
Jahrzehntelanges Rätsel kommt vor Gericht
Fast drei Jahrzehnte nach der tödlichen Schussattacke auf Rap-Ikone Tupac Shakur hat am Montag in Las Vegas der lang erwartete Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher des Verbrechens begonnen. Duane „Keffe D“ Davis, ein 63-jähriger ehemaliger Bandenchef, muss sich wegen Mordes mit einer tödlichen Waffe zur Förderung einer kriminellen Vereinigung verantworten. Die Jury-Auswahl aus einem Pool von 75 potenziellen Geschworenen startete am Montag, der gesamte Prozess soll sich voraussichtlich über rund einen Monat erstrecken.
Rache als mutmaßliches Motiv
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll Davis die Tat als Vergeltung für einen Angriff auf seinen Neffen organisiert haben, der sich kurz zuvor im Anschluss an einen Boxkampf von Mike Tyson ereignet hatte. Die Ermittler gehen davon aus, dass der weiße Cadillac, in dem sich Davis nach eigenen früheren Aussagen befand, neben das schwarze BMW-Fahrzeug fuhr, das damals von Marion „Suge“ Knight gesteuert wurde, bevor die tödlichen Schüsse auf Shakur fielen. Die Staatsanwaltschaft geht nicht davon aus, dass Davis selbst der Schütze war.
Eigene frühere Aussagen als zentrales Beweismittel
Über Jahrzehnte hinweg fehlte es an ausreichenden Beweisen, um den Fall überhaupt vor Gericht zu bringen. Besondere Bedeutung im aktuellen Verfahren kommt Davis‘ eigenen früheren öffentlichen Äußerungen zu, in denen er wiederholt gegenüber Journalisten sowie in einem 2019 veröffentlichten Buch erklärte, an dem Tatabend im besagten weißen Cadillac gesessen zu haben, aus dem heraus geschossen wurde. Trotz dieser früheren Aussagen bekannte sich Davis vor Gericht nicht schuldig. Seine Verteidigung argumentiert im Kern, dass seinen eigenen früheren Angaben grundsätzlich nicht zu trauen sei, da er das Buch später selbst als reines Werk der Fiktion bezeichnete, das er lediglich aus finanziellen Gründen mit seinem Namen versehen habe.
Familie fordert Aufklärung
Zum Auftakt der Jury-Auswahl versammelten sich auch mehrere Familienangehörige Shakurs vor dem Gerichtsgebäude in Las Vegas. Sein Cousin äußerte gegenüber Medien den Wunsch, dass jede an der Tat beteiligte Person, unabhängig von ihrer konkreten Rolle, strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden müsse.
Die Geschehnisse von 1996
Tupac Shakur wurde am 7. September 1996 in Las Vegas bei einer Drive-by-Schießerei lebensgefährlich verletzt und starb wenige Tage später im Krankenhaus im Alter von 25 Jahren. Als mutmaßlicher Schütze galt lange Zeit Davis‘ Neffe Orlando Anderson, der jedoch bereits 1998 bei einem unabhängigen Vorfall selbst erschossen wurde und daher nie strafrechtlich belangt werden konnte. Shakurs bis heute ungeklärter Tod sowie der rund ein Jahr später ebenfalls durch eine Drive-by-Schießerei verursachte Tod seines Rivalen Christopher Wallace, bekannt als The Notorious B.I.G., prägten über Jahrzehnte hinweg die öffentliche Wahrnehmung der damaligen Rivalität zwischen Ost- und Westküsten-Hip-Hop. Bei einer Verurteilung droht Davis lebenslange Haft.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: CNN, NBC News, CBS News, PBS News, NPR, Fox5 Las Vegas
