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John Robb performing with Goldblade in NYC 2003
Joly MacFie, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons

Fünfzig Jahre ist es nun her, dass sich in England eine musikalische und kulturelle Rebellion Bahn brach, die bis heute nachwirkt. Zu diesem runden Jubiläum ziehen zwei Männer durch sechs deutsche Städte, die diese Zeit nicht nur miterlebt, sondern selbst mitgeprägt haben: der britische Musiker, Autor und Journalist John Robb und der seit Jahrzehnten in Berlin ansässige Musiker und Filmemacher Mark Reeder. Unter dem Titel „A Life Without Punk“ bringen die beiden ab dem 22. September ein Talkformat auf die Bühne, das Geschichte und Gegenwart des Punk verbindet.

Zwei Karrieren, ein gemeinsamer Nenner

Robb, aufgewachsen im nordenglischen Blackpool und heute in Manchester zu Hause, gilt als eine Art Tausendsassa der britischen Musikszene. Als Journalist schrieb er unter anderem für den Guardian, Melody Maker, Sounds und The Independent, moderierte Radio- und TV-Formate und gründete das jährliche Musik- und Buchfestival „Louder Than Words“ in Manchester. Bekannt ist er zudem als erster Journalist, der Nirvana interviewte, sowie als derjenige, dem die Prägung des Begriffs Britpop zugeschrieben wird. Musikalisch ist er seit den Anfängen der Punk-Ära mit seiner Band The Membranes aktiv, später kam die Band Goldblade hinzu.

Mark Reeder wiederum wuchs ebenfalls in Manchester auf, wo er Ende der 1970er-Jahre im dortigen Plattenladen Kontakt zu den aufstrebenden Bands der Punkszene knüpfte, von Joy Division über die Buzzcocks bis zu Magazine. 1978 zog es ihn dann nach West-Berlin, wo er bis heute lebt. Dort wurde er Repräsentant des Labels Factory Records, organisierte den legendären Auftritt von Joy Division im Kant-Kino und tauchte tief in die Berliner Musik- und Kunstszene ein. Als Musiker war er unter anderem bei den Bands Die Unbekannten und Shark Vegas aktiv, als Remixer arbeitete er später mit Größen wie New Order, Depeche Mode, den Pet Shop Boys und Die Toten Hosen zusammen. Einem breiteren Publikum wurde er durch die 2015 erschienene Dokumentation „B-Movie – Lust & Sound in West-Berlin“ bekannt, die seine Zeit im geteilten Berlin zwischen Punk, Underground und den Anfängen der Techno-Bewegung nachzeichnet.

Keine Nostalgieshow, sondern reflektierter Rückblick

Wer bei einem Punk-Jubiläum reine Erinnerungsseligkeit erwartet, liegt bei Robb und Reeder falsch. Beide gelten als zu reflektiert für bloße Verklärung der eigenen Vergangenheit. Bei Reeder lässt sich diese Haltung bereits in der erwähnten Filmdokumentation nachvollziehen, die die wilden Jahre West-Berlins ebenso kritisch wie liebevoll einfängt. Bei Robb wiederum zeigt sich diese Distanz zur eigenen Legende in seiner in diesem Jahr erschienenen Autobiografie, deren Titel bereits Programm ist: Punk habe demnach nicht nur sein Leben gerettet, sondern es auf seine Weise auch ruiniert. Auch in seinem gerade neu aufgelegten Standardwerk zur Geschichte des Punk sowie in seinem Buch über die Gothic-Bewegung als dunklerer Ableger des Punk zeigt sich diese analytische statt verklärende Perspektive auf die Szene, die er selbst mitgeprägt hat.

Was das Publikum live erwartet

Die Abende sind als Gesprächsformat angelegt, moderiert und zweisprachig auf Englisch und Deutsch geführt. Robb und Reeder tauschen sich dabei nicht nur untereinander aus, sondern laden an jedem Tourstopp wechselnde Gäste aus der damaligen wie heutigen Szene ein. Bestätigt sind unter anderem Pauline Murray von Penetration, Colin Newman von Wire, Alexander Hacke von Einstürzenden Neubauten, Budgie von Siouxsie & the Banshees, Malka Spigel von Minimal Compact sowie Gudrun Gut, Annette Benjamin, Thomas Schwebel, Marco Pirroni von Adam & the Ants und weitere Musikerinnen und Musiker, deren genaue Beteiligung sich je nach Stadt unterscheidet. Begleitet werden die Talks von seltenen Projektionen aus Fotos, Plakaten und Artefakten sowie einer begleitenden Fotoausstellung der Dokumentarfotografin Sabine Schwabroh. Passend zum Jubiläum erscheint zudem eine überarbeitete Neuauflage von Robbs vergriffenem Standardwerk zur Punk-Geschichte, eine mündlich erzählte Chronik, für die er einst prägende Persönlichkeiten der Szene vor das Mikrofon holte.

Tourdaten

Dienstag, 22. September 2026 – Wiesbaden, Schlachthof
Mittwoch, 23. September 2026 – Hannover, Pavillon
Freitag, 25. September 2026 – Hamburg, Markthalle
Samstag, 26. September 2026 – Berlin, Columbia Theater
Montag, 28. September 2026 – Leipzig, Felsenkeller
Mittwoch, 30. September 2026 – Düsseldorf, Savoy Theater

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Trocadero, laut.de, Ox-Fanzine, radioeins, Loft Concerts, Columbia Theater, Stiftung WissensArt

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