
Céline Haentzler, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
Wer nach Jahrzehnten des Wartens noch an einer entspannten Ruhestandsplatte gezweifelt hat, wird bei Michael Louis Diamond eines Besseren belehrt. Mit „Thank You“ legt der frühere Beastie-Boys-Rapper im Alter von 60 Jahren sein erstes Soloalbum vor und beweist dabei eine Energie, die selbst manch jüngerem Act Konkurrenz macht. Das am 28. August 2026 über Capitol Records veröffentlichte Werk ist die erste komplette Solo-Veröffentlichung eines Beastie-Boys-Mitglieds seit dem Tod von Adam „MCA“ Yauch im Jahr 2012, der seinerzeit das endgültige Aus der Band bedeutete.
Kein nostalgischer Rückblick, sondern ein Neuanfang
Statt sich auf dem Erbe der Beastie Boys auszuruhen, entwirft Diamond mit „Thank You“ etwas eigenständig Neues. Die dreizehn Songs verweigern sich klaren Genregrenzen und mischen Rap, Electro, Punk und Glitch-Elemente zu einem nervösen, hyperaktiven Klangbild, das streckenweise ruheloser wirkt als das Gesamtwerk seiner einstigen Band. Kritiker beschreiben das Album als kurzweiliges, krachiges Spektakel, das sich zwar hörbar an die musikalische DNA der Beastie Boys erinnert, dabei aber konsequent nach vorne blickt statt zurück.
Familienprojekt im heimischen Studio
Die Entstehungsgeschichte des Albums ist eng mit Diamonds Privatleben verknüpft. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Skyler und Davis, die selbst mit ihrer Band Very Nice Person aktiv sind, entwickelte er die Songs im heimischen Studio. Aus diesem familiären Kern entstand die Begleitband 5D, zu der neben den beiden Söhnen auch die Brüder Eddie und Milo Ruscha sowie Gitarrist Will Graefe zählen – Musiker, die Diamond über das Umfeld seiner Söhne in der Musikszene von Los Angeles kennenlernte. Erste Live-Auftritte bestritt er zunächst überraschend als Gast bei Konzerten von Very Nice Person, bevor er mit eigenen Shows in Clubs, auf Festivals und in Undergroundvenues an den Start ging.
Zwischen Trauer und neuer Kreativität
In Interviews sprach Diamond offen darüber, wie sehr ihn der Tod von Adam Yauch über Jahre hinweg lähmte und warum ihm lange selbst der Gang ins Studio schwerfiel. Erst durch die unbefangene Zusammenarbeit mit seinen Söhnen fand er nach eigener Aussage zurück zu jener unverkrampften Herangehensweise, die schon die frühen Beastie-Boys-Jahre prägte. Musikalisch schlägt sich diese Auseinandersetzung besonders im Titeltrack nieder, einer nachdenklichen, bittersüßen Reflexion über die gemeinsamen Anfänge mit MCA und Ad-Rock. Auch die Single „What We Got“ nimmt in ihren Zeilen unüberhörbar Bezug auf Diamonds Status als vermeintlich zurückgezogener MC, der sich nun eines Besseren besinnt.
Vier Singles als Vorboten
Dem Album gingen mit „Switch Up“, „What We Got“, „True Colors“ und „Crypto“ vier Singles voraus, die bereits einen guten Eindruck von der stilistischen Bandbreite vermittelten. Während der treibende Opener „Switch Up“ von kontrollierter Dschungel-Energie lebt, widmet sich „Crypto“ mit einem gehörigen Schuss Ironie den Themen Betrug und Gier. Als musikalische Referenz für das Gesamtwerk nannte Diamond selbst unter anderem das Duo Suicide um Alan Vega und Martin Rev, dessen roher, elektronischer Minimalismus in mehreren Songs deutlich durchscheint.
Durchweg positive Kritiken
Die bisherige Presseresonanz fällt überwiegend wohlwollend aus. Rezensenten loben insbesondere die Chemie zwischen Diamond und seiner jungen Begleitband, deren Live-Wucht mit Gruppen wie Turnstile oder Death Grips verglichen wird. Gleichzeitig attestieren mehrere Kritiken dem Album, dass Diamonds volles solistisches Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft sei und in künftigen Arbeiten durchaus noch mutiger vorangetrieben werden könnte. Insgesamt wird „Thank You“ jedoch einhellig als gelungener, ehrlicher Neustart gewertet, der dem Vermächtnis der Beastie Boys mit Respekt begegnet, ohne sich davon einengen zu lassen.
Tourdaten
Passend zum Albumstart ist Diamond mit seiner Band 5D auf großer Tournee. Nach dem Auftakt am 30. August 2026 in Boston führt die Route zunächst durch die USA und Kanada, unter anderem mit Stationen in Washington, D.C., Chicago, Los Angeles, Seattle, Vancouver und Toronto. Anschließend folgt der Sprung nach Europa mit Konzerten in Brighton, Glasgow, Manchester und London, bevor es auf dem Kontinent weitergeht. Für deutsche Fans besonders relevant: Am 1. November 2026 macht die Tour in der Carlswerk Victoria in Köln Station. Weitere europäische Termine führen die Band nach Amsterdam, Lille, Lausanne und Lyon, ehe die Tournee am 5. November 2026 in der Ancienne Belgique in Brüssel endet.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Wikipedia, NME, Rolling Stone, NPR, Kerrang!, Apple Music, HotNewHipHop, uDiscover Music, Pollstar, Northern Transmissions, Concert Addicts
