
Ein Instrumental aus den Anfangstagen kehrt zurück
Placebo haben mit „Helen Keller“ eine neue Single veröffentlicht. Der Song erschien am 28. September 2026, am selben Tag, an dem in Porto die große Jubiläumstour der Band begann. Es ist kein Remake, sondern ein neu geschriebenes Stück. Sein Ursprung liegt trotzdem fast drei Jahrzehnte zurück, denn es geht auf „H.K. Farewell“ zurück, den versteckten Bonustrack am Ende des selbstbetitelten Debütalbums von 1996.
Was vom Original übrig bleibt
Das damalige Instrumental soll bei Improvisationen während der Aufnahmen entstanden sein. Auf der neuen Single bleiben vor allem Akkordfolge und Klaviermelodie erhalten. Alles andere haben Placebo neu gebaut: Das Arrangement ist kantiger und düsterer, der Sound druckvoller. Beschrieben wird das Ergebnis als Rocksong, der den gespenstischen Charakter der alten Melodie bewahrt und ihn mit der für die Band typischen Zerrissenheit auflädt.
Aufgenommen wurde der Titel Anfang 2026 in London. Die Produktion teilten sich Placebo mit Adam Noble, der den Song auch abgemischt hat. Veröffentlicht wird er über So Recordings und Elevator Lady Ltd.
Die Namensgeberin: eine Lieblingsfigur der Geschichte
Frontmann Brian Molko erklärte, der Titel verweise auf eine der Persönlichkeiten der Geschichte, die er am meisten schätzt. Gemeint ist die US-amerikanische Schriftstellerin und Aktivistin Helen Keller, die schon als Kleinkind taubblind wurde und später als Autorin und Kämpferin für die Rechte von Menschen mit Behinderung weltweit Bekanntheit erlangte. Ob die Initialen „H.K.“ im ursprünglichen Titel damals bereits auf sie zielten, ist nicht belegt. Der alte Songname wurde gelegentlich auch als „Hong Kong Farewell“ ausgeschrieben.
Der Weg dorthin: Jubiläum mit „RE:CREATED“
Die Single ist der nächste Schritt in einem Jubiläumsjahr, das die Band ganz ihrem Debüt widmet. Am 19. Juni erschien „Placebo RE:CREATED“, eine Neuinterpretation des Erstlings. Molko und Stefan Olsdal griffen dafür auf die originalen Masterbänder zurück und überarbeiteten alle zehn Stücke. Das Duo selbst spricht von einer Art Director’s Cut, in den drei Jahrzehnte zusätzlicher Erfahrung eingeflossen sind. Als Zugabe gibt es die Songs „Drowning By Numbers“ und „H.K. Farewell“. Zum Programm gehören unter anderem „Come Home“, „Teenage Angst“, „Nancy Boy“, „Bruise Pristine“, „Lady of the Flowers“ und „Swallow“.
Live-Premiere in Porto und geteilte Fanstimmen
Auf der Bühne kam „Helen Keller“ noch am Veröffentlichungstag zum Einsatz: Im Super Bock Arena in Porto feierte der Song seine Live-Premiere, als dreizehntes Stück der Setlist. An diesem Abend holte die Band auch Titel hervor, die jahrelang nicht gespielt wurden, etwa „Bruise Pristine“ und „My Sweet Prince“, beide erstmals seit 2001, sowie „Scared of Girls“ zum ersten Mal seit 2010.
Die Reaktionen auf die Neuveröffentlichung fielen unterschiedlich aus. Viele Fans loben die Verbindung aus vertrauter Melodie und neuer Wucht. Andere empfinden die Produktion als zu dicht und zu stark bearbeitet.
Die Jubiläumstour: 36 Konzerte, sieben davon in Deutschland
Die Tour führt Placebo auf 36 Termine durch Europa und Großbritannien. Gespielt werden ausschließlich Stücke der ersten beiden Alben „Placebo“ und „Without You I’m Nothing“ von 1998. In Deutschland stehen sieben Konzerte an:
12.10.2026 – Leipzig, Quarterback Immobilien Arena
26.10.2026 – Hamburg, Barclays Arena
29.10.2026 – Frankfurt, Festhalle
02.11.2026 – Köln, Lanxess Arena
09.11.2026 – München, Olympiahalle
16.11.2026 – Berlin, Uber Arena
21.11.2026 – Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle
Ein neues Kapitel mit alten Wurzeln
Mit „Helen Keller“ zeigen Placebo, dass sich ihr Frühwerk nicht nur neu auflegen lässt. Aus einer zufällig entstandenen Klavierfigur wurde ein eigenständiger Song, der Vergangenheit und Gegenwart der Band verbindet. Ob daraus mehr wird als ein Jubiläumsgruß, bleibt offen. Fest steht: Wer die Konzerte der kommenden Wochen besucht, hört den Song direkt in seinem Umfeld, zwischen Klassikern der ersten beiden Alben.
Author: Franz Lemmler © 2026 Xenopolias.de
