![Yayoi Kusama from "art is (Speaking Portraits) [Vol. I]" by George Quasha, (filmed approx. 2002-2005). Uploaded to Vimeo by George Quasha under CC-BY-3.0 Unported licence on April 28, 2009.](https://xenopolias.de/wp-content/uploads/2026/08/1280px-Yayoi_Kusama_circa_2004-1024x770.jpg)
George Quasha, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons
Die japanische Ausnahmekünstlerin Yayoi Kusama ist tot. Wie ihr Atelier mitteilte, verstarb sie bereits am 14. August in einem Krankenhaus in Tokio. Sie wurde 97 Jahre alt. Zur genauen Todesursache äußerte sich das Atelier zunächst nicht, die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete jedoch später von einem Multiorganversagen als Ursache. In einer Erklärung ihres Ateliers hieß es sinngemäß, Kusama habe bis zuletzt gemalt und den Pinsel nie aus der Hand gelegt, stets auf der Suche nach ewiger Liebe und der Unsterblichkeit der Seele. Man werde ihr Vermächtnis weitertragen und der Welt durch ihre Kunst Hoffnung vermitteln.
Vom Nagano der Nachkriegszeit zum Weltruhm in New York
Geboren wurde Kusama 1929 in der Kleinstadt Matsumoto in der Präfektur Nagano. Sie wuchs in einem strengen, autoritären Elternhaus auf und hatte eine schwierige Kindheit, die von familiären Konflikten geprägt war. Bereits als Kind begann sie zu malen und entwickelte in dieser Zeit auch erste Halluzinationen, in denen sie sich von wiederkehrenden Punkt- und Netzmustern umgeben sah – ein prägendes Erlebnis, das später zum zentralen Motiv ihres gesamten künstlerischen Schaffens wurde. Nach einer kurzen künstlerischen Ausbildung in Kyoto, in der sie mit der traditionellen japanischen Malweise Nihonga vertraut gemacht wurde, zog es sie in die USA. Ende der 1950er Jahre siedelte sie nach New York über, ermutigt unter anderem durch die Malerin Georgia O’Keeffe. Dort avancierte sie in den 1960er Jahren mit avantgardistischen Performances und raumgreifenden Installationen zu einer zentralen Figur der New Yorker Kunstszene.
Die Punkte als Markenzeichen und Ausdruck der Selbstauflösung
Weltberühmt wurde Kusama vor allem durch ihre unverwechselbaren „Polka Dots“, mit denen sie Objekte, Kleidung, Räume und ganze Installationen überzog. Die Punkte entsprangen ihren frühen Halluzinationen und wurden für sie zum künstlerischen Ausdruck einer Suche nach Unendlichkeit sowie der Auflösung des eigenen Ichs. In ihren berühmten „Infinity Mirror Rooms“ kombinierte sie Spiegel, Licht und Objekte zu Rauminstallationen, die den Betrachtern einen scheinbar grenzenlosen Blick in eine imaginäre Unendlichkeit eröffneten. Auch ihre gepunkteten Kürbisskulpturen entwickelten sich zu einem international wiedererkennbaren Markenzeichen der Künstlerin. Bei ihren New Yorker Happenings in den 1960er Jahren ließ sie zudem nackte Körper mit ihren charakteristischen Punktmustern bemalen und verwischte damit bewusst die Grenzen zwischen Kunstwerk und Betrachter.
Offener Umgang mit psychischen Belastungen
Kusama sprach zeitlebens vergleichsweise offen über ihre psychischen Belastungen. Nach eigenen Angaben litt sie bereits seit ihrer Kindheit unter Depressionen und Halluzinationen. Seit den 1970er Jahren lebte sie freiwillig in einer psychiatrischen Einrichtung in Tokio, von der aus sie in einem nahegelegenen Atelier weiterhin unermüdlich künstlerisch tätig war. Ihre Arbeit bezeichnete sie selbst als eine Art Kunstmedizin, mit der sie ihre inneren Kämpfe in universell zugängliche, immersive Werke verwandelte.
Museumseigene Würdigung und globaler Ausstellungserfolg
Kusamas Werk verband über Jahrzehnte Elemente der Pop-Art, des Minimalismus und der feministischen sowie der Umweltkunst. Ihre Arbeiten sind heute in bedeutenden Häusern weltweit vertreten, darunter die Fondation Beyeler in Basel und das Museum Ludwig in Köln, das erst Ende Juli seine bislang erfolgreichste Sonderausstellung mit einer Kusama-Retrospektive beendete, die mehrere hunderttausend Besucher anzog. 2017 eröffnete in Tokios Stadtteil Shinjuku zudem ein eigenes Museum, das ausschließlich ihrem Lebenswerk gewidmet ist. Im Jahr 2014 wurde sie vom Fachmagazin The Art Newspaper zur weltweit meistbesuchten Künstlerin ihrer Zeit gekürt.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Euronews, Tagesspiegel, t-online.de, Kyodo News, Wikipedia
