
Die Recording Academy zieht offenbar Konsequenzen aus dem öffentlichkeitswirksamen Grammy-Boykott von BTS. Nach Angaben mehrerer US-Medien befindet sich die für die Grammy Awards verantwortliche Organisation derzeit in aktiven Gesprächen mit Vertretern der asiatischen Popmusikszene über die Zukunft der erst kürzlich eingeführten Kategorie „Best Asian Pop Music Performance“.
Der Auslöser: Eine neue Kategorie und ein deutliches Statement
Am 16. Juni hatte die Recording Academy fünf neue Award-Kategorien für die 69. Verleihung der Grammy Awards angekündigt, darunter die besagte Auszeichnung für asiatische Popmusik. Am 29. Juli reagierten daraufhin alle sieben Mitglieder von BTS mit einer gemeinsamen Erklärung über ihre persönlichen Social-Media-Kanäle: Man habe entschieden, in diesem Jahr keine Musik zur Grammy-Bewertung einzureichen. Musik solle für das gehört und geliebt werden, was sie ist, statt nach Region oder Sprache unterteilt zu werden, hieß es in der auf Koreanisch verfassten Botschaft.
Ein Comeback-Album bleibt außen vor
Durch diesen Schritt verzichtete die Band bewusst auf eine mögliche Nominierung ihres Comeback-Albums „ARIRANG“, das im März nach Abschluss des verpflichtenden Militärdienstes aller sieben Mitglieder erschienen war. Die Platte stieg mit rund 641.000 verkauften Einheiten auf Platz eins der Billboard-200-Charts ein und verzeichnete damit die stärkste Startwoche eines Gruppenalbums seit über einem Jahrzehnt. Das Bandlabel HYBE stellte klar, dass die Entscheidung, keine Einreichung vorzunehmen, allein von den Bandmitgliedern selbst getroffen wurde.
Reaktion der Academy-Führung
Recording-Academy-Geschäftsführer Harvey Mason Jr. äußerte sich noch am selben Tag zu dem Boykott und zeigte sich bedauernd, gleichzeitig aber verständnisvoll gegenüber der Entscheidung der Band. Er kündigte an, weiterhin auf die globale Musikgemeinschaft zu hören und sich dafür einzusetzen, alle Künstlerinnen und Künstler zu würdigen, deren Musik Menschen weltweit bewegt.
Ein wiederkehrendes Muster bei Genre-Kategorien
Kritiker sehen in der Debatte um die neue Kategorie eine Wiederholung einer bereits 2024 begonnenen Diskussion. Damals führte die Recording Academy die Kategorie „Best African Music Performance“ ein, die überwiegend Künstlerinnen und Künstler aus den Genres Afrobeats und Amapiano würdigte. Beobachter kritisierten schon damals, dass eine solche geografisch codierte Kategorie tendenziell dazu führe, dass die betroffenen Künstler aus den bedeutenderen Hauptkategorien der Verleihung ferngehalten würden. Als Vergleichsbeispiel wird häufig angeführt, dass für europäische Popkünstler wie Ed Sheeran oder Dua Lipa nie eine vergleichbare eigene Kategorie geschaffen wurde.
Fehlende breite Solidarität aus der Branche
Auffällig ist, dass sich bislang kaum weitere große Künstler dem Boykott von BTS angeschlossen haben. Branchenbeobachter werten dies jedoch weniger als Zeichen mangelnder Zustimmung, sondern vielmehr als Beleg dafür, welch enorme Marktmacht ein solcher Schritt voraussetzt. BTS verfügt durch anhaltende Chart-Erfolge, eine frühere Grammy-Nominierung für den Song „Dynamite“ im Jahr 2020 sowie eine kommerzielle Position, die den meisten anderen Künstlern schlicht fehlt, über eine Sonderstellung, die diesen Schritt überhaupt erst ermöglicht.
Ungewisser Ausgang vor der Verleihung im Februar
Während die Recording Academy ihre Gespräche mit Vertretern der asiatischen Musikbranche im Vorfeld der für Februar 2027 geplanten Verleihung fortsetzt, bleibt bislang offen, ob es tatsächlich zu einer strukturellen Änderung oder sogar zur vollständigen Streichung der neuen Kategorie kommen wird.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone, Forbes, The Conversation, IBTimes, The Week, Deadline
