Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America, CC BY-SA 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>, via Wikimedia Commons
Der Schauspieler Mark Ruffalo ist in einen offenen Schlagabtausch mit dem Medienkonzern Paramount Skydance geraten. Hintergrund ist seine wiederholte öffentliche Kritik an der geplanten Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount, ein Deal mit einem Volumen von rund 111 Milliarden US-Dollar. Nachdem Ruffalo die familiären und geschäftlichen Verbindungen der Ellisons zum Technologiekonzern Oracle thematisiert hatte, warf ihm ein Sprecher von Paramount vor, antisemitische Klischees in eine geschäftliche Auseinandersetzung hineinzutragen. Ruffalo bezeichnete diesen Vorwurf öffentlich als empörend und durch und durch unredlich.
Kritik an der Fusion und an Oracle
Ruffalo positioniert sich seit Monaten gegen den Zusammenschluss von Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery. Er warnt davor, dass eine weitere Konzentration im Medienmarkt Verbrauchern schaden, Beschäftigte der Unterhaltungsbranche unter Druck setzen, die Meinungsvielfalt einschränken und den Einfluss rechtsgerichteter Akteure auf die US-Medienlandschaft weiter stärken könnte. Auslöser der jüngsten Eskalation war ein älteres Video, das Ruffalo über seinen Instagram-Account teilte. Darin äußert sich Safra Catz, hochrangige Führungskraft bei Oracle und zugleich Vorstandsmitglied von Paramount Skydance, über Technologien, die sie selbst als zutiefst beunruhigend beschreibt und die das Unternehmen nach eigenen Angaben im Umfeld des israelischen Militärs eingesetzt habe. Ruffalo verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Larry Ellison, Mitgründer von Oracle und Vater des Paramount-Chefs David Ellison, maßgeblich an der Finanzierung der Übernahme beteiligt sei.
Paramount wirft Ruffalo antisemitische Rhetorik vor
Ein Sprecher des Studios reagierte mit einer ungewöhnlich scharfen Stellungnahme und erklärte, man sei beunruhigt, wenn antisemitische Stereotype im Rahmen eines wirtschaftlichen Streits bemüht würden. Begriffe wie Völkermord oder Apartheid seien, auf einen Unternehmensdeal angewendet, nicht nur unangemessen, sondern relativierten das tatsächliche Leid, das mit diesen Begriffen eigentlich beschrieben werden solle. Das Unternehmen betonte zugleich, jegliche Form von Vorurteilen gegenüber jedermann abzulehnen.
Ruffalos Gegendarstellung
Ruffalo ließ die Vorwürfe nicht auf sich sitzen und veröffentlichte eine ausführliche Erklärung. Darin stellte er klar, dass Kritik an der Politik des israelischen Ministerpräsidenten, an einem militärischen Technologievertrag oder an den dafür verantwortlichen Führungskräften nicht mit Feindseligkeit gegenüber jüdischen Menschen gleichzusetzen sei. Er warf Paramount vor, einen notwendigen und legitimen Diskurs bewusst als israelfeindlich umzudeuten. Zugleich betonte der Schauspieler, dass sein Verständnis von Schauspielerei, Aktivismus und Menschlichkeit maßgeblich durch jüdische Freunde, Kollegen und nahestehende Menschen geprägt worden sei, die über sein gesamtes Leben hinweg eine familiäre Rolle eingenommen hätten. Er machte deutlich, dass die geplante Fusion reale Konsequenzen für zahlreiche Menschen und für das Land insgesamt habe und dass eine kritische Auseinandersetzung mit den Ellisons, einschließlich der Datengeschäfte, Überwachungstechnologien und Regierungsaufträge von Oracle, gerechtfertigt und notwendig sei.
Reaktionen aus jüdischen Organisationen fallen gemischt aus
Die Auseinandersetzung entzweite auch Stimmen innerhalb der jüdischen Community in den USA. Mehrere Organisationen, die sich gegen Antisemitismus einsetzen, stellten sich in der Folge auf die Seite von Paramount. Unter anderem äußerte der Geschäftsführer der Organisation Creative Community for Peace, Ruffalos Rhetorik habe sich zunehmend von legitimer Kritik an Israel hin zu extremistischer und antisemitischer Sprache entwickelt. Andere Stimmen widersprachen dieser Einschätzung und verteidigten Ruffalos Recht, Geschäftspraktiken und militärische Kooperationen kritisch zu hinterfragen, ohne dass dies automatisch mit Judenfeindlichkeit gleichgesetzt werden dürfe.
Ursprung: ein Repost der BDS-Bewegung
Ausgangspunkt der Kontroverse war ein Beitrag der BDS-Bewegung, die zu Boykotten, Kapitalabzug und Sanktionen gegen Israel sowie gegen Unternehmen aufruft, die nach ihrer Auffassung von der Besetzung palästinensischer Gebiete profitieren. Die Bewegung hatte das betreffende Video mit einer Bildunterschrift versehen, in der Oracle eine Mitverantwortung an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, einschließlich Apartheid und Völkermord gegenüber Palästinensern, vorgeworfen wurde. Ruffalo teilte diesen Beitrag in seiner Instagram-Story weiter und ordnete ihn mit eigenen Worten in den Kontext der Warner-Bros.-Übernahme ein.
Die Fusion hängt derzeit vor Gericht
Der Zusammenschluss von Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery ist bislang nicht endgültig vollzogen. Eine Gruppe von Generalstaatsanwälten aus Kalifornien und elf weiteren US-Bundesstaaten hat aus kartellrechtlichen Gründen Klage gegen die Übernahme eingereicht. Ein Bundesrichter prüft derzeit diesen Einwand, ein Abschluss des Verfahrens wird frühestens im kommenden Sommer erwartet. Ruffalo hatte seine Anhängerschaft wiederholt dazu aufgerufen, sich gegen die Fusion zu positionieren, da diese aus seiner Sicht steigende Kabelkosten, sinkenden Wettbewerb und schwerwiegende Folgen für die gesamte Filmindustrie nach sich ziehen würde.
Zur Person: Mark Ruffalo
Der 58-jährige Ruffalo gehört zu den bekanntesten Gesichtern Hollywoods und wurde einem breiten Publikum vor allem durch seine Rolle als Hulk im Marvel-Filmuniversum bekannt. Für seine schauspielerische Arbeit wurde er bereits viermal für den Oscar nominiert, unter anderem für seine Rollen in Filmen wie „The Kids Are All Right“, „Foxcatcher“, „Spotlight“ und „Poor Things“. Neben seiner Karriere als Schauspieler hat sich Ruffalo über Jahre hinweg als einer der aktivsten politischen Stimmen Hollywoods positioniert, insbesondere im Bereich Umweltschutz und bei Protesten gegen die Politik der Trump-Regierung.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Common Dreams, Variety, Fox News, The New Republic, NBC News, The Forward, Deadline
