
Ein Projekt wird angehalten
Netflix hat die dreiteilige Dokureihe „Hunting Gary Glitter“ nur wenige Wochen vor dem geplanten Start am 14. Oktober 2026 auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Streamingdienst begründet den Schritt mit rechtlichen Erkenntnissen, die ihm erst kürzlich bekannt geworden seien. Einzelheiten nannte ein Unternehmenssprecher nicht. Er stellte lediglich in Aussicht, sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu äußern. Ein neuer Veröffentlichungstermin steht nicht fest.
Trailer verschwindet aus dem Netz
Erst rund eine Woche zuvor hatte Netflix den ersten Trailer samt Starttermin veröffentlicht. Inzwischen ist der Clip vom YouTube-Kanal des Dienstes entfernt worden, auch weitere Materialien wurden aus dem Pressebereich genommen. Damit zieht das Unternehmen die Ankündigung praktisch vollständig zurück.
Worum es in der Serie geht
Die Produktion stammt von Voltage TV, Regie führte Sebastian Smith. Die Reihe begleitet Reporter, Ermittler und Fotografen, die den ehemaligen Glam-Rock-Star über Jahre hinweg verfolgten, unter anderem nach Kuba, Kambodscha und Vietnam. Auch Betroffene kommen zu Wort. Erzählt wird, wie der Sänger seine Popularität ausnutzte und sich über Jahre dem Zugriff der Justiz zu entziehen versuchte.
Die strafrechtliche Vorgeschichte
Der Mann, der bürgerlich Paul Gadd heißt, wurde 1999 wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials verurteilt. 2006 folgte in Vietnam eine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs zweier Mädchen. 2015 sprach ihn ein britisches Gericht schuldig, drei minderjährige Mädchen missbraucht zu haben, die Taten stammen aus den 1970er-Jahren. Die Strafe lautete auf 16 Jahre Haft. Im Februar 2023 kam er vorzeitig frei, wurde aber schon wenig später wegen Verstößen gegen seine Auflagen wieder inhaftiert.
Neues Verfahren als möglicher Hintergrund
Zusätzlich steht der heute 82-Jährige erneut vor Gericht. Im Sommer 2026 wurde er zunächst in vier Punkten angeklagt, inzwischen geht es um acht Vorwürfe im Zusammenhang mit einer einzelnen Klägerin. Sie betreffen mutmaßliche Taten zwischen 1978 und 1981. Am 2. September 2026 wies er alle Anschuldigungen vor dem Southwark Crown Court in London zurück, zugeschaltet per Video aus der Haft. Der Prozess soll am 22. November 2027 beginnen und rund drei Wochen dauern. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
In Großbritannien unterliegt die Berichterstattung über anhängige Strafverfahren strengen Regeln, damit spätere Geschworene nicht beeinflusst werden. Ob Netflix die Verschiebung damit begründet, hat das Unternehmen nicht gesagt. Der Zusammenhang bleibt deshalb bislang Spekulation.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
