Erin Scott, Public domain, via Wikimedia Commons (cropped)
Kimmel entzieht Politik-Interview dem TV-Programm
Der US-Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel hat für Aufsehen gesorgt, weil er ein bereits aufgezeichnetes Gespräch mit einem demokratischen Senatskandidaten nicht wie ursprünglich vorgesehen in seiner Sendung bei ABC ausstrahlen will. Stattdessen soll das komplette Interview ausschließlich über den YouTube-Kanal der Show veröffentlicht werden. Kimmel begründete diesen Schritt öffentlich mit angeblichem Druck der US-Medienaufsichtsbehörde FCC.
Gespräch mit Talarico betroffen
Im Zentrum steht ein Interview mit James Talarico, der für die Demokraten um einen Senatssitz aus Texas kandidiert. Talarico liefert sich in dem traditionell stark republikanisch geprägten Bundesstaat ein ungewöhnlich enges Rennen mit seinem republikanischen Kontrahenten, dem texanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton. Die Wahlchancen der Demokraten in Texas gelten seit Jahrzehnten als gering, weshalb der knappe Wahlkampfverlauf bundesweit Beachtung findet.
Kimmel spricht von Drohungen
Kimmel erklärte in seiner Sendung, die Behörde habe ihn persönlich, seine Show, den Sender ABC sowie die angeschlossenen Lokalsender unter Druck gesetzt. Als Grund vermutete er redaktionelle Entscheidungen und die Auswahl bestimmter Gäste, die der Aufsicht offenbar missfallen. Er betonte, in mehr als zwei Jahrzehnten seiner Sendung problemlos politische Kandidaten eingeladen zu haben, darunter in der Vergangenheit auch prominente republikanische Politiker sowie den heutigen Präsidenten selbst, als dieser noch Kandidat war. Erst seit dessen Amtsantritt habe sich die Lage spürbar verändert, so der Moderator sinngemäß.
Rücksicht auf Lokalsender als Motiv
Als Grund für die Verlagerung ins Internet nannte Kimmel ausdrücklich die Sorge um die lokalen ABC-Partnersender, insbesondere jene in Texas, die im Fall einer Ausstrahlung möglicherweise selbst ins Visier der Aufsicht geraten könnten. Diese lokalen Stationen übernehmen das nationale ABC-Programm und damit auch Kimmels Sendung als festen Programmbestandteil. Um diese Sender nicht zusätzlicher Kritik oder regulatorischer Prüfung auszusetzen, entschied sich Kimmel dafür, das Gespräch komplett und unbearbeitet online bereitzustellen, wo die Zuständigkeit der Fernsehaufsicht nicht greift.
Vorgeschichte mit Sender und Aufsicht
Der Streit reiht sich in eine länger andauernde Auseinandersetzung zwischen Kimmel und Vertretern der aktuellen US-Regierung ein. Bereits zuvor war die Sendung nach kontroversen Äußerungen des Moderators im Zusammenhang mit der Tötung eines konservativen Aktivisten vorübergehend vom Sender ausgesetzt worden. Der Chef der Medienaufsichtsbehörde hatte in der Vergangenheit öffentlich infrage gestellt, ob Late-Night- und Daytime-Formate überhaupt als reguläre Nachrichtensendungen mit entsprechendem verfassungsrechtlichem Schutz gelten sollten. Der Sender selbst hatte die Behörde zwischenzeitlich sogar auf gerichtlichem Weg wegen möglicher Verfassungsverstöße angegriffen.
Auch Konkurrenzsender betroffen
Kimmel ist nach eigener Aussage nicht der einzige Late-Night-Moderator, der sich derartigem Druck ausgesetzt sieht. Bereits im Februar hatte ein Kollege bei einem anderen großen US-Sender berichtet, ein geplantes Gespräch mit demselben Senatskandidaten sei aus Furcht vor aufsichtsrechtlichen Konsequenzen kurzfristig aus dem Programm genommen worden. Beide Moderatoren äußerten sich öffentlich besorgt über eine schleichende Selbstzensur in der US-Medienlandschaft.
Reaktionen aus Politik und Aufsicht
Der Kandidat selbst reagierte auf die Entwicklung mit deutlicher Kritik an mächtigen Politikern und Medienverantwortlichen, die seiner Ansicht nach zunehmend Einfluss darauf nähmen, was Bürgerinnen und Bürger sehen, lesen und hören dürften. Er äußerte zugleich die Hoffnung, der Sender werde das Gespräch doch noch regulär ausstrahlen. Aus dem Weißen Haus kam hingegen der Vorwurf, Kimmel inszeniere die Angelegenheit lediglich. Innerhalb der Aufsichtsbehörde selbst meldete sich eine der Kommissarinnen kritisch zu Wort und sprach von einem Klima der Einschüchterung, das die Pressefreiheit sowie das Recht der Öffentlichkeit auf Information durch Wahlkandidaten gefährde. Sie wies zudem darauf hin, dass sich inzwischen bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate ein bekannter Late-Night-Moderator gezwungen gesehen habe, ein Interview aus Sorge vor behördlichem Druck zurückzuhalten.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: The Washington Post, PBS News, Texas Tribune, US News & World Report, NBC News, CNBC, The Hill, MS NOW, Rolling Stone Australia
