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Colombian pop star Shakira performs at the Lincoln Memorial on the National Mall in Washington, D.C., Jan. 18, 2009, during the inaugural opening ceremonies. More than 5,000 men and women in uniform are providing military ceremonial support to the presidential inauguration, a tradition dating back to George Washington's 1789 inauguration.
Yeoman 1st Class Donna Lou Morgan, Public domain, via Wikimedia Commons

Mit einer aufwendig inszenierten Residency in der spanischen Hauptstadt verknüpft Shakira ihr musikalisches Comeback in Europa mit einer klaren gesellschaftspolitischen Botschaft. Die kolumbianische Sängerin hat Madrid als Schauplatz für insgesamt zwölf Konzerte im Rahmen ihrer Welttournee „Las Mujeres Ya No Lloran“ gewählt – und begründet diese Wahl explizit mit der Art und Weise, wie die Stadt mit lateinamerikanischer Zuwanderung umgeht. Nach eigener Darstellung wollte sie einen Ort für ihre Rückkehr auf die europäische Bühne finden, an dem die Präsenz lateinamerikanischer Communities nicht bloß hingenommen, sondern aktiv gefeiert werde.

Ein eigens errichtetes Stadion für ein kulturelles Großprojekt

Vom 18. September bis zum 11. Oktober 2026 tritt Shakira an zwölf Abenden im eigens für diesen Anlass errichteten Estadio Shakira im Madrider Stadtteil Villaverde auf. Die Konzerttermine verteilen sich auf vier Wochenendblöcke: 18. bis 20. September, 25. bis 27. September, 2. bis 4. Oktober sowie 9. bis 11. Oktober. Rund um die eigentlichen Shows entsteht auf einem weitläufigen Gelände ein temporärer Kulturkomplex mit Platz für mehr als 50.000 Besucher pro Abend. Unter dem von Shakira selbst kuratierten Titel „Es Latina“ sollen dort neben Konzerten auch Ausstellungen, Vorträge, Workshops, Filmvorführungen, kulinarische Angebote und literarische Veranstaltungen stattfinden. Die Idee dahinter: eine Art temporäre Parallelstadt innerhalb Madrids, die gemeinsame kulturelle Wurzeln zwischen Lateinamerika und Spanien sichtbar macht.

Ein offener Brief als politisches Manifest

Kurz vor Beginn der Konzertreihe veröffentlichte Shakira in der spanischen Tageszeitung El País einen ausführlichen persönlichen Text, in dem sie ihre Beweggründe darlegte. Darin beschreibt sie Spanien als ein Land, in dem lateinamerikanische Zuwanderung nicht bloß geduldet, sondern willkommen geheißen und als kulturelle Bereicherung wahrgenommen werde. Sie plädiert zudem dafür, den traditionellen Begriff der „Hispanidad“ um den weiter gefassten Begriff der „Latinidad“ zu ergänzen, um auch nicht-spanischsprachige Länder wie Brasilien sowie romanischsprachige Einflüsse aus Portugal, Italien und Frankreich einzuschließen. Ihre eigene Biografie beschreibt sie als Ausdruck genau jener kulturellen Vermischung aus Afrika, Amerika und Südeuropa, die sie mit ihrem Projekt feiern will. Jeder Konzertabend soll demnach mit einem großen Karneval enden, der diese Verschmelzung symbolisch zusammenführt – eine Inszenierung, die sich erkennbar an der literarischen Bildsprache von Gabriel García Márquez orientiert.

Ein aufgeladenes politisches Klima in Madrid

Die Wahl des Ortes ist alles andere als zufällig gewählt, denn die Region Madrid ist seit Jahren Schauplatz eines auffällig zweigeteilten Umgangs mit lateinamerikanischer Zuwanderung. Unter der seit Langem amtierenden konservativen Regionalregierung hat sich die Stadt zu einem bevorzugten Ziel für wohlhabende Zuwanderer aus Venezuela, Mexiko, Kolumbien und weiteren lateinamerikanischen Ländern entwickelt, begünstigt durch niedrige Vermögenssteuern und eine gezielt hispanophile Standortpolitik. Ganze Viertel der Stadt gelten inzwischen als bevorzugte Adressen vermögender Lateinamerikaner. Gleichzeitig wird der Regionalregierung vorgeworfen, mit ihrer Rhetorik der „guten“, weil sprachlich und kulturell nahen Zuwanderung eine Unterscheidung zu treffen, die ärmere und irreguläre Migration deutlich schlechter behandelt. Diese doppelte Haltung – Feierlichkeiten und symbolische Umarmung der „Hispanidad“ auf der einen, verschärfte Debatten über Migrationskontrolle und Verteilung von Geflüchteten auf der anderen Seite – prägt derzeit die politische Auseinandersetzung in Spanien, die zusätzlich durch aktuelle Diskussionen um die Lage an den südlichen Außengrenzen befeuert wird.

Geteiltes Echo in Spanien

Shakiras Text löste in den sozialen Netzwerken eine kontroverse Debatte aus. Während viele Nutzer die Botschaft als längst überfällige Würdigung der lateinamerikanischen Präsenz in Spanien begrüßten, kritisierten andere, die Sängerin spreche aus einer privilegierten Position heraus, die mit der Lebensrealität durchschnittlicher Zuwanderer wenig gemein habe. Mehrfach wurde ihr vorgeworfen, ein zu positives Bild zu zeichnen, das die Schwierigkeiten bei Wohnungssuche, Arbeitsmarktzugang oder Aufenthaltsregularisierung ausblende, mit denen ein Großteil der lateinamerikanischen Community in Spanien tatsächlich konfrontiert ist. Unabhängig von dieser Kontroverse verweisen Wirtschaftsdaten der spanischen Notenbank darauf, dass die eingewanderte Bevölkerung in den vergangenen Jahren einen erheblichen Anteil am spanischen Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum ausmachte – ein Aspekt, den Shakiras Botschaft implizit mitträgt, ohne ihn ausdrücklich zu benennen.

Eine Bühne mit doppeltem Boden

Mit ihrer Madrider Residency verbindet Shakira damit zwei Ebenen, die sich nur schwer trennen lassen: ein kommerziell außergewöhnlich erfolgreiches Tourneeprojekt und ein bewusst politisch aufgeladenes Statement zur Rolle lateinamerikanischer Zuwanderung in Europa. Ob das Projekt am Ende eher als Versöhnungsgeste oder als Beleg für die Widersprüchlichkeit der Madrider Willkommenskultur in Erinnerung bleibt, dürfte sich erst im Verlauf der zwölf Konzertabende zeigen.

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: El País, Pulzo, Infobae, La Nación, The Object, Billboard, Ticketmaster Blog, Tourismus Madrid, The Nation, Latinoamérica21, NZZ

 

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