
Der ehemalige Slipknot-Schlagzeuger Jay Weinberg hat in einem aktuellen Interview erstmals ausführlich darüber gesprochen, dass ihm über Jahre hinweg vertraglich untersagt war, mit anderen Musikerinnen und Musikern außerhalb der Band zusammenzuarbeiten. Diese rechtlichen Beschränkungen hätten einen Teil seines kreativen Selbst regelrecht zum Verstummen gebracht, wie der Schlagzeuger im Gespräch mit dem Podcast Loyal to the Craft offenbarte.
Ein Song, der 13 Jahre auf seine Veröffentlichung wartete
Konkret nannte Weinberg als Beispiel seinen kürzlich veröffentlichten Kollaborationssong „Drown Fountain“ mit dem kanadischen Grunge-Gaze-Duo Softcult. Die Grundidee zu diesem Stück habe er bereits 2013 entwickelt, also etwa zu jener Zeit, als er der Band beitrat, der er in weiterer Folge fast ein Jahrzehnt lang angehörte. Ohne die Band beim Namen zu nennen, machte Weinberg deutlich, dass ihm während dieser Zeit die rechtliche Möglichkeit fehlte, Musik gemeinsam mit anderen Künstlern zu teilen, was er als besonders belastend empfand, da für ihn das gemeinsame Musizieren und Teilen von Musik untrennbar miteinander verbunden seien.
Kreativität, die zu verkümmern drohte
Besonders eindringlich beschrieb der Musiker die emotionalen Auswirkungen dieser Einschränkung. Ein Teil seines kreativen Wesens sei in dieser Zeit regelrecht am Absterben gewesen, erklärte er offen. Viele der Songideen, an denen er über Jahre hinweg gearbeitet hatte, konnten erst nach dem Ende dieser Beschränkungen ihren Weg an die Öffentlichkeit finden.
Abruptes Ende bei Slipknot im Jahr 2023
Weinberg war 2013 als Nachfolger von Gründungsmitglied Joey Jordison zu Slipknot gestoßen und spielte sein letztes Konzert mit der Band im November 2023 beim Hell-and-Heaven-Festival im mexikanischen Toluca. Kurz darauf gab die Band per Erklärung in sozialen Medien bekannt, sich aus kreativen Gründen von ihm zu trennen. In einem früheren Interview mit dem Magazin Rolling Stone beschrieb Weinberg, wie überraschend und ohne nähere Begründung diese Trennung für ihn gekommen sei, nach einem nach seinen Worten außergewöhnlich angespannten Jahr innerhalb der Band. Slipknot verpflichtete im Februar 2024 mit dem früheren Sepultura-Schlagzeuger Eloy Casagrande einen Nachfolger.
Neue kreative Freiheit nach der Trennung
Seit seinem Ausstieg hat Weinberg zahlreiche neue musikalische Projekte verfolgt. Er tourte knapp zwei Jahre lang mit der Crossover-Thrash-Band Suicidal Tendencies, wirkte an Aufnahmen der Band Fuming Mouth mit, gründete das neue Projekt Portraits of an Apparition und veröffentlichte erstmals eigenes Solomaterial. Zudem kehrte er 2024 vorübergehend zur E Street Band zurück, mit der bereits sein Vater Max Weinberg über Jahrzehnte hinweg als Schlagzeuger für Bruce Springsteen spielte. Im Januar dieses Jahres gab Weinberg zudem seinen Abschied von Suicidal Tendencies bekannt.
Familiäre musikalische Wurzeln
Weinbergs Verbindung zur Musikwelt reicht bis in seine Jugend zurück: Bereits mit 18 Jahren stand er 2009 erstmals auf einer großen Bühne, als er seinen Vater bei einer Europatournee der E Street Band am Schlagzeug vertrat. Dieser frühe Kontakt zur professionellen Live-Musik ebnete ihm später den Weg zu einer der bekanntesten Metal-Bands der Welt.
Zusammenarbeit mit George Clarke und anderen Künstlern
Neben „Drown Fountain“ nannte Weinberg im Interview auch die Zusammenarbeit mit George Clarke, der für einen seiner selbst geschriebenen Songs einen Gesangspart im Studio beisteuerte, als besonders erfüllendes künstlerisches Erlebnis. Solche substanziellen, gemeinsam erarbeiteten Projekte bezeichnete er als das, was ihn musikalisch heute am meisten erfülle, im Gegensatz zu kurzlebigen, oberflächlichen Kollaborationen.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone, Loudwire, Blabbermouth, Yahoo Entertainment, Chaoszine
