
Der US-amerikanische Musikproduzent Benny Blanco sieht sich seit der Veröffentlichung seines neuen Albums „Hermoso“ am 14. August mit heftiger Kritik konfrontiert. Nutzer sozialer Netzwerke werfen dem 38-Jährigen vor, sich mit dem komplett spanischsprachigen Album unrechtmäßig einer fremden Kultur zu bedienen, nachdem viele erst durch die Debatte erfuhren, dass Blanco selbst keine lateinamerikanischen Wurzeln hat.
Vom Pop-Hitschreiber zum Latin-Musiker
Blanco, bürgerlich Benjamin Joseph Levin, hat sich über zwei Jahrzehnte hinweg als gefragter Produzent und Songschreiber einen Namen gemacht und unter anderem mit Größen wie Katy Perry, Justin Bieber, Britney Spears und Ed Sheeran zusammengearbeitet. Mit „Hermoso“ wagt er sich nun deutlich stärker als je zuvor in Richtung lateinamerikanischer Klangwelten vor. Das achtteilige Album vereint Elemente aus Música Mexicana, Cumbia und Reggaeton mit seinem gewohnt poporientierten Sound und erscheint über die Label Friends Keep Secrets und Interscope Records.
Prominente Gastbeiträge aus der Latin-Szene
Auf der Platte sind zahlreiche bekannte Namen der spanischsprachigen Musikszene vertreten, darunter Becky G, Kali Uchis, Feid, Myke Towers, Mora, BB Trickz sowie der kolumbianische Produzent Ovy On The Drums. Auch Blancos Ehefrau Selena Gomez ist erneut als Gastsängerin zu hören, nachdem das Paar bereits 2025 mit dem gemeinsamen Album „I Said I Love You First“ zusammengearbeitet hatte.
Kontroverses Albumcover als Auslöser der Debatte
Besondere Aufmerksamkeit erregte im Vorfeld der Veröffentlichung das Artwork des Albums, das Blancos Gesicht digital zu einer überzeichneten, maskenartigen Karikatur verfremdet zeigt. Kritiker bezeichneten die Darstellung als geschmacklos und in Verbindung mit dem lateinamerikanischen Konzept des Albums als kulturell verletzend. Einige Stimmen im Netz verglichen die Bildsprache mit rassistisch konnotierten Darstellungsformen vergangener Jahrzehnte und warfen Blanco vor, sich unangemessen mit fremden kulturellen Symbolen zu schmücken.
Verteidiger sehen Selbstironie statt Herabsetzung
Nicht alle Reaktionen fielen ablehnend aus. Zahlreiche Nutzer verteidigten das Artwork und wiesen darauf hin, dass es sich lediglich um eine übertriebene Darstellung von Blancos eigenem Gesicht handle. Diese Deutung stützt sich auch auf frühere virale Momente, in denen sich der Produzent bereits selbstironisch mit Kommentaren zu seinem Aussehen auseinandergesetzt hatte. Manche Beobachter vermuten daher, dass das Cover weniger eine kulturelle Aneignung als vielmehr eine bewusste Reaktion auf jahrelangen Spott im Netz darstellt.
Blancos eigene Erklärung
In einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El País begründete Blanco seine musikalische Ausrichtung mit seiner Kindheit in Reston im US-Bundesstaat Virginia, wo er in einer Gegend mit großem lateinamerikanischem Bevölkerungsanteil aufwuchs. Er beschrieb, wie ihn die rhythmische Vielfalt dieser Musik von klein auf begleitet und geprägt habe, und bezeichnete „Hermoso“ als persönliche Hommage an eine musikalische Kultur, die ihn zeitlebens begeistert habe. Zu den konkreten Vorwürfen rund um das Artwork äußerte er sich bislang nicht öffentlich.
Teil einer größeren Debatte in der Musikbranche
Die Kontroverse um Blanco reiht sich in eine grundsätzlichere, seit Längerem geführte Debatte innerhalb der Musikindustrie ein, in der immer wieder diskutiert wird, unter welchen Voraussetzungen Künstlerinnen und Künstler musikalische Stile und kulturelle Symbole verwenden dürfen, die nicht ihrer eigenen Herkunft entstammen. Der Streit um „Hermoso“ bleibt bislang ungelöst und wird sowohl in sozialen Netzwerken als auch in etablierten Musikmedien weiterhin kontrovers diskutiert.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone, IBTimes UK, Yahoo Entertainment, LADbible, The Tab, Cheat Sheet
