Hunter Kahn, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
Lesedauer 3 Minuten
The band Weezer performing at Musikfest in Bethlehem, Pennsylvania on August 5, 2019.

Nach mehr als 30 Jahren Bandgeschichte legen Weezer mit ihrem zwanzigsten Studioalbum ein weiteres selbstbetiteltes Werk vor, das im Fanjargon bereits als „The Gold Album“ firmiert. Damit reiht sich die kalifornische Band in ihre eigene Tradition der farbigen Selbsttitel-Platten ein, zu der bereits das Blue, Green, Red, White, Teal und Black Album zählen. Das Konzept hinter dem neuen Werk ist dabei ebenso augenzwinkernd wie konsequent: Eine Weezer-Platte, die klingt wie eine klassische Weezer-Platte.

Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln

Bereits der Opener „C.E.O.“ macht deutlich, worum es geht. Frontmann Rivers Cuomo lässt dort augenzwinkernd anklingen, dass an den frühen Tagen der Band eben doch etwas Besonderes dran war – ein Song, der hörbar Anleihen beim eigenen Klassiker „Undone (The Sweater Song)“ von 1994 nimmt. Der Track liefert damit gewissermaßen den Schlüssel zum gesamten Album, das klingt, als hätte die Band 1995 eine Übergangsplatte zwischen ihrem Debüt „The Blue Album“ und dem emo-nahen Meisterwerk „Pinkerton“ veröffentlicht. Die Band selbst beschreibt den Entstehungsprozess als unkompliziert und organisch, ganz nach dem Motto: weniger reden, mehr Rock.

Neue Klangfarbe durch Produzent Kenny Beats

Für die Produktion holte sich die Band unter anderem Kenny Beats mit ins Boot, der sonst eher für Arbeiten mit Künstlern wie Rico Nasty, Vince Staples oder der Band Geese bekannt ist. Unter seiner Mitwirkung klingt Weezer diesmal deutlich garagenrockiger als gewohnt, mit dichten, basslastigen Gitarren, die eher an Desert Rock als an klassischen Power-Pop erinnern. Der Wechsel von grollenden Riffs zu goldenen Refrains, etwa bei den Songs „Don’t Make It Weird“ oder „Shine Again“, entfaltet dadurch eine besonders intensive Wirkung. Vor der Veröffentlichung hatte einer der Produzenten sogar angekündigt, das bislang „aggressivste“ Weezer-Album überhaupt schaffen zu wollen.

Zwischen Selbstzweifel und Altersweisheit

Der Albumopener „Say Yes“ trägt denselben Titel wie ein Song des 1997 veröffentlichten Songs von Indie-Ikone Elliott Smith und zeigt Cuomo zunächst in einer Phase zynischer Selbstzweifel, bevor sich im Verlauf des Albums die sonst oft gewahrte, unterkühlte Distanz zunehmend auflöst. Auf dem gefühlsbetonten Stück „We Might as Well Be Strangers“ harmoniert Cuomo mit Karly Hartzman von der Band Wednesday, während er zwischen philosophischen Anspielungen und persönlicher Zerrissenheit pendelt. Auch die alterstypische Unentschlossenheit der mittleren Lebensjahre spiegelt sich immer wieder in den Texten, verbunden mit einer leicht melancholischen, aber warmherzigen Grundstimmung.

Ein nostalgischer Schlusspunkt

Den Abschluss bildet mit „The L.A. Sound“ ein von Gitarrist Brian Bell geschriebenes Stück, das die Anfangsjahre der Band beschreibt – lange Nachtfahrten im Tourbus von einem schäbigen Club zum nächsten, immer auf der Suche nach neuen Fans. Musikalisch bewegt sich der Song im gewohnt eingängigen Alt-Rock-Gewand, mit dem Weezer schon vor über 30 Jahren bekannt wurden. Die Band pflegt diese liebevoll-ironische Perspektive auf das eigene Bandleben schon seit frühen Stücken wie „In the Garage“ und tut dies auch hier mit spürbarer Zuneigung.

Ungewöhnlicher Schreibprozess im eigenen Proberaum

Für die Aufnahmen zog sich die Band – bestehend aus Cuomo, Schlagzeuger Pat Wilson, Gitarrist Brian Bell und Bassist Scott Shriner – in ihren Proberaum in Orange County zurück und erarbeitete das Material gemeinsam. Bemerkenswert ist dabei, dass mehrere Songs erstmals seit dem Debütalbum wieder gemeinsam von Cuomo und Wilson geschrieben wurden – ein für die Band ungewöhnlich kollaborativer Ansatz.

Kompakt, aber wirkungsvoll

Mit einer Spielzeit von rund 33 Minuten fällt das Album vergleichsweise knapp aus, verzichtet dafür konsequent auf Autotune, Elektropop-Elemente oder Hip-Hop-Anleihen, wie sie in früheren Schaffensphasen der Band gelegentlich zu hören waren. Die Rückbesinnung auf verzerrte Gitarren und den ursprünglichen Bandsound wird in mehreren Kritiken als gelungen bewertet, auch wenn einzelne Songzeilen, etwa auf dem Stück „Hoops“, durchaus für Stirnrunzeln sorgen können.

Große Welttournee zum Album

Passend zur Veröffentlichung startet die Band im Herbst 2026 ihre Welttournee unter dem Namen „The Gathering“. Die nordamerikanische Etappe beginnt am 8. September 2026 im Golden 1 Center in Sacramento und führt über mehr als 30 Konzerte bis zum 24. Oktober 2026 ins Crypto.com Arena nach Los Angeles, unter anderem mit Stationen in San Francisco, Chicago, Toronto und New York. Als Support-Acts sind The Shins und Silversun Pickups bei ausgewählten Terminen mit dabei.

Im Februar 2027 setzt sich die Tour in Japan fort, mit zwei Konzerten in Tokio sowie weiteren Terminen in Kyoto, Osaka und Nagoya. Ab Mai 2027 folgt schließlich die Europa-Etappe: Los geht es am 12. Mai in der 3Arena in Dublin, danach stehen unter anderem Konzerte in Newcastle, Manchester, Leeds, Glasgow, Birmingham, London und Cardiff auf dem Programm. Weitere Stationen auf dem europäischen Festland sind Paris, Amsterdam, Oslo, Stockholm und Helsinki, wo die Tournee am 1. Juni 2027 enden soll.

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Rolling Stone, Rolling Stone Canada, Associated Press, Rock Cellar Magazine, Already Heard, Musician Voice, NME, Ultimate Classic Rock, ad-hoc-news.de, Weezerpedia

© 2023-26 Xenopolias.de – Unabhängiger Musik‑ und Kulturjournalismus