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Christian Ulmen und Collien Ulmen-Fernandes beim Deutschen Fernsehpreis 2012
Foto: © JCS

Der monatelange Rechtsstreit zwischen Moderatorin Collien Fernandes und ihrem Ex-Mann Christian Ulmen bekommt neue Nahrung: Die „New York Times“ hat nach eigenen Angaben über mehrere Monate hinweg Dokumente, digitale Spuren und Gespräche mit Fernandes ausgewertet und daraus einen umfangreichen Bericht erstellt. Im Zentrum steht der Vorwurf, Ulmen habe über Jahre hinweg unter der digitalen Identität seiner damaligen Ehefrau Kontakte zu zahlreichen Männern aufgebaut.

E-Mail an den eigenen Anwalt soll Vorwürfe stützen

Besonders brisant ist ein Dokument, das die amerikanische Zeitung eingesehen haben will: eine E-Mail, die Ulmen offenbar an seinen eigenen Anwalt geschickt hatte. Darin soll er eingeräumt haben, unter dem Namen und der Identität von Fernandes mit rund dreißig Männern digitale, sexuell aufgeladene Online-Kontakte unterhalten zu haben. Zugleich soll er in derselben Nachricht Bedauern über sein Verhalten geäußert haben. Unter den betroffenen Kontakten befand sich dem Bericht zufolge auch ein Versicherungsvertreter, mit dem das damalige Ehepaar geschäftlich in Verbindung stand. Die genannte Zahl weicht damit deutlich von der Einschätzung Fernandes‘ ab, die selbst von mehreren Hundert betroffenen Männern ausgeht.

Angebliche ChatGPT-Protokolle werfen weitere Fragen auf

Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch Unterlagen, die laut Fernandes in ihrem Besitz sein sollen: Protokolle von Anfragen, die Ulmen offenbar an eine KI-Anwendung gerichtet habe. Darin soll er unter anderem erfragt haben, wie sich beteiligte Männer dazu bewegen ließen, bestehende E-Mail-Korrespondenz zu löschen, ohne dass dies als Versuch der Einflussnahme auf mögliche Zeugen gewertet werden könnte. Sollte sich diese Darstellung bestätigen, könnte dies im Rahmen der laufenden juristischen Aufarbeitung zusätzliches Gewicht bekommen.

Geständnis in einem deutschen Hotelzimmer

Fernandes schilderte der „New York Times“ zudem, wie ihr Ulmen sein Vorgehen erklärt habe. Demnach habe er ihr im Dezember 2024 in einem Hotel in Deutschland gestanden, hinter den fraglichen Online-Profilen zu stecken – nachdem sie zuvor bereits Anzeige gegen Unbekannt erstattet hatte. Als Motiv habe er ihr gegenüber Neugier genannt, welche Männer sich für sie interessierten. Sein Verhalten habe er dabei sinngemäß mit dem Konsum von Pornografie verglichen, angereichert um Elemente aus der Realität.

Hintergrund des öffentlich gewordenen Falls

Publik geworden war der Fall bereits im Frühjahr durch Recherchen des „Spiegel“. Fernandes wirft ihrem Ex-Mann vor, über Jahre hinweg Fake-Profile unter ihrem Namen betrieben und darüber auch sexuelle Inhalte verschickt zu haben. Die Enthüllungen hatten seinerzeit eine breite gesellschaftliche Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen ausgelöst.

Ulmen weist Teile der Vorwürfe zurück

Ulmen selbst bestreitet einzelne der gegen ihn erhobenen Anschuldigungen. Sein Anwalt wandte sich insbesondere gegen die Darstellung, sein Mandant habe Deepfake-Videos erstellt oder verbreitet – ein Vorwurf, den Fernandes in dieser Form gar nicht erhoben hatte. Auf konkrete Anfragen der „New York Times“ zu den eingesehenen Unterlagen reagierte Ulmen der Zeitung zufolge nicht.

Juristische Aufarbeitung läuft weiter

Der Fall ist rechtlich bislang nicht abgeschlossen. Ein zunächst in Spanien angestrengtes Verfahren wurde inzwischen an die deutsche Justiz übergeben. Parallel dazu laufen in Deutschland Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung im Kontext häuslicher Gewalt. Auch die Vorwürfe rund um die digitale Identitätsnutzung werden weiterhin geprüft.


Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Berliner Zeitung, Rolling Stone, WEB.DE, Abendzeitung München, GMX, trend magazin

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