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Beat - Adrian Belew, Tony Levin, Steve Vai, and Danny Carey performing the music of 80s King Crimson. Sept 18 2024, Phoenix, Arizona.

Kevin Dooley, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Wenn die zweite Ära von King Crimson wieder auflebt

Im Jahr 2024 geschah etwas, das eingefleischte Anhänger des Progressive Rock kaum für möglich gehalten hätten: Zwei ehemalige Mitglieder von King Crimson taten sich mit zwei weiteren Ausnahmemusikern zusammen, um jene Ära der Band wieder zum Leben zu erwecken, die zwischen 1981 und 1984 mit den Alben „Discipline“, „Beat“ und „Three of a Perfect Pair“ geschrieben wurde. Das Ergebnis nennt sich schlicht BEAT – benannt nach dem mittleren der drei genannten Alben. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Quartett aus Gitarrist und Sänger Adrian Belew, Bassist und Stick-Virtuose Tony Levin, Gitarrengott Steve Vai sowie, in der ursprünglichen Besetzung, Tool-Schlagzeuger Danny Carey. Mit dem Segen von King-Crimson-Gründer Robert Fripp, der selbst nicht Teil des Projekts ist, zogen die vier durch Nordamerika, Europa und Asien und ließen ein Kapitel Musikgeschichte in neuem Glanz erstrahlen, das viele jüngere Hörer nie live erleben durften.

Die Genese eines ungewöhnlichen Bündnisses

Die Idee zu BEAT entstand aus einer Mischung aus persönlicher Freundschaft, langjähriger beruflicher Verbundenheit und dem Wunsch, ein musikalisches Erbe zu würdigen, das in den offiziellen King-Crimson-Auftritten der letzten Jahre kaum mehr Raum fand. Adrian Belew, der über Jahrzehnte hinweg das Gesicht und die Stimme dieser Ära von King Crimson gewesen war, hatte längst den Wunsch gehegt, diese Musik wieder auf die Bühne zu bringen. Tony Levin, der zusammen mit Belew, Fripp und Schlagzeuger Bill Bruford jene charakteristische Klangwelt geschaffen hatte, war rasch an Bord. Für die Gitarrenposition, die einst Robert Fripp innehatte, gewannen sie Steve Vai, der selbst über eine lange Wegstrecke mit Frank Zappa verbunden war – demselben Musiker, der auch Belews Karriere einst den entscheidenden Anstoß gab. Als vierten Mann verpflichteten sie Danny Carey, den Schlagzeuger von Tool, der seit langem öffentlich seine Verehrung für die Musik jener King-Crimson-Ära bekundet hatte und gelegentlich sogar mit einem T-Shirt der Band aufgetreten war. Belew beschrieb die Musik jener Jahre in einer Verlautbarung als zeitlos, schön, komplex und kraftvoll zugleich, und erklärte, das Ziel sei es, sie sowohl den damaligen Fans als auch einer neuen Generation von Hörern erneut erlebbar zu machen.

Wichtig war den Beteiligten dabei die Abgrenzung zu einer bloßen Coverband oder gar einer Anmaßung, im Namen von King Crimson aufzutreten. In Interviews betonten Belew, Levin und Vai unisono, dass es unpassend wäre, sich einfach als „King Crimson“ zu bezeichnen, wenn nicht die gesamte damalige Band anwesend ist. Gleichzeitig hoben sie hervor, dass immerhin die Hälfte der originalen Formation auf der Bühne stehe, was dem Projekt eine besondere Legitimität verleihe. Diese Balance zwischen Respekt vor dem Original und künstlerischer Eigenständigkeit prägt das gesamte Auftreten von BEAT bis heute.

 

Der Start: Eine ausverkaufte Tour durch Nordamerika

Die erste Tournee von BEAT begann im Herbst 2024 mit einem Auftakt in San Jose, Kalifornien, und führte die Band in gut sechzig Konzerten quer durch die Vereinigten Staaten und Kanada, ehe sie im November desselben Jahres in Las Vegas endete. Der Vorverkauf lief unter einem eigens für die Tour geschaffenen Code, und die Nachfrage übertraf die Erwartungen vieler Veranstalter deutlich. Im Anschluss an die nordamerikanische Etappe erweiterte die Band ihren Aktionsradius: 2025 folgten Auftritte in Asien, darunter ein vielbeachtetes Konzert im legendären Nippon Budokan in Tokio, einer der symbolträchtigsten Konzerthallen der Rockgeschichte. Für viele Beobachter war gerade dieser Auftritt ein Beleg dafür, dass BEAT sich innerhalb kürzester Zeit von einem Nischenprojekt für eingefleischte Fans zu einem international gefragten Live-Ereignis entwickelt hatte.

Aus den Mitschnitten dieser ersten anderthalb Jahre entstand 2025 ein offizielles Livealbum, das die Konzerterlebnisse der Tour von 2024 und 2025 dokumentiert und von Bob Clearmountain abgemischt wurde, einem der renommiertesten Toningenieure der Rockmusik. Die Veröffentlichung wurde von Fachmedien als Bestätigung dafür gewertet, dass BEAT weit über eine kurzfristige Nostalgiewelle hinausgehen sollte.

Ein Wechsel hinter dem Schlagzeug: Danny Carey verabschiedet sich vorübergehend

Im Spätsommer 2026 sorgte eine Ankündigung für Aufsehen: Danny Carey werde an der für Herbst 2026 geplanten US-Tournee von BEAT nicht teilnehmen können, da seine Verpflichtungen bei Tool dies nicht zuließen. An seiner Stelle rückte mit Terry Bozzio ein weiterer Schlagzeuger von Weltrang nach, der einst selbst mit Frank Zappa und später mit der Band Missing Persons für Aufsehen gesorgt hatte und damit ebenfalls über persönliche Verbindungen zu Steve Vai verfügt, der seinerseits einst Zappas Notentranskriptionen anfertigte. In offiziellen Stellungnahmen betonten sowohl Belew als auch Vai, dass Careys Beitrag zur Identität von BEAT unschätzbar gewesen sei. Vai bezeichnete Carey in diesem Zusammenhang als wahren Poeten des Beats, dessen Musikalität, Großzügigkeit, Humor und explosive Kreativität das Projekt zu weit mehr gemacht hätten als zu einer bloßen Hommage. Belew ergänzte, Carey bleibe trotz seiner Abwesenheit ein wesentlicher Teil der BEAT-Familie. Die Umbesetzung wurde damit nicht als Bruch, sondern als vorübergehende, freundschaftlich geregelte Änderung kommuniziert – ein Umstand, der angesichts der oft turbulenten Wechsel in der Rockgeschichte bemerkenswert erscheint.

 

Aktuelle Tourdaten

Für das Herbstjahr 2026 kündigte BEAT eine umfangreiche, vierzig Konzerte umfassende Tournee durch die Vereinigten Staaten an, die am 9. Oktober im kalifornischen Santa Cruz beginnt und am 3. Dezember im ebenfalls kalifornischen Riverside endet. Zwischen diesen beiden Terminen führt die Route die Band unter anderem nach Las Vegas, Phoenix, Denver, Chicago, Detroit, Toronto, Boston, Philadelphia und Atlanta, dazu an so bemerkenswerte Spielstätten wie das historische Grand Ole Opry House in Nashville, das Mohegan Sun Arena in Uncasville sowie das Paramount in Huntington. Anders als bei der ersten Tournee, die sich strikt auf die drei Alben aus den frühen 1980er-Jahren konzentrierte, kündigte die Band an, das Repertoire nun auch um Stücke aus der King-Crimson-Ära der 1990er-Jahre zu erweitern, was dem Publikum ein noch breiteres Klangspektrum bieten soll. Tony Levin beschrieb die bevorstehende Tournee als besonders intensiv, da die Band nicht nur vereinzelte Auftritte, sondern eine geballte Reihe von Terminen absolviere. Für jeden Tourstopp sind zudem exklusive Meet-and-Greet-Erlebnisse in mehreren Kategorien vorgesehen.

 

Adrian Belew: Der Mann mit der sprechenden Gitarre

Im Zentrum von BEAT steht mit Adrian Belew ein Musiker, dessen Lebensweg selbst für die an ungewöhnliche Biografien gewöhnte Rockwelt außergewöhnlich verläuft. Geboren wurde er am 23. Dezember 1949 als Robert Steven Belew im US-Bundesstaat Kentucky, in der Kleinstadt Covington. In seiner Jugend interessierte er sich zunächst für das Schlagzeug und spielte in der Marschkapelle seiner High School, ehe die Begegnung mit den Beatles ihn zur Gitarre brachte, die er sich weitgehend selbst beibrachte. Um das Jahr 1975 änderte er seinen Vornamen in Adrian, weil ihm dieser Name schlicht gefiel, und schloss sich einer Nashville-Coverband namens Sweetheart an.

Der entscheidende Wendepunkt seiner Karriere ereignete sich 1977, als Frank Zappa ihn in einem Nashville-Club spielen hörte und ihn zu einem Vorspiel einlud. Belew, der zu jener Zeit finanziell auf denkbar wackligen Beinen stand und mit einem klapprigen Volkswagen unterwegs war, wurde daraufhin Teil von Zappas Band und begleitete ihn bis zum Abschluss von dessen US-Tournee 1978. Noch während dieser Tournee wurde David Bowie auf Belew aufmerksam und engagierte ihn umgehend für eine eigene Konzertreise sowie für Studioaufnahmen, aus denen unter anderem die Alben „Lodger“ und „Stage“ hervorgingen. Über die Bowie-Tournee lernte Belew auch die Talking Heads kennen, mit denen er kurz darauf auf den Alben „Remain in Light“ sowie dem Livealbum „The Name of This Band Is Talking Heads“ zusammenarbeitete. In dieser Zeit entstand zudem seine Beteiligung am Nebenprojekt Tom Tom Club der Talking-Heads-Mitglieder Chris Frantz und Tina Weymouth, für das er am Hit „Genius of Love“ mitschrieb.

Ebenfalls während der Talking-Heads-Zeit traf Belew erstmals auf Robert Fripp, der ihn einlud, bei der geplanten Wiederbelebung von King Crimson die zweite Gitarre zu übernehmen. Bemerkenswerterweise erhielt Belew zur selben Zeit auch das Angebot, als Leadgitarrist bei den kommerziell weitaus erfolgreicheren Talking Heads einzusteigen und damit indirekt Gründungsmitglied David Byrne zu ersetzen. Er entschied sich jedoch für das Wagnis King Crimson, eine Entscheidung, die seine Karriere fortan prägen sollte. Von 1981 bis in die späten 2000er-Jahre hinein war er, mit Unterbrechungen, Sänger, zweiter Gitarrist, gelegentlicher Schlagzeuger und faktischer Frontmann der Band – eine der längsten Mitgliedschaften in der Geschichte von King Crimson überhaupt, übertroffen nur von Fripp selbst. In einem späteren Interview mit einem US-Musikmagazin ließ Belew durchblicken, dass die Zeit in der Band künstlerisch zwar außerordentlich lohnend, menschlich jedoch nicht immer einfach gewesen sei, ohne dies öffentlich weiter auszuführen.

Parallel zu King Crimson baute Belew eine umfangreiche Solokarriere auf. Bereits 1982 erschien mit „Lone Rhino“ sein Debütalbum, das unter anderem ein Duett mit seiner damals vierjährigen Tochter Audie enthielt. Dieses Vater-Tochter-Motiv griff er 1989 erneut auf, als das Lied „Oh Daddy“ – ein augenzwinkerndes Duett mit der inzwischen elfjährigen Audie – in die US-Single-Charts einstieg. Belew veröffentlichte im Lauf der Jahrzehnte rund zwanzig Soloalben, gegründet auf Labels wie Island und Atlantic, die zwischen eingängigem, von den Beatles inspiriertem Pop-Rock und avantgardistischeren Klangexperimenten pendeln. 2005 wurde seine Single „Beat Box Guitar“ für einen Grammy in der Kategorie Beste Rock-Instrumentalaufführung nominiert. Seit 1987 ist er zudem festes Mitglied der Band The Bears, mit der er mehrere Alben veröffentlichte. Als Produzent und Gastmusiker arbeitete er außerdem mit Paul Simon, Mike Oldfield, Jean-Michel Jarre, Nine Inch Nails, Herbie Hancock, Ryuichi Sakamoto, Porcupine Tree sowie mit Laurie Anderson zusammen, deren handbemalte Gitarre er zeitweise spielte. 1990 kehrte er zudem als musikalischer Leiter an die Seite von David Bowie zurück und begleitete dessen „Sound and Vision“-Tournee.

In seinem Privatleben durchlebte Belew einschneidende Veränderungen: Seine erste Ehe mit Margaret, aus der Tochter Audie sowie weitere Kinder hervorgingen, endete in einer Scheidung, die er künstlerisch auf seinem 1992 erschienenen Album „Inner Revolution“ verarbeitete. Später heiratete er erneut, seine Ehefrau Martha, mit der er weitere Kinder hat. Musikalisch nennt Belew insbesondere Frank Zappa, David Bowie und Robert Fripp als prägende Förderer und Mentoren, deren unterschiedliche Herangehensweisen an Musik und Bühnenpräsenz seinen eigenen, unverwechselbaren Stil formten – jenen Stil, der Gitarrentöne wie Autohupen, Elefanten oder ein störrisches Einwahlmodem klingen lassen kann.

 

Tony Levin: Der Mann mit dem Chapman Stick

Kaum weniger prägend für den Sound der 1980er-Jahre-Ära von King Crimson ist Bassist Tony Levin, mit vollem Namen Anthony Frederick Levin, geboren am 6. Juni 1946 in Boston, Massachusetts, aufgewachsen im Vorort Brookline. Bereits im Alter von zehn Jahren begann er mit dem Kontrabassspiel, in der High School kamen Tuba und eine selbstgegründete Barbershop-Gruppe hinzu. Sein Interesse galt zunächst vor allem der klassischen Musik; er studierte am renommierten Eastman School of Music, wo er unter anderem Gelegenheit hatte, unter der Leitung des Komponisten Igor Strawinsky zu spielen und mit dem Rochester Philharmonic Orchestra aufzutreten. Aus dieser Zeit stammt auch seine Freundschaft mit dem späteren Schlagzeuger Steve Gadd.

Nach dem Studium zog Levin nach New York und wurde binnen kurzer Zeit einer der gefragtesten Session-Bassisten seiner Generation. 1977 begann seine bis heute andauernde Zusammenarbeit mit Peter Gabriel, dessen Solokarriere er von Anbeginn an als fester Bassist begleitete – mit Ausnahme einzelner Titel, auf denen andere Bassisten zum Einsatz kamen. Über die Aufnahmen zu Gabriels erstem Soloalbum lernte Levin auch Robert Fripp kennen; nachdem er 1980 auf dessen Soloalbum „Exposure“ mitgewirkt hatte, wurde er im Jahr darauf Teil der neu formierten Band King Crimson, mit der er zunächst von 1981 bis 1984 spielte und später, mit mehreren Unterbrechungen, bis in die 2020er-Jahre hinein verbunden blieb. In King Crimson entwickelte sich Levin zu einem der weltweit anerkanntesten Spieler des von Emmett Chapman erfundenen Chapman Sticks, eines zehn- bis zwölfsaitigen Instruments, das durch beidhändiges Anschlagen der Saiten gespielt wird und gleichzeitig Bass- und Melodiestimmen erzeugen kann. Levin gilt als einer der frühesten und einflussreichsten Verfechter dieses ungewöhnlichen Instruments.

Aus der Zusammenarbeit mit Peter Gabriel entstand zudem eine kuriose technische Innovation: Für den Song „Big Time“ auf Gabriels Album „So“ entwickelte Levin die sogenannten Funk Fingers, abgesägte Trommelstockspitzen, die er sich an die Finger steckte, um die Basssaiten damit anzuschlagen – eine Idee, die er selbst auf einen Vorschlag Gabriels zurückführt. Neben seiner Arbeit mit Gabriel und King Crimson zählt Levin zu den meistbeschäftigten Studiomusikern der Rockgeschichte: Er ist auf über fünfhundert Alben zu hören, darunter John Lennons und Yoko Onos „Double Fantasy“, Pink Floyds „A Momentary Lapse of Reason“, auf dem er sämtliche Bass- und Stick-Parts einspielte, sowie Aufnahmen mit Buddy Rich, Lou Reed, Paul Simon, Carly Simon, Cher, Alice Cooper und dem Yes-Album „Union“. Levin gründete zudem mehrere eigene Projekte, darunter Bruford Levin Upper Extremities mit dem früheren King-Crimson-Schlagzeuger Bill Bruford, die Formation HoBoLeMa sowie seit 2010 seine eigene Band Stick Men. Auch als Mitglied von Liquid Tension Experiment, einem Zusammenschluss mit unter anderem dem Dream-Theater-Keyboarder Jordan Rudess, ist er seit den späten 1990er-Jahren immer wieder aktiv. Levin veröffentlichte darüber hinaus mehrere Soloalben sowie gemeinsam mit seinem ebenfalls musikalisch tätigen älteren Bruder Pete Levin das Album-Projekt Levin Brothers.

Über seine musikalische Arbeit hinaus machte sich Levin auch als einer der ersten Musiker im Internetzeitalter einen Namen: Bereits 1983 tauschte er über einen frühen Tandy-Computer elektronische Nachrichten mit dem Management von King Crimson und Peter Gabriel aus, um seine Tourneetermine zu koordinieren – zu einer Zeit, als E-Mail-Kommunikation im Musikgeschäft noch eine seltene Ausnahme darstellte. Levin ist zudem ein passionierter Fotograf: Seine während der Tourneen mit Crimson, Gabriel und anderen entstandenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen veröffentlichte er in mehreren Fotobüchern, darunter „Road Photos“ und „The Crimson Chronicles“. Kolleginnen und Kollegen beschreiben ihn übereinstimmend als humorvollen und technikaffinen Menschen.

 

Steve Vai: Vom Notentranskribenten zum Gitarrengott

Steven Siro Vai wurde am 6. Juni 1960 in Carle Place auf Long Island, New York, geboren – ein Datum, das ihm den kuriosen Fun Fact einbrachte, seinen sechsten Geburtstag am 6.6.1966 gefeiert zu haben. Der Zugang zur Rockmusik erfolgte früh, maßgeblich beeinflusst durch seine ältere Schwester, die glühender Led-Zeppelin-Fan war; Jimmy Page nennt Vai bis heute als seinen ersten großen Einfluss, ergänzt um Vorbilder wie Jimi Hendrix, Jeff Beck, Ritchie Blackmore und Brian May sowie, aus dem Bereich von Jazzrock und Avantgarde, Allan Holdsworth und eben Frank Zappa. Bereits im Alter von sieben Jahren soll Vai seine erste eigene Band gegründet haben. Ab seinem dreizehnten Lebensjahr erhielt er über mehrere Jahre hinweg Gitarrenunterricht von seinem Nachbarn Joe Satriani, der später selbst zu einem der bekanntesten Instrumentalgitarristen der Welt werden sollte und mit dem Vai bis heute freundschaftlich verbunden ist. Nach der High School besuchte er kurzzeitig das renommierte Berklee College of Music in Boston, wo er sich fundierte musiktheoretische Kenntnisse sowie besondere Fähigkeiten in Notation und Transkription aneignete.

Diese Fähigkeiten waren es auch, die ihm den entscheidenden Karrieresprung ermöglichten: Ab 1979 fertigte Vai im Auftrag von Frank Zappa komplexe Notentranskriptionen von dessen Gitarrensoli an, ehe er zwischen 1980 und 1982 selbst Mitglied von Zappas Band wurde. Zappa verlieh ihm aufgrund seiner technischen Virtuosität den bis heute mit ihm verbundenen Beinamen „Stunt-Gitarrist“. Nach seinem Ausstieg bei Zappa zog Vai nach Kalifornien und begann eine Solokarriere, die er 1984 mit dem Album „Flexable“ einleitete. In der Folge ersetzte er kurzzeitig Yngwie Malmsteen bei der Band Alcatrazz, ehe ihn 1985, vermittelt durch seinen Freund und Kollegen Billy Sheehan, das Angebot ereilte, bei der neu gegründeten Band des früheren Van-Halen-Sängers David Lee Roth einzusteigen. Mit Roth veröffentlichte Vai die Alben „Eat ‚Em and Smile“ (1986), das Platz vier der Billboard-Charts erreichte, sowie „Skyscraper“ (1988). Nach dem Ende der begleitenden Welttournee 1989 wechselte Vai zu Whitesnake, wo er, da der eigentlich vorgesehene Gitarrist Adrian Vandenberg verletzungsbedingt ausfiel, sämtliche Gitarrenparts des Albums „Slip of the Tongue“ selbst einspielte.

Ab 1990 konzentrierte sich Vai wieder verstärkt auf seine Solokarriere und wurde zu einem der einflussreichsten Instrumentalgitarristen seiner Generation. Insgesamt erhielt er sieben Grammy-Nominierungen; seinen ersten Gewinn verbuchte er 1993 in der Kategorie Beste Rock-Instrumentalaufführung für seine Coverversion von „Sofa“ auf dem Album „Zappa’s Universe“, einen weiteren 2002 als Produzent in der Kategorie Bestes Pop-Instrumentalalbum für „No Substitutions“ von Larry Carlton und Steve Lukather. Im Jahr 2000 gründete er sein eigenes Musiklabel Favored Nations Entertainment, über das er unter anderem Kolleginnen und Kollegen wie Larry Carlton und Steve Lukather veröffentlichte. In den 2000er- und 2010er-Jahren arbeitete Vai zudem mehrfach mit renommierten Orchestern zusammen, etwa dem Metropole Orkest und dem Noord Nederlands Orkest, und wirkte an Aufnahmen mit Künstlern wie Alice Cooper, Al Di Meola, Ozzy Osbourne, Public Image Limited, Joe Jackson, Motörhead, den Yardbirds und Eros Ramazzotti mit.

In seinem Privatleben ist Vai seit vielen Jahren mit Pia Maiocco verheiratet, der früheren Bassistin der Rockband Vixen. Sozial engagiert sich Vai über die 1988 gemeinsam mit Richard Pike gegründete Make A Noise Foundation, die Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Verhältnissen den Zugang zu Musikinstrumenten und Musikunterricht ermöglicht. Innerhalb der National Academy of Recording Arts and Sciences, der Organisation hinter den Grammy Awards, sitzt Vai zudem im Aufsichtsrat.

Danny Carey: Der mystische Rhythmiker aus Kansas

Der vierte im Bunde und ursprüngliche Schlagzeuger von BEAT, Daniel Edwin Carey, wurde am 10. Mai 1961 in Lawrence, Kansas, geboren und wuchs im nahegelegenen Paola in einer Familie der Mittelschicht auf; sein Vater arbeitete als Manager bei einer großen Versicherungsgesellschaft, seine Mutter als Lehrerin. Carey hat zwei Brüder. Zu seinen frühesten musikalischen Erinnerungen zählt ein Besuch der Musikbibliothek der University of Kansas mit seinem Vater, bei dem er erstmals Gustav Holsts Orchesterwerk „Die Planeten“ hörte. Im Alter von zehn Jahren trat er einer Schulband bei und nahm Privatunterricht auf der kleinen Trommel, wobei er auch das Spiel auf Bongos erlernte; zwei Jahre später wechselte er zum vollständigen Schlagzeug. In seinem Abschlussjahr an der High School schloss er sich einer Jazzband an und erhielt ein Stipendium für das Konservatorium für Musik in Kansas City. Anschließend studierte er an der University of Missouri-Kansas City Schlagzeug und vertiefte sich dabei zugleich in Geometrie, Naturwissenschaften und Metaphysik – Interessen, die bis heute in seinem künstlerischen Selbstverständnis nachwirken.

1986 verließ Carey die Universität und zog nach Los Angeles, wo er zunächst als Studioschlagzeuger arbeitete, unter anderem für die Sängerin Carole King, und Liveaufnahmen mit der Band Pigmy Love Circus einspielte. 1990 stieß er zu den Musikern Maynard James Keenan und Adam Jones, die zuvor vergeblich nach einem Schlagzeuger gesucht hatten, und wurde damit Gründungsmitglied der Band Tool, mit der er in den folgenden Jahrzehnten zu einem der einflussreichsten Schlagzeuger des Progressive Metal avancierte. Tool-Alben wie „Ænima“, „Lateralus“ und „Fear Inoculum“ verkauften sich weltweit millionenfach und prägten eine ganze Generation von Musikerinnen und Musikern. Der Rolling Stone listete Carey 2016 unter den bedeutendsten Schlagzeugern aller Zeiten.

Neben Tool blieb Carey stets auch anderen musikalischen Projekten treu: Er spielte unter anderem bei den Bands Volto! und Legend of the Seagullmen, wirkte bei Pigface, Zaum sowie Green Jellÿ mit, war auf Alben von Skinny Puppy zu hören und nahm gemeinsam mit Adrian Belew und Bassist Les Claypool an dessen Solowerken teil – eine Verbindung, die rückblickend als früher Vorbote seiner späteren BEAT-Mitgliedschaft gelesen werden kann. Carey interessiert sich zudem für Okkultismus und magische Symbolik, was sich unter anderem in geometrischen Mustern und Symbolen der sogenannten Henochischen Sprache niederschlägt, die er auf seinem Schlagzeug anbringen ließ; seine Spieltechnik orientiert sich teilweise an geometrischen Figuren wie dem Hexagramm.

In seinem Privatleben ist Carey seit dem 23. März 1997 mit seiner Frau Sabine verheiratet. Ein einschneidender familiärer Verlust ereignete sich am 22. Dezember 2013, als sein Vater, der Freimaurer gewesen war, an den Folgen eines Schlaganfalls verstarb. Im Dezember 2021 geriet Carey zudem in die Schlagzeilen, als er am Flughafen Kansas City International wegen eines mutmaßlichen Vorfalls festgenommen wurde, bei dem ihm die Verwendung einer homophoben Beleidigung sowie ein tätliches Anrempeln einer anderen Person vorgeworfen wurde; er wurde daraufhin wegen eines städtischen Tatbestands der Körperverletzung angeklagt. Die Anklage wurde im Januar 2023 fallengelassen. Bei BEAT übernahm Carey von Beginn an eine tragende Rolle und wurde von seinen Bandkollegen wiederholt als kreativer Motor beschrieben, dessen Beitrag weit über reines Schlagzeugspiel hinausging.

 

Bühne als Erlebnisraum: Besondere Konzertmomente

Wer ein BEAT-Konzert besucht, erlebt nicht nur die akribische Nachbildung komplexer Kompositionen, sondern auch eine ausgesprochen theatralische Inszenierung. Konzertberichte beschreiben etwa, wie Danny Carey und Adrian Belew den Song „Waiting Man“ gemeinsam als Duo eröffneten, ehe die übrigen Musiker nach und nach von der Seitenbühne dazustießen – ein dramaturgischer Kniff, der die ursprüngliche King-Crimson-Inszenierung bewusst zitierte. Auffällig war zudem der optische Kontrast zwischen dem hochgewachsenen Carey hinter seinem ausladenden Schlagzeugaufbau und dem eher zierlichen Belew, der neben ihm geradezu winzig wirkte. Steve Vai wiederum sorgte während mancher Konzertpausen für Aufsehen, indem er zwischen den Sets nahezu komplette Kostümwechsel vornahm und in auffällig bestickten Hosen zur zweiten Hälfte des Abends zurückkehrte. Die Konzerte gliederten sich dabei oft in zwei Blöcke, wobei der erste Teil verstärkt Stücke von „Beat“ und „Three of a Perfect Pair“ bot, während der zweite Teil sich dem ursprünglichen, 1981 erschienenen Album „Discipline“ widmete – jenem Werk, mit dem die Kombination aus Fripp, Bruford, Belew und Levin einst die zweite Ära von King Crimson einleitete.

Bedeutung und Einordnung

BEAT lässt sich kaum in die gängige Kategorie einer bloßen Tribute-Band einordnen. Zu eng sind die biografischen und musikalischen Verflechtungen der beteiligten Musiker mit dem Originalmaterial, zu hoch das spielerische Niveau, mit dem sie es reinterpretieren. Für Adrian Belew und Tony Levin bedeutet das Projekt eine Rückkehr zu Klängen, die sie einst selbst mitgeschaffen haben; für Steve Vai, der seine eigene musikalische Sozialisation ebenfalls maßgeblich Frank Zappa verdankt, schließt sich mit BEAT ein Kreis zu genau jenem Umfeld, aus dem auch die frühere King-Crimson-Besetzung ihre experimentelle Energie bezog. Der Wechsel von Danny Carey zu Terry Bozzio für die Herbsttournee 2026 zeigt zugleich, wie sehr das Projekt inzwischen als eigenständige, über einzelne Besetzungen hinausgehende Institution innerhalb der Progressive-Rock-Szene wahrgenommen wird – vergleichbar mit einem Ensemble, das größer ist als jede einzelne seiner wechselnden Stimmen.

Diskografie

Beat (Livealbum, 2025) – dokumentiert Konzertmitschnitte der Nordamerika- und Asientourneen von 2024 und 2025, abgemischt von Bob Clearmountain.

King Crimson – Discipline (1981)
King Crimson – Beat (1982)
King Crimson – Three of a Perfect Pair (1984)

Ausgewählte Werke der Bandmitglieder aus ihrer Zeit mit King Crimson und darüber hinaus:
Adrian Belew – Lone Rhino (1982), Twang Bar King (1983), Desire Caught by the Tail (1986), Mr. Music Head (1989), Inner Revolution (1992), Op Zop Too Wah (1996)
Tony Levin – World Diary (1985), Waters of Eden (2000), Resonator (2006), Stick Man (2007), Pieces of the Sun (2011)
Steve Vai – Flexable (1984), Passion and Warfare (1990), Sex & Religion (1993), Fire Garden (1996), Alive in an Ultra World (2001), Inviolate (2022)
Danny Carey (mit Tool) – Undertow (1993), Ænima (1996), Lateralus (2001), 10,000 Days (2006), Fear Inoculum (2019)

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

Quellen: Wikipedia (Deutsch und Englisch), Ultimate Classic Rock, Consequence, Blabbermouth.net, JamBase, The Prog Report, KNAC.com, Guitar World, Relix, AllMusic, Encyclopedia.com, Last.fm, sonor.com, Rochester Music Hall of Fame, Music Museum of New England, Bonedo, laut.de, six-strings.de, Kemi Filani News, Mabumbe, thefamouspeople.com, musicianguide.com, Live Nation

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