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Yuval Abraham and Rachel Szor with the Special Jury Prize for ‘Naza’ during the closing ceremony of the Venice International Film Festival
Ondine Goat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Rekordapplaus in Venedig als Ausgangspunkt einer Kontroverse

Ein Dokumentarfilm über das israelische Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung im Gazastreifen sorgt derzeit international für erhebliches Aufsehen. Das Werk der israelischen Filmemacher Yuval Abraham und Rachel Szor feierte seine Premiere bei den Filmfestspielen von Venedig und wurde dort mit einer außergewöhnlich langen Ovation des Publikums bedacht, die nach Angaben mehrerer Medien rund 24 bis 25 Minuten dauerte und damit zu den längsten in der Geschichte des Festivals gezählt wird. Zuschauerinnen und Zuschauer schwenkten während der Standing Ovations palästinensische Flaggen. Im Anschluss wurde der Film mit dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet.

Titel verweist auf militärische Zielvorgaben

Der Filmtitel geht auf einen hebräischen Begriff aus dem israelischen Militärjargon zurück, der das als vertretbar eingestufte Verhältnis ziviler Opfer bei einem einzelnen Angriffsziel bezeichnet. Laut dem Film variiert diese Vorgabe je nach Einsatz und erlaubt in bestimmten Fällen zweistellige Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung pro Ziel, ohne dabei zwischen Männern, Frauen oder Kindern zu unterscheiden. Grundlage der Dokumentation sind demnach die Aussagen von 24 israelischen Soldaten und Angehörigen des Geheimdienstes, die anonymisiert über Angriffssysteme, den Einsatz KI-gestützter Zielerfassung sowie über Angriffe auf Wohnhäuser und auf Verteilstellen für Lebensmittel berichten. Abraham hatte zu diesen Themen bereits zuvor jahrelang investigativ für israelische Medien recherchiert, wobei diese Arbeiten im eigenen Land nach seiner Aussage lange kaum Beachtung fanden.

Scharfe Reaktionen aus der israelischen Politik

Innerhalb Israels löste die Ankündigung des Films heftige Reaktionen aus. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bezeichnete das Werk öffentlich als schockierend, während der zuständige Kulturminister forderte, den beiden Regisseuren wegen mutmaßlichen Landesverrats die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Vor dem Elternhaus von Rachel Szor kam es mehrfach zu Protesten, bei denen ihre Ausweisung gefordert wurde. Abraham berichtete zudem von Drohungen gegen sich und seine Familie, betonte jedoch zugleich, in den vergangenen Tagen auch erhebliche Unterstützung erfahren zu haben, und kündigte an, gemeinsam mit Szor nach Israel zurückzukehren und sich weiter für die Zukunft des Landes einzusetzen.

Kinostart in über fünfzig Ländern

Der internationale Kinostart des Films ist für Ende September in mehr als fünfzig Ländern und Territorien vorgesehen. In Israel selbst, im Westjordanland sowie im Gazastreifen ist zunächst kein regulärer Kinostart geplant, wobei der Film nach Angaben der beteiligten britischen Zeitung, die an der Produktion beteiligt war, israelischen Kinos kostenfrei zur Vorführung angeboten wurde. Für eine Vorführung in den palästinensischen Gebieten würden nach eigenen Angaben zusätzliche Wege geprüft.

Kostenlose Online-Veröffentlichung im November angekündigt

Nach Abschluss der weltweiten Kinoauswertung soll der Film im November zeitlich unbefristet und kostenlos über die Internetseite der britischen Zeitung abrufbar sein, die an der Produktion beteiligt war. Abraham begründete diesen Schritt mit dem öffentlichen Interesse und der gesellschaftlichen Bedeutung des Themas und erklärte, er wolle mit der freien Zugänglichkeit möglichst vielen Menschen ermöglichen, die Zeugenaussagen der Soldaten zur Kenntnis zu nehmen. Ein genaues Datum der Online-Veröffentlichung steht bislang noch nicht fest. Die Veröffentlichung fällt zeitlich in die Phase nach der für Ende Oktober angesetzten Parlamentswahl in Israel.

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

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Von Franz Lemmler

Franz Lemmler agiert als Autor, Redakteur und Webmaster dieser Website. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er Gründer und CEO von Xenopolias, dem Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex.

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