Super Festivals, CC BY 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/4.0>, via Wikimedia Commons
Ein Geständnis, das niemand erwartet hätte
Der schwedische Actionstar Dolph Lundgren galt jahrzehntelang als Inbegriff kompromissloser Härte auf der Leinwand. Mit seinen neuen Memoiren „Fights Worth Fighting: Finding Strength in Struggle“, die am heutigen Tag beim Verlag Harper Horizon erscheinen, zeigt der 68-Jährige jedoch eine Seite von sich, die viele Fans überraschen dürfte. Auf den Seiten des Buches spricht Lundgren so offen über seine Krebserkrankung, seine seelische Erschöpfung und existenzielle Ängste, wie er es öffentlich bislang nicht getan hat.
Eine Diagnose, die Jahre lang Bestand hatte
Im Jahr 2015 erhielt Lundgren die Nachricht, dass sich in seiner Niere ein Tumor gebildet hatte. Dieser wurde operativ entfernt, halbjährliche Kontrolluntersuchungen folgten. Fünf Jahre lang schien alles unter Kontrolle. Bei einem Heimatbesuch in Schweden im Jahr 2020 bemerkte der Schauspieler jedoch ungewöhnlich starkes Sodbrennen. Eine anschließende Untersuchung förderte mehrere neue Geschwulste zutage, sechs davon wurden operativ entfernt. Kurz darauf entdeckten Mediziner einen weiteren, zitronengroßen Tumor in der Leber, der sich nicht ohne Weiteres beseitigen ließ. In seinen Memoiren schildert Lundgren, wie ihm damals eine Lebenserwartung von lediglich zwei bis drei Jahren in Aussicht gestellt wurde.
Gespräche über einen selbstbestimmten Tod
Besonders eindringlich beschreibt Lundgren in seinem Buch eine Phase tiefer Verzweiflung, in der er mit seinem Bruder Johan über die Möglichkeit eines assistierten Sterbens sprach. Nach eigenen Angaben hatte er zu diesem Zeitpunkt beinahe jede Hoffnung verloren und rang mit depressiven Verstimmungen. Konkrete Pläne für einen solchen Schritt seien mit seinem Bruder erörtert worden, kamen jedoch letztlich nicht zur Ausführung.
Die Wende durch eine zweite ärztliche Meinung
Den entscheidenden Wendepunkt beschreibt Lundgren im Zusammentreffen mit der Onkologin Dr. Alexandra Drakaki. Neue Untersuchungen und Gewebeproben, die sie veranlasste, brachten eine überraschende Erkenntnis: Statt des ursprünglich diagnostizierten Nierenkrebses handelte es sich tatsächlich um eine Krebserkrankung der Lunge. Diese Neubewertung ermöglichte eine angepasste Behandlungsstrategie, unter der sich der Gesundheitszustand des Schauspielers spürbar besserte. Im Jahr 2024 verkündete Lundgren schließlich, krebsfrei zu sein.
Private Aufnahmen als Teil einer Dokumentation
Parallel zu den Memoiren rückt auch ein Dokumentarfilm die Krankheitsgeschichte des Schauspielers in den Fokus. Unter dem Titel „Dolph: Unbreakable“ entstand über Jahre hinweg ein Porträt, das ursprünglich als reine Karrierechronik geplant war. Während der Dreharbeiten verschlechterte sich Lundgrens Zustand jedoch erneut, woraufhin seine Ehefrau Emma Krokdal begann, private Momente aus Krankenhausaufenthalten selbst mit der Kamera festzuhalten. Diese sehr persönlichen Aufnahmen wurden in der Folge zu einem zentralen Bestandteil des Films, der seine Weltpremiere bereits 2025 beim Toronto International Film Festival feierte. In Nordamerika soll die Dokumentation im Oktober über Streamingdienste verfügbar sein, ein deutscher Starttermin steht bislang noch nicht fest.
Vom Chemiestudenten zum Weltstar
Bevor Lundgren als furchteinflößender Boxer Ivan Drago in „Rocky IV“ 1985 zum internationalen Star wurde, hatte er in Stockholm und Sydney ein Studium der Chemietechnik abgeschlossen und war zudem als Kampfsportler erfolgreich. Seither wirkte er in mehr als neunzig überwiegend actionlastigen Filmproduktionen mit, unter anderem in den Reihen „Universal Soldier“, „The Expendables“ und „Aquaman“. Auch als Regisseur, Produzent und Autor blieb er der Branche verbunden. Bereits 2020 veröffentlichte er mit „Extreme Fitness: How to Train Like an Action Hero“ ein erstes Buch zu Fitness- und Gesundheitsthemen.
Stärke neu definiert
Im Zentrum seiner neuen Memoiren steht für Lundgren ein Begriff, den er neu deuten will: Stärke bedeute für ihn längst nicht mehr das, was die meisten Menschen darunter verstehen. Nach eigener Aussage betrachtet er seine offene Auseinandersetzung mit Krankheit, Angst und Verletzlichkeit als wichtigen Teil seines Vermächtnisses und hofft, damit anderen Betroffenen in ähnlichen Situationen Mut machen zu können.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Rolling Stone, Serienjunkies, Promiflash, Yahoo Entertainment, Fitbook, Wikipedia
