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Peter Gabriel in 2023, performing in the i/o Tour.
Raph_PH, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Ein Studioalbum im Zeitraffer-Tempo

Peter Gabriel gilt als Perfektionist, der sich für Studioalben traditionell sehr viel Zeit nimmt. Umso bemerkenswerter ist seine neueste Ankündigung: Am 27. November 2026 erscheint über sein eigenes Label Real World das Album „o\i“. Es ist sein elftes Studiowerk und folgt auf „i/o“ von 2023. Einen so kurzen Abstand zwischen zwei neuen Studioalben hat es bei ihm seit den frühen 1980er-Jahren nicht mehr gegeben. „i/o“ erreichte damals Platz eins der britischen Charts und Platz zwei in Deutschland.

Vollmond-Reihe ohne Vollmond-Finale

Schon das Vorgängeralbum wurde Stück für Stück im Rhythmus des Mondkalenders veröffentlicht. Auch 2026 bekamen Fans im Takt der Mondphasen neue Songs, bis jetzt zehn der dreizehn Titel. Der Albumstart selbst folgt allerdings keinem Mondtermin, sondern liegt auf einem regulären Freitag Ende November. Das Thema Natur, Zeit und Kreisläufe bleibt dem Projekt trotzdem erhalten. Der Titel „o\i“ ist ausdrücklich als Spiegelbild von „i/o“ gedacht, beide Alben bilden zusammen ein Gesamtwerk mit 25 Stücken.

Was hinter dem Titel steckt

Gabriel erklärt das Konzept mit einem Bild: Bei „i/o“ habe das Innere einen neuen Weg nach draußen gefunden, bei „o\i“ finde das Äußere einen neuen Weg nach innen. Inhaltlich knüpft das Album an die Themen des Vorgängers an. Es geht um unser Verhältnis zur Natur, um das Verstreichen der Zeit, um den wachsenden Einfluss von Technologie und um die Frage, wo der Mensch in diesem Gefüge steht.

Der Musiker blickt dabei auch in die Zukunft. Seiner Einschätzung nach stehen wir vor einer Übergangsphase, die vermutlich in drei Wellen verläuft: durch künstliche Intelligenz, Quantencomputer und Schnittstellen zwischen Gehirn und Rechner. Künstler sieht er in der Rolle derjenigen, die Entwicklungen früh erspüren und der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Zugleich wirbt er für ein Selbstbild, in dem sich der Mensch als Teil der Natur versteht und nicht als deren Nutznießer.

Alte Ideen, neue Reife

Wie bei vielen Gabriel-Platten stammt das Material aus unterschiedlichen Zeiten. Manche Stücke entstanden erst seit „i/o“, andere haben Jahre oder gar Jahrzehnte im Archiv gelegen, bis sie fertig wurden. Gabriel beschreibt seine Arbeitsweise gelassen: Manches reife von allein, anderes warte eben in einer Kiste auf seinen Moment. Er selbst bezeichnet das Album als Marathon statt Sprint und als das umfangreichste, das er je veröffentlicht hat. Mit dreizehn Titeln überragt es sogar „i/o“.

Ein Klangbild in zwei Farben

Jeder Song erscheint wieder in zwei Stereo-Mischungen. Die „Bright-Side“-Versionen verantwortet Mark „Spike“ Stent, die dunkler gehaltenen „Dark-Side“-Fassungen stammen von Tchad Blake. Eine Ausnahme bildet „Who Are We Talking To?“, das Mike Elizondo abgemischt hat. Hinzu kommt eine rein digitale Dolby-Atmos-Version, für die erneut Hans-Martin Buff zuständig ist. Er wurde für seine Arbeit an „i/o“ mit einem Grammy ausgezeichnet. Physisch erscheint das Album als Vierfach-CD und als Doppel-LP, wobei beide Mischungen jeweils separat erhältlich sind.

Prominente Mitstreiter und bildende Kunst

Zu den Beteiligten zählen die langjährigen Weggefährten David Rhodes, Tony Levin und Manu Katché sowie Musiker der letzten Tourband. Dazu kommen das New Blood Orchestra unter John Metcalfe, der Soweto Gospel Choir, ein schwedischer Männerchor, Brian Eno, der Trompeter Paolo Fresu und die Cellistin Linnea Olsson. Gabriels Tochter Melanie steuert wieder Gesang bei.

Wie schon beim Vorgänger begleiten Werke bildender Künstler die Veröffentlichungen, darunter Judy Chicago, Tomás Saraceno, Shirin Neshat und Tatsuo Miyajima. Ihre Arbeiten reichen von Malerei über Skulptur und Webkunst bis hin zu einer Zusammenarbeit mit Spinnen. Das Cover-Foto stammt vom Porträtfotografen Nadav Kander.

Songs mit Gewicht

Die Titelliste reicht von „Been Undone“ über „What Lies Ahead“, „Till Your Mind Is Shining“ und „A Hard Lesson“ bis zum Abschluss „Sacrament“. Viel Aufmerksamkeit bekam zuletzt „One by One“, ein knapp neunminütiges Stück, mit dem Gabriel seine Figur Mozo wieder auftreten lässt. Die jüngste Auskopplung „Face the Wall“ kreist um das Thema Sterblichkeit und wurde von einem rund zehnminütigen Video begleitet. Gabriel betont dabei, dass positive Zukunftsbilder die Menschen aus seiner Sicht besser erreichen als ständige Schreckensszenarien.

Späte Schaffensblüte

Mit zwei Alben innerhalb von drei Jahren und einem Veröffentlichungsprojekt, das ein ganzes Jahr lang begleitet wurde, wirkt der Mittsiebziger so produktiv wie lange nicht mehr. Für Fans beginnt am 27. November nun der letzte Teil einer Reise, die mit „i/o“ begonnen hat.

Author: Franz Lemmler
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Von Franz Lemmler

Franz Lemmler agiert als Autor, Redakteur und Webmaster dieser Website. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er Gründer und CEO von Xenopolias, dem Xenolandia Grid, Radio Xenolandia und JazzVortex.

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