewaltsamen Zwischenfall von 1998 in offener Zerrüttung.

Elena Poulou, geboren in Deutschland, war von 2002 bis 2016 Keyboarderin und von 2001 bis 2016 mit Smith verheiratet. Sie beschrieb rückblickend eindrücklich Smiths kompromisslose, unmittelbare Herangehensweise an das kreative Arbeiten.

Die letzte über ein Jahrzehnt stabile Kernbesetzung bestand aus Gitarrist Peter Greenway, Bassist Dave Spurr und Schlagzeuger Keiron Melling, die allesamt seit 2006 beziehungsweise 2007 bis zum Tod Mark E. Smiths 2018 der Band angehörten. Melling war zudem an der Produktion des letzten Albums „New Facts Emerge“ beteiligt. Nach Smiths Tod gründeten Greenway, Spurr und Melling gemeinsam mit dem Sänger und Gitarristen Sam Curran die Nachfolgeband Imperial Wax, in der sie die musikalische Handschrift ihrer gemeinsamen Vergangenheit fortführten.

EIN VERMÄCHTNIS OHNE VERGLEICH

Kaum eine Band der Post-Punk-Ära hat eine derart tiefe und zugleich unterschätzte Spur im Gedächtnis der Popkultur hinterlassen wie The Fall. Musiker wie der Suede-Sänger Brett Anderson bezeichneten Smith als enormen Einfluss auf die eigene künstlerische Entwicklung, während sich Stephen Malkmus von Pavement öffentlich in einem Atemzug mit dem Dichter Wallace Stevens auf Smith bezog. Gleichzeitig blieb die Band zeitlebens ein Kult-Phänomen, das kommerziellen Erfolg konsequent verweigerte oder ihn, wenn er sich einstellte, mit schroffer Ambivalenz behandelte. Bands, die ihre Schuld gegenüber The Fall offen anerkannten – von den Country Teasers über Idles bis zu den Sleaford Mods – taten dies stets mit einem gewissen respektvollen Abstand, wohl wissend, wie unversöhnlich Smith auf zu große Nähe reagieren konnte.

Am Ende bleibt das Bild eines Mannes, der eine Institution mit sich selbst als einzigem konstantem Element über vierzig Jahre am Leben hielt, der mehr als sechzig Musiker kommen und gehen ließ, der sich niemals dem Massengeschmack anbiederte und der noch im Angesicht einer tödlichen Krankheit auf der Bühne stand, weil er es, wie ihm nahestehende Menschen später berichteten, nicht anders kannte. The Fall war nie eine Band, die man einfach mochte. Sie war eine, mit der man sich auseinandersetzen musste – und genau darin lag ihre bleibende Bedeutung.

DISKOGRAFIE (AUSWAHL DER STUDIOALBEN)

Live at the Witch Trials (1979), Dragnet (1979), Grotesque (After the Gramme) (1980), Slates (1981), Hex Enduction Hour (1982), Room to Live (1982), Perverted by Language (1983), The Wonderful and Frightening World of the Fall (1984), This Nation’s Saving Grace (1985), Bend Sinister (1986), The Frenz Experiment (1988), I Am Kurious Oranj (1988), Extricate (1990), Shift-Work (1991), Code: Selfish (1992), The Infotainment Scan (1993), Middle Class Revolt (1994), Cerebral Caustic (1995), The Light User Syndrome (1996), Levitate (1997), The Marshall Suite (1999), The Unutterable (2000), Are You Are Missing Winner (2001), The Real New Fall LP (Formerly Country on the Click) (2003), Fall Heads Roll (2005), Reformation Post TLC (2007), Imperial Wax Solvent (2008), Your Future Our Clutter (2010), Ersatz G.B. (2011), Re-Mit (2013), Sub-Lingual Tablet (2015), New Facts Emerge (2017).

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Wikipedia, AllMusic, Vice, uDiscover Music, Far Out Magazine, The Outline, Yahoo Entertainment, Rock and Roll Globe, NME, NPR, BBC, Fox News, Morrissey-solo Wiki, TV Tropes, PopMatters, Grokipedia, Rate Your Music, PSF (Perfect Sound Forever), Alchetron, John Peel Wiki, AnOther Magazine, Beggars Archive

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