
r2hox from Madrid, Spain, CC BY-SA 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>, via Wikimedia Commons
Im Mordprozess gegen Duane „Keffe D“ Davis in Las Vegas ist am Freitag ein weiteres zentrales Beweisstück vor Gericht gezeigt worden. Die Geschworenen sahen Ausschnitte aus einer BET-Dokumentation, in der sich Davis erstmals öffentlich zur Erschießung von Rap-Ikone Tupac Shakur im Jahr 1996 äußerte. Inhaltlich deckt sich diese Version mit Aussagen, die Davis bereits 2008 in einem vertraulichen Gespräch mit Ermittlern gemacht hatte.
Anklage sieht Schutzrechte durch TV-Auftritt verwirkt
Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hat Davis durch seine freiwillige Teilnahme an der Dokuserie sowie die spätere Veröffentlichung seiner Memoiren jenen rechtlichen Schutz aufgegeben, der ursprünglich an das geheime Polizeiinterview von 2008 geknüpft war. Genau diese Argumentation habe letztlich den Weg für die heutige Mordanklage geebnet, die derzeit vor einem Gericht in Las Vegas verhandelt wird.
Davis begründete seinen Auftritt mit Krebserkrankung
In dem 2018 entstandenen und nun im Gerichtssaal gezeigten Ausschnitt erklärte Davis, dass er sich aufgrund einer eigenen Krebsdiagnose entschlossen habe, öffentlich über die Ereignisse zu sprechen. Er habe nichts mehr zu verlieren und lege inzwischen allein Wert darauf, seine Sicht der Dinge offenzulegen. In dem Interview deutete Davis an, dass der tödliche Schuss aus dem Fond des Fahrzeugs gefallen sei, ohne die Person namentlich zu benennen und unter Verweis auf einen ungeschriebenen Ehrenkodex der Straße.
Regisseur der Dokumentation als Zeuge geladen
Neben den Videoausschnitten wurde auch der verantwortliche Regisseur der Serie im Zeugenstand befragt. Er versicherte, dass die Produktion journalistischen Standards gefolgt und zu keinem Zeitpunkt inszeniert oder mit vorgegebenen Antworten versehen worden sei.
Weitere Tonaufnahmen und ein Zwischenfall im Gerichtssaal
Zusätzlich zu den Videoaufnahmen spielte die Anklage am selben Verhandlungstag Auszüge aus einem Interview ab, in dem Davis von einer erwarteten Zahlung durch Musikproduzent Sean „P. Diddy“ Combs nach Shakurs Tod sprach. Im Verlauf der Sitzung kam es zudem zu einem emotionalen Wortwechsel, als sich Davis direkt an den zuständigen Staatsanwalt wandte und sich über dessen Vorgehen beschwerte. Der Staatsanwalt reagierte mit dem trockenen Hinweis, Davis sei offensichtlich unzufrieden darüber, wegen Mordes angeklagt zu werden.
Vorwurf: Orchestrierung aus Rache
Der heute 63-jährige Davis hat sich nicht schuldig bekannt. Die Anklage wirft ihm vor, die Tat als Vergeltung für einen tätlichen Angriff auf seinen Neffen organisiert und die spätere Tatwaffe beschafft zu haben, ohne selbst die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Shakur war am 7. September 1996 in Paradise, Nevada, an einer roten Ampel aus einem Fahrzeug heraus mehrfach beschossen worden und wenige Tage später seinen Verletzungen erlegen.
Buch und Doku als Grundlage der Beweisführung
Bereits in seinen 2019 veröffentlichten Memoiren hatte Davis detailliert über die Nacht der Tat berichtet und geschildert, wie er gemeinsam mit drei weiteren Personen in einem Fahrzeug nach Shakur und dessen Begleitern gesucht habe. Genau diese schriftlich festgehaltene Version bildet neben den TV-Aussagen einen zentralen Baustein der staatsanwaltschaftlichen Beweisführung. Der Prozess, der in der ersten Woche vor allem von aufgezeichneten Aussagen des Angeklagten selbst geprägt war, soll in der kommenden Woche fortgesetzt werden.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone, ABC7 Los Angeles, CNN, NPR, KSNV/WGXA, Variety
