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Patti Smith in Paradiso, Amsterdam on the 6th of August, 2018.
Elekes Andor, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein runder Geburtstag und ein Wiedersehen in Berlin

Am 30. Dezember 2026 vollendet Patti Smith ihr achtzigstes Lebensjahr. Die in Chicago geborene Musikerin, Dichterin und Autorin hat die Popkultur seit den Siebzigerjahren geprägt wie kaum jemand sonst. Knapp ein halbes Jahr nach dem Geburtstag kehrt sie nach Deutschland zurück: Am 6. Juli 2027 steht sie mit ihrem Quartett auf der Bühne der Zitadelle Spandau. Der Auftritt gehört zum Programm des Citadel Music Festival. Direkt zuvor spielt sie beim dänischen Roskilde Festival, das Ende Juni beginnt und sie in seiner ersten Bestätigungswelle neben Tame Impala, Kacey Musgraves und Caroline Polachek führt.

Vom Dichterpult auf die Rockbühne

Patti Smith wuchs in New Jersey auf und fand in New York zu ihrer Stimme. Dort verschmolzen Lyrik, Kunst und der rohe Sound der aufkommenden Punkszene. Ihr Debütalbum „Horses“ erschien 1975 und gilt bis heute als Meilenstein, weil es Gedichte in Rockmusik verwandelte. Dass sie nie nur Sängerin war, belegt ihre Laufbahn als Schriftstellerin. Ihr Erinnerungsbuch „Just Kids“ über die Jahre mit dem Fotografen Robert Mapplethorpe wurde 2010 mit dem National Book Award ausgezeichnet. 2007 nahm die Rock and Roll Hall of Fame sie auf.

Ein Jahr voller Begegnungen

Auch kurz vor dem runden Geburtstag wirkt Smith keineswegs wie jemand, der sich zur Ruhe setzt. Im Mai 2026 eröffnete sie gemeinsam mit dem Künstlerkollektiv Soundwalk Collective den Pavillon des Heiligen Stuhls bei der Kunstbiennale in Venedig, mit einer Klangarbeit, die die Veranstalter als Gebet in Tönen beschrieben. Im Juli gastierte sie mit ihrem Quartett auf einer Tournee durch zehn europäische Städte, darunter am 27. Juli im römischen Circus Maximus. Wenige Tage später empfing Papst Leo XIV., wie sie in Chicago geboren, die Künstlerin zu einem rund vierzigminütigen Gespräch im Vatikan. Ihre Begrüßung spielte augenzwinkernd auf ihren Song „Wave“ von 1979 an, den das Kirchenoberhaupt sofort erkannte.

Die Lebensgeschichte in Buchform

Mit „Bread of Angels“ legte Smith Ende 2025 ihr bislang am direktesten autobiografisches Werk vor. Es folgt ihrem Weg von einer entbehrungsreichen Kindheit über die ersten künstlerischen Schritte bis zur großen Liebe zu Fred „Sonic“ Smith und spart auch die schmerzhaften Verluste ihres Lebens nicht aus. Das Titelfoto stammt von Mapplethorpe. Die deutsche Ausgabe erschien bei Kiepenheuer & Witsch unter dem Titel „Die Geschichte meines Lebens“. Internationale Kritiker lobten den Band als persönliches, zugleich poetisch erzähltes Resümee.

Ein Quartett, das Literatur und Lärm verbindet

Auf der Bühne begleiten Smith der langjährige Weggefährte Tony Shanahan, ihr Sohn Jackson Smith an der Gitarre und der britische Schlagzeuger Seb Rochford. Zwischen den Songs liest sie Gedichte, erzählt Erinnerungen und kommentiert das Weltgeschehen. Genau diese Mischung hat ihre jüngsten Deutschlandkonzerte geprägt: Im Juli 2025 sahen rund 40.000 Menschen ihre Auftritte in Berlin, München, Hamburg, Köln und Freiburg, mehrere Shows waren ausverkauft. In Spandau gastierte sie schon 2022, und auch 2025 war sie beim Citadel Music Festival zu erleben.

Eine Festung als Kulisse

Die Zitadelle Spandau, eine Renaissance-Festung aus dem 16. Jahrhundert, bietet für Open-Air-Konzerte Platz für rund 10.000 Gäste und zählt zu den stimmungsvollsten Spielorten der Hauptstadt. Das Citadel Music Festival füllt dort 2027 den Zeitraum von Mitte Mai bis Ende August. Patti Smith fügt sich in diese Reihe als eine Künstlerin, deren Konzerte nie wie bloße Werkschau wirken, sondern wie eine Begegnung mit einer Gegenwart, in der Wut, Zärtlichkeit und Haltung gleichermaßen Platz haben.

Was der Abend verspricht

Wer Smith in den vergangenen Jahren erlebt hat, weiß, dass sie ihre Klassiker nicht als Denkmäler pflegt. „Because the Night“, „Gloria“ oder „People Have the Power“ klingen bei ihr jedes Mal neu, weil sie sie mit den Fragen der jeweiligen Zeit auflädt. Ein Abend im Sommer 2027, kurz nach ihrem achtzigsten Geburtstag, dürfte deshalb beides bieten: das Wiedersehen mit Liedern, die Generationen begleiten, und das Gefühl, dass diese Künstlerin weiterhin etwas zu sagen hat.

Termine

Roskilde Festival, Dänemark: 26. Juni bis 3. Juli 2027
Berlin, Zitadelle Spandau (Citadel Music Festival): Dienstag, 6. Juli 2027

Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de

 

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