
Fast drei Jahrzehnte nach dem tödlichen Drive-by-Angriff auf Hip-Hop-Ikone Tupac Shakur hat in Las Vegas der lange erwartete Mordprozess gegen Duane „Keffe D“ Davis begonnen. Am Montag hielt die Staatsanwaltschaft ihr Eröffnungsplädoyer vor den Geschworenen und zeichnete ein detailliertes Bild der Ereignisse, die in der Nacht zum 7. September 1996 zum tödlichen Angriff auf den Rapper führten.
Ein Racheakt nach einer Auseinandersetzung im MGM Grand
Nach Darstellung der Anklage war der Angriff eine gezielte Vergeltungsaktion. Stunden vor der Schießerei war Davis‘ Neffe Orlando Anderson im MGM Grand Hotel von Shakur und dessen Umfeld im Anschluss an einen Boxkampf von Mike Tyson tätlich angegriffen worden. Clark Countys leitender stellvertretender Bezirksstaatsanwalt Binu Palal machte den Geschworenen deutlich, dass Davis zwar selbst nicht abgedrückt habe, jedoch die Vergeltung für den Angriff auf seinen Neffen geplant und dafür gesorgt habe, dass die Schützen bewaffnet und einsatzbereit waren.
Geständnisse aus eigener Feder als zentrales Beweismittel
Ein wesentlicher Teil der Beweisführung der Anklage stützt sich auf Aussagen, die Davis selbst über die Jahre hinweg gemacht hat. Palal verwies dabei besonders auf ein im Jahr 2019 gemeinsam mit einem Co-Autor verfasstes Enthüllungsbuch, in dem Davis seine eigene Version der Ereignisse rund um Shakurs Tod schildert. Ergänzend dazu berufen sich die Ankläger auf ein sogenanntes vertrauliches Vorabgespräch, das Davis im Rahmen eines separaten Bundesermittlungsverfahrens wegen Drogendelikten mit Ermittlern führte. Wie die Staatsanwaltschaft den Geschworenen erklärte, hätten Bundesermittler Davis damals um Informationen zu einer anderen Zielperson gebeten, woraufhin dieser stattdessen Details zum Mord an Shakur offenbart habe. Dieses Gespräch wurde nach Angaben der Ankläger heimlich aufgezeichnet.
Verteidigung spricht von einer Geschichte ohne Beweiskraft
Davis‘ Verteidiger Michael Sanft bezeichnete die Darstellung der Staatsanwaltschaft in seinem eigenen Eröffnungsplädoyer als reine Erfindung ohne belastbare Fakten. Er stellte infrage, warum die Behörden von Clark County erst Jahrzehnte nach der Tat überhaupt Anklage erhoben hätten, und äußerte Zweifel daran, dass der Fall angesichts der inzwischen verblassten Beweislage jemals lückenlos aufgeklärt werden könne. Nach dem ersten Verhandlungstag zeigte sich Davis nach Angaben seines Anwalts erleichtert und zuversichtlich.
Verbindung zu weiteren Ereignissen der Hip-Hop-Geschichte
Die Anklage brachte in ihrem Plädoyer zudem Davis‘ mutmaßliche Verbindungen zu einer Gang mit Sitz in Compton zur Sprache, deren Anführer er gewesen sein soll. Zusätzlich stellten die Ankläger einen Bezug zu einer weiteren, bis heute ungeklärten Tragödie der Hip-Hop-Geschichte her: Davis soll auch bei einer Feier anwesend gewesen sein, an der Shakurs musikalischer Rivale The Notorious B.I.G. teilnahm, kurz bevor dieser sechs Monate später ebenfalls erschossen wurde.
Ein historischer Prozess nach fast 30 Jahren
Der 63-jährige Davis ist die erste und bislang einzige Person, gegen die im Zusammenhang mit Shakurs Tod formell Anklage erhoben wurde. Ihm wird Mord mit einer tödlichen Waffe zur Unterstützung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Er hat sich in allen Punkten für nicht schuldig erklärt; im Falle einer Verurteilung drohen ihm eine lebenslange Haftstrafe. Zu den möglichen Zeugen im weiteren Verlauf des Verfahrens zählen unter anderem Musikmogul Sean Combs sowie Death-Row-Records-Gründer Marion „Suge“ Knight, der bei dem damaligen Angriff selbst verletzt wurde und überlebte.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: CNN, CBS News, Fox News, Newsweek, NewsNation, NBC News
