
Sven Mandel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Trauer in der Hardrock-Welt
Die australische Hardrock-Formation Rose Tattoo hat am Mittwoch den Tod ihres langjährigen Sängers Gary „Angry“ Anderson bekannt gegeben. Er verstarb bereits am Abend des 21. September 2026, umgeben von seinen Liebsten in seiner Heimat Australien. Anderson wurde 79 Jahre alt. In der Mitteilung von Familie und Band wird er als hingebungsvoller Vater, geschätzter Freund und Bandkollege sowie als geachtetes Mitglied der gesamten Musikszene gewürdigt. Angehörige und Musiker bitten darum, ihre Privatsphäre zu respektieren. Interviews wird es vorerst nicht geben. Zum Abschied griff die Band Andersons persönliches Motto auf, das dazu aufruft, jung zu bleiben und stark zu werden.
Von der Abschiedstournee ins Krankenhaus
Die letzten Wochen des Sängers waren von gesundheitlichen Rückschlägen überschattet. Rose Tattoo waren im Sommer 2026 anlässlich ihres fünfzigjährigen Bestehens in Europa unterwegs, die Reise wurde als große Abschiedstour angekündigt. Ende Juli stand die Band noch auf der Bühne des Wacken Open Air, Anfang August folgte ein Konzert in Oslo. Am 9. August musste der Auftritt beim Alcatraz Metal Festival kurzfristig ausfallen, weil Anderson wegen eines medizinischen Problems in einem deutschen Krankenhaus behandelt wurde. Einen Tag später strich die Band sämtliche verbleibenden Europatermine. Ende August machte die Gruppe öffentlich, dass ihr Sänger einen Herzstillstand erlitten hatte. Anderson kehrte anschließend nach Australien zurück.
Vom Melbourner Kneipenrock zur Legende
Gary Stephen Anderson kam am 5. August 1947 in Melbourne zur Welt. In den frühen Siebzigern sang er bei Buster Brown, einer Formation, in der auch der spätere AC/DC-Schlagzeuger Phil Rudd spielte. 1976 zog es ihn nach Sydney, wo er bei Rose Tattoo einstieg, die der Slide-Gitarrist Pete Wells gegründet hatte. Mit rauem Gesang, kahl rasiertem Schädel und kompromissloser Bühnenpräsenz wurde er zum Gesicht der Band. Songs wie „Bad Boy for Love“, „Rock ’n’ Roll Outlaw“ und „We Can’t Be Beaten“ machten die Gruppe weit über Australien hinaus bekannt. Das Album „Assault and Battery“ stieg zeitweise an die Spitze der britischen Heavy-Metal-Charts. Nach der Auflösung 1987 fand die Band Anfang der Neunziger noch einmal kurz zusammen und ist seit 1998 dauerhaft wieder aktiv. Das bislang letzte Album „Outlaws“ erschien 2020, bereits 2006 wurde die Gruppe in die ARIA Hall of Fame aufgenommen.
Ein Balladenhit und das Leben abseits der Bühne
Solo gelang Anderson 1987 mit der Ballade „Suddenly“ sein größter Erfolg. Der Song lief in der Seifenoper „Neighbours“ während der Hochzeit von Scott und Charlene und erreichte in Australien Platz zwei sowie in Großbritannien Platz drei der Charts. Auch international war das Lied erfolgreich, unter anderem in Irland, Belgien und den Niederlanden. Neben der Musik arbeitete Anderson als Schauspieler und Fernsehmoderator und engagierte sich über Jahre für wohltätige Zwecke sowie für Jugendliche. Für seine Verdienste wurde er mit dem Order of Australia ausgezeichnet. In späteren Jahren sorgte er zudem mit umstrittenen Äußerungen zum Islam für Kritik und öffentliche Debatten.
Stimmen des Abschieds
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht meldeten sich Weggefährten und Kollegen zu Wort, darunter Skid-Row-Sänger Sebastian Bach. Informationen zu einer Trauerfeier oder möglichen Gedenkveranstaltungen liegen bislang nicht vor. Auch zur Zukunft von Rose Tattoo hat sich die Band noch nicht geäußert. Mit Anderson verliert die Rockwelt einen der letzten großen Vertreter des australischen Pub-Rock, dessen Stimme und Haltung mehrere Generationen von Fans geprägt haben.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
Quellen: Metal Hammer, t-online, ABC News, Consequence, Schlagerplanet, NZ Herald, The Music, Rose Tattoo Official Website, Wikipedia
