
Nur einen Monat nach dem Tod von Jennifer Finch, langjährige Bassistin und Sängerin der einflussreichen Grunge-Band L7, hat der Verlag Da Capo Publishing die Veröffentlichung ihrer postumen Memoiren angekündigt. „Shooting Up & Making Out: A Memoir of My Life in LA and L7“ soll am 19. Januar erscheinen und gibt einen persönlichen Einblick in ihr bewegtes Leben zwischen Punk-Fotografie, Musikszene und der Grunge-Ära der Neunzigerjahre.
Ein letztes großes Projekt vor dem Abschied
Verfasst wurde das Buch gemeinsam mit Co-Autor Jeff Alulis, der die Entstehungsgeschichte in einer Stellungnahme beschrieb. Rund zwei Jahre lang hätten die beiden gemeinsam an dem Manuskript gearbeitet, wobei Finch großen Wert darauf legte, mit jedem einzelnen Wort zufrieden zu sein. Das Memoir war das letzte große Projekt, das sie noch vor ihrer Erkrankung fertigstellen konnte, wie Alulis mitteilte. Er zeigte sich sichtlich bewegt darüber, dass sie die Veröffentlichung selbst nicht mehr erleben durfte, gleichzeitig aber dankbar, ihr Leben und Vermächtnis nun mit der Öffentlichkeit teilen zu können.
Tod nach kurzer, aggressiver Krankheitsgeschichte
Finch verstarb am 18. Juli im Alter von 59 Jahren in Santa Monica, nachdem bei ihr nur wenige Tage zuvor eine aggressive Form von Hirnkrebs diagnostiziert worden war. Die Diagnose hatte die Musikerin daran gehindert, an der zuvor angekündigten Abschiedstournee ihrer Band, „The Last Hurrah 2026“, teilzunehmen. Nach mehreren Operationen und schwerwiegenden Komplikationen war sie auf umfassende medizinische Betreuung angewiesen. Eine von Freunden und Familie ins Leben gerufene Spendenaktion zur Finanzierung ihrer Behandlung, häuslichen Pflege sowie Physio- und Sprachtherapie erreichte innerhalb weniger Tage deutlich mehr als das ursprünglich angestrebte Spendenziel.
Eine Szene, die zusammenhielt
Die große finanzielle und emotionale Unterstützung, die Finch in ihren letzten Wochen erfuhr, offenbarte, wie eng die Grunge- und Alternative-Rock-Szene der Neunzigerjahre bis heute miteinander verbunden ist. Zahlreiche bekannte Musikerinnen und Musiker aus Bands wie Green Day, Pearl Jam und Tool beteiligten sich an der Spendenaktion. Nach ihrem Tod würdigten ihre Bandkolleginnen Finch in einer gemeinsamen Erklärung als einzigartigen Menschen, der sein Leben vollständig nach eigenen Vorstellungen gelebt habe, und betonten, wie unermesslich ihr Einfluss auf Musik, Kunst und alle, die das Glück hatten, sie zu kennen, gewesen sei.
Wurzeln in der Punk- und Fotografie-Szene von Los Angeles
Geboren 1966 in Los Angeles, begann Finch bereits als Teenagerin, sich für Fotografie und bildende Kunst zu interessieren. In den frühen Achtzigerjahren dokumentierte sie mit ihrer Kamera die aufstrebende Punkszene der Stadt und hielt dabei unter anderem Mitglieder von Redd Kross, Bad Religion und den Cramps fest – Aufnahmen, die Jahrzehnte später sogar in der Rock and Roll Hall of Fame ausgestellt wurden. Musikalisch fand sie zunächst über den Bass zu einer Band namens Sugar Baby Doll, in der sie gemeinsam mit Courtney Love sowie der späteren Babes-in-Toyland-Mitbegründerin Kat Bjelland spielte. Nach einer kurzen Zeit bei der Band Pandoras schloss sie sich 1986 schließlich Donita Sparks und Suzi Gardner an und wurde damit Teil der klassischen L7-Besetzung.
Prägende Alben einer ganzen Generation
Mit L7 spielte Finch auf den ersten vier Alben der Band zwischen 1986 und 1996 sowie später auf dem 2019 erschienenen Comeback-Album „Scatter the Rats“. Die kommerziell erfolgreichsten Veröffentlichungen der Band waren „Bricks Are Heavy“ aus dem Jahr 1992, das mit „Pretend We’re Dead“ einen Top-10-Hit in den Modern-Rock-Charts hervorbrachte, sowie „Hungry for Stink“ von 1994, das mit Platz 117 der Billboard-200-Charts den kommerziellen Höhepunkt der Bandgeschichte markierte und mit „Andres“ einen weiteren Charterfolg enthielt.
Vielseitiges künstlerisches Wirken über die Musik hinaus
Über ihre Rolle als Bassistin hinaus machte sich Finch auch als Fotografin und Autorin einen Namen und blieb zeitlebens eine engagierte Förderin unabhängiger Musik. Ihr nun angekündigtes Memoir soll nach Angaben des Verlags durch eine bodenständige Perspektive und schonungslose, pointierte Lebensweisheit bestechen und damit noch einmal die facettenreiche Persönlichkeit einfangen, die sie zu einer prägenden Figur der Los Angeles-Punk- und Grunge-Szene machte.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Variety, Deadline, Exclaim!, Billboard, Wikipedia, Medical Daily
