
Carl Pocket, CC BY-SA 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>, via Wikimedia Commons
Sechzehn Jahre lang blieb es um ein reguläres Soloalbum von Erykah Badu still, abgesehen von einem Mixtape, das ihre Fangemeinde in der Zwischenzeit bei Laune hielt. Nun hat die Sängerin gemeinsam mit dem gefeierten Produzenten The Alchemist ein gemeinsames Werk vorgelegt, das keineswegs wie ein verspätetes Lebenszeichen wirkt, sondern wie eine Zusammenarbeit zweier Künstler, die genau wissen, was sie künstlerisch wollen. Das Album trägt den Titel „Before the World Blows: The Abi and Alan Experiment“ und erschien am 28. August 2026 über Control FREAQ Records in Zusammenarbeit mit Young Recordings.
Von einem Beat zu einer 18-monatigen Zusammenarbeit
Der Ursprung des Projekts reicht mehrere Jahre zurück. Badu erzählte ihrer langjährigen kreativen Weggefährtin Cold Cris, sie habe schon immer über einen Beat von The Alchemist rappen wollen, konkret über die Produktion zu Mobb Deeps Track „The Realest“ aus dem Jahr 1999. Nachdem die beiden Musiker schließlich zusammengebracht wurden, entstand aus diesem Wunsch bei ihrer ersten gemeinsamen Studiosession in Los Angeles der Song „Next 2 U“, der zum Ausgangspunkt für das gesamte Album wurde. In den folgenden anderthalb Jahren arbeiteten Badu und The Alchemist abwechselnd in Dallas und Los Angeles an dem Material. The Alchemist lieferte dabei instrumentale Skizzen, die Badu eigenständig zu vollständigen Songs weiterentwickelte und mit Elementen aus Soul, Blues, Funk, Rock, Jazz und Underground-Hip-Hop anreicherte. Badu betonte in diesem Zusammenhang öffentlich, dass sie als ausführende Produzentin von Beginn bis zum finalen Mix an dem Album beteiligt gewesen sei, und wehrte sich damit gegen die Vorstellung, es handle sich lediglich um ein von The Alchemist produziertes Soloalbum.
Sechzehn Songs zwischen Endzeitstimmung und Alltagsbeobachtung
Das fertige Album umfasst sechzehn Titel und eine Spielzeit von gut einer Stunde. Der ungewöhnliche Titel entstand nach Angaben Badus aus ihrer Beobachtung endloser beunruhigender Nachrichten beim Scrollen durch soziale Medien, verbunden mit dem Gedanken, man solle das Album lieber fertigstellen, bevor größere Krisen die Welt erschüttern. Inhaltlich beschäftigt sich das Werk jedoch weniger mit einem konkreten Weltuntergang als mit der Frage, was in unsicheren Zeiten schützenswert bleibt – Aufmerksamkeit, Humor, Begehren, Herkunft und die Freiheit, die eigene Meinung zu ändern. Musikalisch bewegt sich das Album zwischen psychedelischem Neo-Soul und experimentellem R&B, wobei die Produktion von The Alchemist mit ihren angestaubten Samples und ungewöhnlichen Klangtexturen für eine bewusst unaufgeräumte, atmosphärische Grundstimmung sorgt. Rezensenten beschreiben die Stimmungslage als hypnotisch, humorvoll, unmittelbar persönlich und schwer in eine Schublade einzuordnen.
Namhafte Gäste und musikalische Weggefährten
Das Album versammelt eine beachtliche Riege an Gastmusikern. Neben Westside Gunn, Steve Lacy und Thundercat sind unter anderem DRAM, Earl Sweatshirt, Joi sowie der Saxofonist Kamasi Washington vertreten, der den Schlusstrack „Black Box“ mit einem Chor- und Bläserarrangement veredelt. Auf dem Song „To the Moon (Plan C)“ tritt Badu gemeinsam mit Steve Lacy auf, dessen Stimme im Kontrast zu ihrer eigenen von Kritikern als besonders gelungenes Zusammenspiel hervorgehoben wurde. Auch der langjährige Badu-Mitstreiter DJ Quik wirkte an dem Projekt mit. Vorab veröffentlicht wurden bereits die Singles „Echos“, „Next 2 U“ sowie „Witch Doctor“, zu Letzterer erschien zudem ein von Badu selbst inszeniertes und mitgespieltes Musikvideo.
Zwischen Lob für die kreative Risikofreude und Kritik an der Überlänge
Die bisherigen Reaktionen auf das Album fallen überwiegend wohlwollend aus, wenn auch nicht uneingeschränkt euphorisch. Mehrere Musikpublikationen loben insbesondere die stimmliche Vielseitigkeit Badus, die zwischen Gesang, Rap und geschichteten Hintergrundstimmen wechselt, sowie die entspannte, gleichzeitig hochkomplexe Produktionsarbeit von The Alchemist. Kritisiert wird von einigen Stimmen die Länge des Albums, die nach Ansicht mancher Rezensenten eine straffere Auswahl der Titel vertragen hätte, sowie einzelne Skizzenhafte Songideen, die sich nicht vollständig entfalten. Andere Stimmen sehen gerade in dieser bewussten Unfertigkeit die Stärke des Werks, da sie zu einer neugierigen, sich noch immer wandelnden Künstlerin passe, anstatt lediglich vergangene Erfolge zu verwalten. Vereinzelt sorgte zudem der Einsatz KI-generierter visueller Elemente im Video zur Single „Next 2 U“ für Diskussionen innerhalb der Fangemeinde.
Tourdaten in Nordamerika
Im Anschluss an die Albumveröffentlichung gehen Erykah Badu und The Alchemist gemeinsam auf Tournee durch Nordamerika. Bislang bestätigt sind folgende Termine: 10. September in Highland Park, Illinois, im Ravinia Festival; 11. September in Sterling Heights, Michigan, im Michigan Lottery Amphitheatre; 13. September in Toronto in der RBC Amphitheatre; 15. September in Cleveland, Ohio, im Jacobs Pavilion; 17. September in Uncasville, Connecticut, in der Mohegan Sun Arena sowie 18. September in Forest Hills, New York.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: The Source, The FADER, Apple Music, Bandcamp/control FREAQ, Billboard, PRNewswire, NME, Album of the Year, Ratings Game Music, The Nerve, Shatter The Standards
