Eva Rinaldi, CC BY-SA 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>, via Wikimedia Commons
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Rückzug kurz vor der geplanten Premiere

Boy George wird entgegen ursprünglicher Planung nicht als König Herodes in der aktuellen West-End-Wiederaufführung von „Jesus Christ Superstar“ am Londoner Palladium auftreten. Der Musiker sollte dort ursprünglich vom 3. bis 15. August in der rotierenden Besetzung der Rolle zu sehen sein, gemeinsam mit Darstellern wie Jesse Tyler Ferguson, Richard Armitage, Simon Russell Beale, Layton Williams und Julian Clary. Sein Management bestätigte den Rückzug über die sozialen Netzwerke, ohne dabei einen konkreten Grund zu benennen. Seine geplanten Termine werden nun von Richard Armitage übernommen.

Kontroverser Song löst öffentliche Debatte aus

Dem Rückzug vorausgegangen war die Veröffentlichung des Songs „We Will Dance Again“ (im Original mit hebräischem Titel „עוד נרקוד“), den Boy George Ende Juni über seine sozialen Kanäle teilte. Der Titel bezieht sich auf den Terrorangriff der Hamas auf das Nova-Musikfestival am 7. Oktober 2023 und positioniert sich textlich eindeutig gegen die international vielfach erhobene Bezeichnung der israelischen Militäroffensive in Gaza als Völkermord. Zugleich richtet sich der Song kritisch gegen Musikerinnen und Musiker, die sich öffentlich propalästinensisch positioniert haben.

Mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden

Boy George bestätigte selbst, dass der Song mithilfe künstlicher Intelligenz entstanden sei. Auf der Plattform Threads bezeichnete er dies scherzhaft als „KI für das Gute“ und merkte an, den Text allein kaum in dieser Form hätte verfassen können. Unklar blieb bislang, welche Anteile des Songs tatsächlich KI-generiert sind und welche von ihm selbst stammen. Der Einsatz von KI-Werkzeugen ist für den Musiker nicht neu, er hatte bereits zuvor öffentlich über deren Nutzung gesprochen, unter anderem im Zusammenhang mit der Rückgewinnung von Rechten an eigenem Bildmaterial.

Geteilte Reaktionen und rechtlicher Kontext

Der Song sorgte für erhebliche Kritik, da er nach Ansicht vieler Beobachter das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung relativiere und die israelische Militäroffensive unkritisch darstelle. In diesem Zusammenhang wird häufig auf eine im Juni veröffentlichte Feststellung einer unabhängigen Untersuchungskommission der Vereinten Nationen verwiesen, die Israel vorwirft, durch die gezielte Tötung palästinensischer Kinder Völkermord sowie Gräueltaten begangen zu haben. Andere Stimmen, insbesondere aus pro-israelischen Kreisen, begrüßten den Song hingegen als mutiges Bekenntnis. Boy George selbst äußerte sich zu der Kontroverse zurückhaltend und erklärte auf der Plattform X lediglich, es spiele letztlich keine Rolle, was er selbst oder andere über den Song dächten.

Erfahrener Bühnenkünstler mit langer Karriere

Boy George ist der Bühne keineswegs fremd. Bereits in den frühen 2000er-Jahren verkörperte er in dem autobiografischen Musical „Taboo“ den Performancekünstler Leigh Bowery und schrieb zugleich die Songtexte für die Produktion. Für die 2003 erfolgte Broadway-Fassung erhielt er eine Tony-Nominierung für die beste Originalmusik. International bekannt wurde er als Frontmann von Culture Club mit Hits wie „Karma Chameleon“, „Do You Really Want to Hurt Me“ und „Time (Clock of the Heart)“. Die aktuelle Wiederaufführung von „Jesus Christ Superstar“ am West End läuft noch bis zum 5. September.

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Rolling Stone, Variety, Billboard, The Hollywood Reporter, Playbill

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