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Eminem In Munich, Germany, 10.31.99
Mika-photography, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Der Musikgeschmack eines Menschen gilt gemeinhin als Ausdruck seiner Persönlichkeit. Ein Forscherteam der New York University ist dieser Annahme nun aus einer ungewöhnlichen Richtung nachgegangen und hat untersucht, ob bestimmte Songvorlieben Rückschlüsse auf psychopathische Persönlichkeitsmerkmale zulassen. Wie die „Washington Post“ berichtete, standen dabei ausgerechnet Hits aus den Charts im Mittelpunkt und nicht, wie es Filme und Serien gerne suggerieren, klassische Musik.

Die Ausgangsidee der Studie

Initiiert wurde das Projekt von Pascal Wallisch, Psychologieprofessor an der New York University, gemeinsam mit seiner ehemaligen Studentin Nicole Leal. Beide wollten der in Filmen weit verbreiteten Erzählung auf den Grund gehen, wonach besonders kaltblütige Figuren gerne zu Beethoven oder Mozart greifen. Wallisch verwies dabei auf bekannte Kinobeispiele, in denen Klassik gezielt eingesetzt wird, um Figuren mit ausgeprägt dunkler Seite eine scheinbar kultivierte, menschliche Facette zu verleihen. Ob dieses Muster tatsächlich der Realität entspricht, war bislang kaum wissenschaftlich untersucht worden.

Der Ablauf der Untersuchung

Für ihre Studie befragten die beiden Wissenschaftler mehr als 190 Psychologiestudierende der Universität. Zunächst sollten die Teilnehmenden anhand eines Fragebogens einschätzen, wie ausgeprägt bestimmte psychopathische Denkmuster bei ihnen selbst vorhanden sind. Enthalten waren unter anderem Aussagen dazu, ob moralisches Handeln für die befragte Person in erster Linie eine Frage der persönlichen Durchsetzbarkeit sei und ob romantische Liebe eher überbewertet werde. Anschließend bekamen die Studierenden eine breite Auswahl an Musikstücken vorgespielt, die von klassischen Kompositionen bis zu aktuellen Charterfolgen reichte, und bewerteten jeden Titel auf einer siebenstufigen Skala nach persönlichem Gefallen.

Auffällige Übereinstimmungen bei den Songvorlieben

Aus den Antworten filterten Wallisch und Leal rund zwanzig Titel heraus, deren Beliebtheit besonders deutlich mit dem ermittelten Psychopathie-Wert der Befragten zusammenhing. In einem zweiten Untersuchungsschritt ließen sie diese Auswahl an Songs von weiteren Teilnehmenden bewerten und stellten fest, dass sich aus den Reaktionen auf diese Titel wiederum recht zuverlässig auf den individuellen Psychopathie-Wert schließen ließ. Besonders auffällig fiel das Ergebnis bei drei Songs aus: „What Do You Mean?“ von Justin Bieber, „Lose Yourself“ von Eminem sowie „No Diggity“ von Blackstreet kamen bei Personen mit vergleichsweise hohen Werten auf der Skala überdurchschnittlich gut an. Interessanterweise landete dagegen ein Song, der in der Popkultur eng mit einer fiktiven Mörderfigur verknüpft ist, nämlich „Money for Nothing“ von Dire Straits, auf der Liste jener Titel, die bei stärker ausgeprägten psychopathischen Zügen eher schlecht abschnitten.

Kein klares Muster erkennbar

Auf die Frage, ob sich in den bevorzugten Songs ein gemeinsames stilistisches oder thematisches Muster erkennen lasse, musste Leal einräumen, dass sich bislang keine eindeutige Erklärung gefunden habe. Ursprünglich sei die Vermutung naheliegend gewesen, dass Personen mit ausgeprägteren psychopathischen Zügen eher instrumentale Stücke ohne Gesangstext bevorzugen könnten, da viele Songtexte von Gefühlen handeln, für die sich diese Personengruppe wenig interessiert. Diese Annahme habe sich in den Daten jedoch nicht bestätigt.

Psychopathie als Alltagsphänomen

Wallisch betonte gegenüber der „Washington Post“, dass das gängige Bild vom Psychopathen als Gefängnisinsasse in die Irre führe. Tatsächlich seien entsprechende Persönlichkeitsmerkmale in der gesamten Gesellschaft verteilt zu finden, oft ohne dass die betroffenen Personen jemals justiziell auffällig würden. Als Beispiele für real existierende Personen mit ausgeprägt psychopathischen Zügen nannte er wiederholt straffällig gewordene oder öffentlich in Verruf geratene Persönlichkeiten aus dem echten Leben, nicht fiktive Filmfiguren. Auch auf mögliche praktische Anwendungen der Erkenntnisse ging der Forscher ein: Denkbar sei etwa ein niedrigschwelliges Screening-Verfahren, gerade weil Betroffene selbst in aller Regel weder eine Diagnose noch eine Behandlung anstreben.

Vorläufiger Status der Forschung

Die Ergebnisse wurden bei einer Fachtagung der Society for Neuroscience in Washington vorgestellt, an der tausende Fachleute teilnahmen. Eine Veröffentlichung in einer begutachteten Fachzeitschrift stand zum Zeitpunkt der Präsentation noch aus, weshalb die Befunde nach wissenschaftlichem Standard als vorläufig einzustufen sind. Wallisch selbst wies zudem darauf hin, dass die Auswahl der rund 260 ursprünglich getesteten Songs bewusst breit gefächert war und sowohl Chartstücke aus mehreren Jahrzehnten als auch stilprägende Titel unterschiedlichster Genres sowie eher unbekannte Musikrichtungen umfasste.

Nicht die einzige Studie zu diesem Themenfeld

Der NYU-Ansatz steht nicht allein da. Auch der Oxforder Psychologe Kevin Dutton sammelte im Rahmen einer Zusammenarbeit mit einem britischen Fernsehsender umfangreiche Daten zu musikalischen Vorlieben und weiteren Persönlichkeitsmerkmalen. Bei dieser deutlich größer angelegten Erhebung mit mehreren Millionen Teilnehmenden zeichnete sich ab, dass Rap-Musik bei Personen mit stärker ausgeprägten psychopathischen Zügen tendenziell beliebter war als Klassik oder Jazz.

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Washington Post, NYU Washington Square News, Bustle, Shortlist, Santa Fe New Mexican, Far Out Magazine, Maxim, Jewish World Review

 

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